Shillelagh der irische Kampfstock und seine Besonderheiten


Shillelagh
Shillelagh

 Der Shillelagh traditioneller Stock der Iren

Der Stock oder Knüppel gehört zu den ältesten Waffen der Menschheit. Sei es zur Abwehr von wilden Tieren oder menschlichen Artgenossen. Auch in der Moderne findet der Stock als Spazier- und Wanderstock, der auch zur Selbstverteidigung gebraucht werden kann, Verwendung.

Der Shillelagh bezeichnet hölzerne Kampfstöcke unterschiedlicher Länge. Er wird der irischen Kampfmethode Bataireacht verwendet. Traditionell wurde er aus Schwarzdorn gefertigt, der Wurzelknoten diente dabei als Knauf, der mit Blei gefüllt, noch mehr Wucht erzielte.

Seinen Ursprung hat der Shillelagh als antike Waffe, die sogar in Schlachten Verwendung fand. Die teilweise prähistorischen, bronzezeitlichen Variante war ein mit Dornen bewährter Knüppel. Der Anblick der Modelle allein ist schon furchteinflößend. Der Bata – Stick, ist ein Ausdruck für alle Arten von Stöcken in Irland und auch für Shillelaghs gebräuchlich.

In den vergangenen Jahren wurde das Irish Stick Fighting, der irische Stockkampf, eine Methode, die Shillelaghs, unterschiedlicher Länge und Beschaffenheit nutzt, international bekannt. Der Shillelagh ist heute auch ein beliebter Geschenkartikel aus Irland.

Video über Herstellung und Geschichte des Shillelagh.

Der Begriff Shillelagh ausgesprochen „shill-lay-lee“, entstammt der irischen, einer keltischen Sprache. Es gibt den Shillelagh in unterschiedlichsten Ausführungen. Vom leichten Spazierstock, der auch als Kampfstock verwendet werden kann, bis hin zu schweren Knüppeln unterschiedlicher Länge.

NameShillelagh
Länge0,6 m bis 1,2 m
Gewicht250g bis 1500g
MaterialSchwarzdorn, Eiche, Polypropylen
LandIrland
VerwendungszweckWaffe, Wanderstock

Shillelagh Materialien – Herstellung – Maße

  • Traditionell wird der robuste Wanderstock/Kampfstock aus Schwarzdorn oder Eiche hergestellt. Beim Schwarzdorn dient der Wurzelknoten als Knauf. Bei anderen Materialien werde die Äste so gewählt, dass ein organisch gewachsener Ast, entsprechend gewählt wird.
  • Viele Modelle nutzen eine Lederschlaufe, am Stockende.
  • Die Herstellung eines traditionellen Shillelagh ist aufwändig. Traditionell wird der Stock, die Rinde wird nicht entfernt, mit Butter bestrichen, um anschließend über Feuer getrocknet bzw. geräuchert zu werden. Anschließend in Dung eingegraben, wird der Stock angefeuchtet, um Risse zu vermeiden.
  • Diese Herstellungsweise führe dann zu der typischen glänzenden, dunklen Oberfläche.
  • Moderne Shillelaghs werden vorwiegend Bootslack behandelt oder auf andere Arten (Wachs) imprägniert, um eine Witterungsbeständigkeit zu gewähren.
  • Die Firmen Cold Steel und United Cutlery stellen moderne Shillelagh und andere Kampfstöcke aus Polypropylen her. Diese Stöcke sind nahezu unverwüstlich. Beim Kauf ist unbedingt auf das Gewicht achten, für den alltäglichen Gebrauch haben sich einige Modelle als zu schwer erwiesen.
  • Manche Kampfstöcke wurden mit Blei präpariert. Flüssiges Blei wurde in den ausgehöhlten Knauf gegossen, was wiederum die Wucht der als Keule gebrauchten Waffe, deutlich erhöhte.
  • Länge bis zu einem Meter. Die optimale Länge des Shillelaghs als Spazierstock lässt sich herausfinden, indem man, mit leicht angewinkeltem Arm, den Stock beim Gehen in etwa Schrittlänge vorne am Boden absetzt. Traditionell 60 cm bis 1,2 Meter lang. Die kurzen Versionen, die ausschließlich als Knüppel gebraucht wurden deutlich kürzer ab ca. 60 cm.
  • Traditionell wurden aber auch wesentlich kürzere Versionen benutzt. Die zu kurz für einen Spazierstock, reine Knüppel bzw. Keulen waren.
  • Das Gewicht eines Shillelagh beträgt 250 g bis 1500 g.
  • Zum Vergleich Wanderstöcke haben eine Länge bis zu 140 cm abhängig von der Körpergröße und wiegen bis zu 1,5 kg.

Der Shillelagh als Waffe

Der Einsatz des Shillelagh als Waffe reicht bis in die Bronzezeit zurück, der oft mit langen Dornen bewährte Knüppel muss eine furchtbare Waffe gewesen sein. Aufgrund eines Waffenverbotes griffen die Iren im 19. Jh. ebenfalls auf den Shillelagh in Auseinandersetzungen zurück. Es soll regelrechte Schlachten gegeben haben.

Einige Shillelaghs sind in ihrem Verwendungszweck als Waffe auf den ersten Blick zu erkennen und ausschließlich dafür designt.

Durch irische Einwanderer kam der Shillelagh in die Vereinigen-Staaten und wurde dort als Waffe zur Selbstverteidigung und Straßenkämpfen genutzt. In dem Film die Gangs of New York sind solche Gefechte, die irische Figur nutzt einen Shillelagh, sehr eindrucksvoll dargestellt, wenn auch überzeichnet.

Es gab Shillelagh unterschiedlicher Länge, die abhängig davon, in jeweils anderen Distanzen optimal genutzt werden konnten.

Während antike Stücke oft mit mehreren Zentimetern langen Dornen bewährt waren, sind die modernen Varianten glatt oder mit kurzen Dornen versehen. Diese machen den Kampfstock für den Gegner schwerer zu fassen, ermöglichen aber zeitgleich dem Träger einen sichereren Griff. Die Dornen fügen bei Treffern mehr Schaden zu als bei glatten Stöcken und ermöglichen bestimmte sehr schmerzhafte Techniken im Nahkampf.

Die Kampftechniken sind mit dem Shillelagh, glaubt man den Angaben einiger Experten, auf den Schwert-, Speer- und Stabtechniken zurückzuführen.

Andere sehen im irischen Stockkampf die natürliche Erweiterung des Boxkampfes und des waffenlosen Kampfes allgemein.

Im modernen irischen Stockkampf versucht man altes Wissen und Traditionen neu aufleben zu lassen. Die verwendeten Techniken werden aus schriftlichen und mündlichen Überlieferungen rekonstruiert. Manche Familien haben ihr Wissen über den Stockkampf über Generationen weitergegeben und gepflegt.

Inwieweit die historischen Kampfmethoden den heutigen entsprechen, bleibt jedoch fraglich. Vieles Wissen ist im Laufe der Zeit einfach unrettbar abhandengekommen, das gilt für den europäischen, mittelalterlichen Waffenkampf, das historische Fechten und möglicherweise auch auf den Gebrauch des Shillelaghs im Kampf.

Auf der anderen Seite – der Gebrauch eines Knüppels oder Stocks ist keine Raketenwissenschaft. Was wirklich im Kampf funktioniert, zeigt sich am ehesten in Sparringkämpfen mit Schutzausrüstung.

Beitrag: Der Kampfstock zum Selbstschutz – Was kann er leisten?

 Kampftechniken mit dem Shillelagh -irischer Stockkampf

Die hier gezeigten Techniken des Doyle Clan, wurden, so die Doyles, in der Familie überliefert. Es werden folgende Techniken im irischen Stockkampf gelehrt.

Der Jab – ansatzlos

Als Jab wird ein ansatzloser Schlag bezeichnet. Der Shillelagh wird mit beiden Händen mittig gehalten. Aus dieser Position können, je nachdem welche Hand den Stock loslässt, ansatzlose Stockschläge abgefeuert werden. Zur Verwirrung des Gegners trägt bei, dass hier beide Enden des Stocks genutzt werden können. Das untere Drittel des Shillelagh wird dabei durch den Unterarm des den Stock haltenden Arms gestoppt.

Das ermöglicht es, ihn sofort wieder unter Kontrolle zu bringen und weitere Jabs und andere Techniken folgen zu lassen. Abzuwehren ist solch ein Jab nur sehr schwer.

Blöcke – Abwehrtechniken

Blöcke unterschiedlicher Art werden mit dem Shillelagh durchgeführt. Blocktechniken werden dann notwendig, wenn es nicht mehr möglich ist auszuweichen und können im Nahkampf notwendig werden. Der Nahkampf kann absichtlich gesucht werden, oder aufgrund beengter Räumlichkeiten aufgezwungen werden. Je nachdem, von welcher Warte man es betrachtet.

Eine Besonderheit in der einhändigen Handhabung es Shillelagh, ist es den Stock so zu fassen, dass das verbleibende untere Ende, etwa Unterarmlänge hat. Das ermöglicht bestimmte Blocktechniken und eine schnellere Handhabung der Waffe, durch das Gegengewicht am unteren Stockende.

Hiebe – hohe Wirkung, große Reichweite

Beim Shillelagh handelt es sich um eine stumpfe Waffe, die im Unterschied zu Klingenwaffen, mit möglichst großer Wucht geführt werden muss. Sonst erzielt sie schlicht und einfach nicht die gewünschte Wirkung. Es kann sowohl der Wurzelknoten am Ende, als auch die andere Seite des Kampfstockes benutzt werden. Das dicke Ende generiert mehr Wucht, das dünne Ende kann schneller und flexibler geführt werden.

Nutzt der Kämpfer das dünne Ende des Stocks zum Zuschlagen, dient der Wurzelknoten am anderen Ende als Gegengewicht. Er hat also eine ähnliche Funktion, wie ein Schwertknauf. Das macht die Waffe ausbalancierter und führiger.

Der Kampfstock kann über unterschiedliche Griffpositionen in seiner effektiv eingesetzten Länge manipuliert werden.

Stiche – sehr effektiv

Stiche, mit dem Shillelagh, werden genutzt, um den Gegner auf Distanz zu halten. So kann der Versuch zu ringen, mit einem beidhändig geführten Stich, stell dir die Nutzung eines Bajonetts vor, unterbunden werden. Einhändig geführte Stiche sind ebenso möglich, sie werden aber nie so wirksam sein, wie mit einer Klinge.

Grundstellung – bereit für den Kampf

In der Grundstellung wird der Shillelagh mit beiden Händen mittig gegriffen. Aus dieser Position, die nicht aggressiv wirkt, ist der Träger in der Position jederzeit zuzuschlagen. Er kann den Versuch den Stock zu greifen unterbinden, indem er seinen Stock parallel zum Boden noch oben oder unten bewegt. Außerdem ist es ihm jederzeit möglich oben beschriebene Jabs zu nutzen, oder den Kampfstock zum beidhändigen Stechen zu nutzen.

Diese Grundstellung wird gerne im Kontext der Selbstverteidigung mit dem Stock gelehrt, sie wirkt nicht aggressiv, ermöglicht aber jederzeit effektive Gegenwehr.

Der irische Kampfstock kann also mit ein oder zwei Händen gehalten werden und so zum Angriff und Verteidigung verwendet werden. Das macht ihn, neben dem keulenartigen Knauf, zu einer vielseitigen Waffe. Manche Experten des irischen Stockkampfes vertreten die Meinung, dass das irische Boxen sich aus der Handhabung des Shillelagh entwickelt hat. Eine interessante These, der andere Experten widersprechen.

Beitrag: In welchem Kampfsport oder Kampfkunst wird mit Stöcken trainiert?

Shillelagh zur Selbstverteidigung

Der Shillelagh als Kampfstock konzipiert ist zur Selbstverteidigung gut, ganz besonders gegen unbewaffnete Gegner geeignet. Er ermöglicht wuchtige Hiebe, den Kontrahenten aus großer Distanz zu bekämpfen und hat schon von seinem Erscheinungsbild einen hohen Abschreckungswert.

Wer sich ein bisschen umsieht, wird schnell entdecken, dass Kampf und Wanderstöcke, die als solche nutzbar sind, weltweit Verbreitung gefunden haben. Wer also einen Stock zur Selbstverteidigung sucht, hat eine große Auswahl, an handwerklich hochwertigen Stöcken zur Verfügung.

Der Shillelagh hat für den Irland Fan natürlich ein besonderes Flair und wer einen hochwertig verarbeiteten Stock sucht, ist mit einem Shillelagh sicher gut beraten. Wesentlich ist es einen Stock, der den eigenen Bedürfnissen entspricht zu finden. Hier empfiehlt sich im Zweifelsfall der Gang zum Händler, um sich beraten zu lassen. Länge, Gewicht und die Ausbalancierung des Stocks sind neben dem Design ganz wesentliche Kriterien.

Vor allem für jene, die den Stock, regelmäßig bei sich führen.

Regenschirme können, wenn sie entsprechend verarbeitet sind, ebenfalls als Kampfstöcke zur Selbstverteidigung genutzt werden. Es gibt hier, etwas teurere Modelle auf dem Markt, die extra zum Zwecke des Selbstschutzes hergestellt wurden.

Ist ein Shillelagh legal?

Ob ein Shillelagh der irische Kampf-/Wanderstock legal ist, hängt von dessen Beschaffenheit ab. Ist der Stock als Waffe präpariert, Blei im Knauf oder Metalleinlagen, um die Schlagkraft zu erhöhen, kann es sich um eine verbotene Waffe handeln. In der BRD im Waffengesetz §42a, Anlage 2 geregelt.

Grundsätzlich sind Spazier- und Wanderstöcke keine verbotenen Gegenstände oder gar Waffen. Im Einzelfall kann es jedoch sinnvoll sein, bei der Waffenbehörde des Ordnungsamtes im Wohnbereich, nachzufragen. Dies aufgrund der Komplexität des deutschen Waffenrechts.

Mittels Feststellungsbescheid, bekommst du es dann amtlich, ob dein Shillelagh legal zu besitzen und zu führen ist.

Fazit der Shillelagh

Die Geschichte des Shillelagh reicht weit zurück in die vorhistorische Geschichte. Der Knüppel als Kriegswaffe und Selbstverteidigungstool, war eine der ersten Waffen überhaupt, die Menschen benutzt haben.

Heutzutage ist der Shillelagh ein Teil der irischen Kultur, wird als Wanderstock, Waffe für die Selbstverteidigung und Sportausübung und bei festlichen Ereignissen gebraucht. Im modernen irischen Stockkampf wird der Versuch unternommen, alte Kampfmethoden, die zum Teil in Vergessenheit geraten waren, wieder aufleben zu lassen.

Wer einen Wanderstock sucht, ein unauffälliges Mittel zum Selbstschutz (je nach Ausführung) ist mit einem Shillelagh gut beraten. Auch ein Laie kann, mit etwas Training und die Konzentration auf ein paar wenige effektive Techniken, seine Selbstverteidigungsmöglichkeiten erheblich steigern.

Viel Spaß beim Training!

Martin

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