Kann man sich Kampfkunst/Kampfsport selbst beibringen?


Kann man sich Kampfkunst/Kampfsport selbst beibringen?

Das Bedürfnis Kampfsport oder Kampfkunst alleine zu trainieren oder sich selbst beizubringen ist in Zeiten von Lockdowns nachvollziehbar. Für viele von uns war alleine zu trainieren, die einzige legale Möglichkeit. Kampfsportvereine und Schulen wurden immer wieder geschlossen und ein regelmäßiger Zugang zum Training konnte, über fast zwei Jahre nicht gewährleistet werden.

Doch kann man sich Kampfkunst wirklich selbst beibringen?

Sich Kampfkunst selbst beizubringen ist, ohne Vorerfahrung nicht möglich. Wer über ein gutes Beobachtungsvermögen und Selbstwahrnehmung verfügt, kann einige grundlegende Bewegungsmuster erlernen. Mit einem Trainingspartner steigen die Erfolgsaussichten. Ein Trainer ist auf Dauer aber nicht zu ersetzen.

Es gibt aber einige Dinge, die du selbst tun kannst, wenn du keine andere Möglichkeit hast oder nur sehr selten zum Training in einem Kampfsportverein oder einer Kampfsportschule kommst.

Sich selbst Kampfkunst beibringen – Vorgehensweise

Nachdem ich dir oben eine realistische Einschätzung gegeben habe, was möglich ist und was nicht, wenden wir uns den Dingen zu, die du tun kannst. Eine kluge Vorgehensweise, ist die eigenen Möglichkeiten sich Kampfkunst selbst beizubringen, voll auszuschöpfen und dann nach Ergänzungen zu suchen.

Welche Kampfsportart willst du lernen?

Wenn du alleine übst, solltest du eine Kampfsportart wählen, die hauptsächlich auf Schläge und Tritte ausgerichtet ist. Grapplingsportarten, wie Judo, Ringen und Brazilian Jiu-Jitsu, sind ohne Trainingspartner denkbar ungeeignet, um sie sich selbst beizubringen.

Du solltest ein klares Ziel vor Augen haben, was du lernen möchtest. Dann machst du dich auf die Suche nach Ressourcen. Welche Bücher, YouTube Videos oder Onlinekurse gibt es? Wie ist deren Qualität? Wie viel Geld kannst du investieren?

Wer sich eine Kampfsportart oder Kampfkunst selbst beibringen will, braucht Informationsquellen, es sei denn, er entwickelt seine eigene Kampfmethode. Was ohne Vorerfahrung und Wissen, nur zum Desaster werden kann.

Besorge dir Lernmaterial

Das zur Verfügung stehende Lernmaterial sollte einen wichtigen Einfluss auf deine Entscheidung haben, welche Kampfsportart du auswählst. Bücher sind gut, ohne Videoanleitungen wirst du dir aber Bewegungsabläufe nie richtig abschauen und selbst beibringen können.

Auf YouTube lassen sich mit ein wenig Suche durchaus gute Lehrvideos finden. Wenn du aber ein Maximum aus deinem Training herausholen möchtest, solltest du einen Onlinekurs oder DVDs in Betracht ziehen.

Die Qualität der Videokurse wird im Zuge der Digitalisierung und zunehmenden Konkurrenz am Onlinemarkt immer besser. Viele Kurse sind didaktisch hervorragend aufbereitet und ermöglichen ein wirklich sinnvolles Training.

So bietet die Gracie Familie, didaktisch perfekte Kurse zum Brazilian Jiu-Jitsu an. Wer diese Kampfsportart lernen möchte und über verlässliche Trainingspartner verfügt, kann das mit guten Chancen tun.

Lege Trainingstage und Trainingszeiten fest

Ein Problem, wenn man alleine trainiert und lernt, ist die fehlende Verbindlichkeit. Wer im Verein oder mit Trainingspartnern übt, dem sind die Trainingszeiten vorgegeben. Es ist leichter, sich zum Training zu motivieren.

Deshalb ist es wesentlich, zu fixen Zeiten und beständig über einen längeren Zeitraum zu trainieren, wenn du dir selbst eine Kampfkunst beibringen willst. Du solltest mit einem vertretbaren, auf längere Sicht durchzuhaltendem Trainingsaufwand starten.

Wer sich hier übernimmt, womöglich täglich eine Stunde und mehr alleine trainiert, wird sehr schnell in ein Motivationsloch fallen. Besser ist es mit der Zeit, den Trainingsaufwand zu steigern, als sich von Beginn an zu übernehmen.

Mach dich auf die Suche nach Gleichgesinnten

Das Internet bietet dir die Möglichkeit, in Foren und sozialen Medien, Gleichgesinnte kennenzulernen. Der Erfahrungsaustausch mit ihnen kann dir wirklich weiterhelfen. Möglicherweise ergeben sich auch Trainingsgemeinschaften oder gemeinsame Besuche von Lehrgängen in der Umgebung.

Wer es wirklich ernst meint und dauerhaft und das überwiegend alleine zu Hause trainiert, sollte jede Möglichkeit nutzen Lehrgänge zu besuchen. Das sind gute Gelegenheiten, in Kontakt mit Gleichgesinnten zu treten und Feedback von anderen zu erhalten.

Es ist nämlich schwer, den eigenen Trainingsfortschritt realistisch zu beurteilen. Auch Fehler, die sich einschleichen und nicht korrigiert werden, können zu schlechten Trainingserfolgen führen.

Suche dir Trainingspartner, Lehrer oder baue selbst eine Gruppe auf

Solltest du es bis hier geschafft, über einen längeren Zeitraum kontinuierlich trainiert, dich dabei verbessert und etwas gelernt haben, solltest du dir einen Lehrer suchen.

Du kannst Unterricht an freien Tagen nehmen oder zumindest online Termine buchen. Nur ein Lehrer kann optimal auf deine Bedürfnisse eingehen und dich korrigieren.

Eine weitere Möglichkeit ist es, selbst eine Trainingsgruppe vor Ort aufzubauen. Ohne Trainingspartner geht es auf Dauer nicht. Trainingspartner sind am Ende des Tages wichtiger als der Lehrer. Du kannst den besten Lehrer der Welt haben, der kann dir aber auch nicht helfen, falls du nicht zum Üben kommst.

Welche Kampfsportarten sind leicht zu erlernen?

Kampfsportarten, die sich ausschließlich oder zumindest hauptsächlich auf Schläge und Tritte konzentrieren, sind alleine leichter zu lernen und zu trainieren. Stile wie Boxen, Kickboxen, Muay Thai, aber auch Karate und Taekwondo sind gut geeignet.

Manche Kampfsportarten, lassen sich ohne Trainingspartner überhaupt nicht erlernen. Wer also Ringen, Judo oder Brazilian Jiu-Jitsu erlernen möchte, braucht unbedingt einen Partner. Sonst ist das Unterfangen, völlig sinnlos.

Wie viel Trainingsaufwand muss sein?

Wenn du dir Kampfsport selbst beibringen willst, solltest du dir mindestens zwei, besser deutlich mehr Stunden in der Woche Zeit nehmen. Es ist intelligenter, öfter und konzentriert zu trainieren, als länger und seltener. Die Summe der konzentrierten Trainingsbemühungen macht am Ende das Trainingsergebnis aus.

Im Zuge der Lockdowns bestand ein Großteil meines persönlichen Trainings, auch daraus alleine zu trainieren. Ich habe da zwar auch mal bis zu 90 Minuten am Stück trainiert, aber es ist auf Dauer schwierig das durchzuhalten.

Mittlerweile trainiere ich, wenn ich alleine trainiere, zwischen 20 und 30 Minuten am Tag, ganz konzentriert und zielgerichtet. Wie beim Krafttraining auch, ist es sehr vorteilhaft sich einen Plan zu machen und die Ergebnisse des Trainings zu dokumentieren.

Das lässt sich gut über Videoaufnahmen machen. Ein Handy reicht aus. Du wirst erstaunt sein, was sich in einigen Wochen und Monaten, an Bewegungsqualität ändert und verbessert. Die beste Empfehlung, die ich geben kann. Fang einfach an, zu üben. Die gemachten Erfahrungen, bringen dich weiter, viel weiter, als wenn du aus Angst vor Fehlern, nicht übst.

So kannst du dich dauerhaft motivieren

Setzte dir überprüfbare Ziele, die du innerhalb einer gewissen Zeit erreichen möchtest. So hast du bei einem Onlinekurs die Möglichkeit, dich eine bestimmte Zeit mit ausgewählten Lehrinhalten auseinanderzusetzen.

Halte dich an deine selbst bestimmten Trainingszeiten und überfordere dich nicht. Auch ein kurzes, wenige Minuten dauerndes Training ist im Zweifel, besser als keines. Führe ein Trainingstagebuch, definiere deine Lernziele und überprüfe sie.

Wenn du alleine einen Kampfsport lernen möchtest, nutze den Spiegel und filme dich in regelmäßigen Abständen beim Training. Die Ergebnisse kannst du selbst und andere, die von Kampfsport etwas verstehen und konstruktive Kritik geben, überprüfen.

Trainingsgeräte können eine große, zusätzliche Trainingsmotivation bieten. Ein Boxsack kann ein sehr wertvoller Motivator sein. Wenn du deine Reaktion trainieren möchtest, besorge dir einen Doppelendball.

Der ist bereits sehr günstig erhältlich, mit ihm, kannst du sogar, bis zu einem gewissen Grad, einen Trainingspartner ersetzen.

Stehende Punchingbälle sind auch eine Möglichkeit, preislich sind sie etwas höher anzusiedeln.

Fazit – sich Kampfsport selbst beibringen

Um einen Kampfsport oder eine Kampfkunst zu lernen, benötigst du Trainingspartner und Lehrer. An dieser Tatsache lässt sich nichts ändern. Es gibt aber trotzdem viele Möglichkeiten, selbst zu Hause zu trainieren und zu lernen.

Kombinierst du diese Möglichkeiten, mit Onlinekursen, Onlineunterricht, Partnern, mit denen du wenigstens ab und zu trainieren kannst und Lehrgangsbesuchen, kannst du durchaus ein akzeptables Niveau im Kampfsport erreichen.

Für immer, ganz alleine, auf weiter Flur trainieren, kann ich dir aber nicht empfehlen. So ein Unterfangen ist zum Scheitern verurteilt!

Viel Spaß beim Training!

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