In welchem Kampfsport oder Kampfkunst wird mit Stöcken trainiert?


In welchem Kampfsport oder Kampfkunst wird mit Stöcken trainiert
In welchem Kampfsport oder Kampfkunst wird mit Stöcken trainiert

Stöcke und Knüppel stellen einfachste, aber sehr effektive Waffen dar, die seit Anbeginn der Menschheit als Waffen genutzt wurden. So ist es kein Wunder, dass es in nahezu allen Kulturen Kampfkünste gibt, in denen Stockkampf trainiert wird.

Kampfkünste, in denen mit Stöcken trainiert wird, gibt es in allen Kulturkreisen. Der Stock (langer Stock = Stab) wird, in verschiedenen Längen und oft, aber nicht immer, als Stellvertreter und Ersatz für Klingen verwendet. Der Stock, neben Steinen, ist die älteste Waffe der in Menschheitsgeschichte.

Mittlerweile gibt es eine kaum überschaubare Zahl an Kampfkünsten, die auf die eine oder andere Art Stockkampf lehren. Die wichtigsten, ihre Trainingsmethoden und die Eignung von Stöcken als Waffen, sehen wir uns in dem Beitrag, genau an.

Stockkampf-Systeme oder Stile, die Stöcke nutzen:

  1. Escrima, Kali, Arnis
  2. Bo Jitsu, Jodo
  3. Aikido
  4. Kendo
  5. Ninjutsu
  6. Iaido
  7. Kobudo
  8. Tai Chi
  9. Bataireacht
  10. Systema
  11. Kalarippayat
  12. irische Stockkampf
  13. Bartitsu
  14. Juego del palo
  15. verschiedene chinesische Kung-Fu Stilrichtungen
  16. Wing Chun/Wing Tsun

Aus unterschiedlichen Gründen haben sich, sowohl Kampfkünste als auch Kampfsportarten entwickelt, die sich dem Stockkampf widmen. Dabei sind Stöcke sehr oft nur ein Trainingsgerät oder eine Waffe unter vielen. Das Training erfüllt unterschiedliche Zielsetzungen. In den Kampfkünsten auf der einen Seite, wird viel Wert auf Tradition und formale Techniken gelegt.

In den Kampfsportarten, die sich dem Stockkampf widmen, geht es um den Wettkampf und die sportliche Herausforderung. Manche Stockkampf-Systeme haben sich dem Einsatz des Stocks als Selbstverteidigungswaffe verschrieben. Wie weit er dem gerecht werden kann, werden wir uns in dem Beitrag noch ansehen.

Oft sind die Übergänge von Kampfkunst, Kampfsport und Selbstverteidigung fließend. Eine genaue Einteilung kann nicht immer getroffen werden.

Stockkampf – Stöcke erfüllen zwei Funktionen

  1. Sie stellen stumpfe Hieb- und Stoßwaffen dar.
  2. Sie stehen stellvertretend für andere Waffen.

Das ist wesentlich, um vieles was als „Stockkampf“ bezeichnet wird zu verstehen. Die Tatsache, dass Stöcke traditionell im Training stellvertretend für scharfe Waffen, wie Schwerter, Macheten, Messer oder Speere eingesetzt werden, ist vielen Menschen nicht bekannt.

Das führt zu vielen fatalen Missverständnissen und Fehleinschätzungen.

Nicht nur bei Schülern dieser Kampfkünste, sondern auch bei vielen Lehrern.

Es macht einen grundsätzlichen, ganz entscheidenden Unterschied, ob mit Stöcken, stumpfen Waffen also, oder Klingen gekämpft wird.

Stumpfe Waffen können durchaus zu schweren Verletzungen und Tötungen führen. Klingen sind aber ungleich gefährlicher.

Deswegen ist das Kampfverhalten entscheidend davon abhängig, was für eine Art von Waffe im Training gedacht und in der Realität verwendet wird.

Die Waffe scharf oder stumpf und alle ihre Eigenarten bestimmen die Art der Kampfführung!

Wer einschlägige Medienberichte verfolgt, wird fast immer mit Messerstechereien und den damit verbundenen Verletzungen und Morden konfrontiert. Wesentlich seltener ist von Gewalttaten mit Stöcken und Knüppeln als Tatwaffen zu lesen. Das ist so, weil Messer als Klingenwaffen gefährlicher als Stöcke und Knüppel sind. Außerdem lassen sich Messer unauffälliger führen.

Zu den bekanntesten Kampfkünsten, in denen Stöcke auch stellvertretend für Klingen verwendet werden, gehören die FMA. Sie sind auch unter den Überbegriffen Escrima, Kali und Arnis bekannt. Hier gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Stilrichtungen und Interpretationen, die sich in ihren Zielsetzungen, technischen und historischen Hintergründen oft stark unterscheiden.

Kampfsportarten mit Stöcken

Es gibt auch Kampfsportarten mit Stöcken, die sich im Lauf der Zeit zu eigenständigen Sportarten entwickelt haben. Fast alle haben traditionelle Hintergründe, aus dem Bereich alter Kampfkünste, sie haben sich inhaltlich und methodisch, von den alten Kampfmethoden weit entfernt.

Vergleichbar mit den Entwicklungen im modernen Fechtsport, der kaum etwas mit den alten Fechtmethoden zu tun hat.

Savate – Canne de Combat

Wenig bekannt ist, in Verbindung, mit Stockkampf, das Savate. Das Savate ist ein von Seeleuten geschaffenes, Faust und Fußkampfsystem, das von asiatischen Kampfkünsten beeinflusst wurde. Das Savate oder auch Boxe Francaise genannt, beinhaltet auch den Stockkampf, Canne de Combat genannt.

Neben den waffenlosen Wettkämpfen im Savate, werden auch Wettkämpfe mit Stöcken ausgetragen. Die Waffe ist ursprünglich ein Spazierstock gewesen und der Umgang mit ihm wurde überwiegend von der nobleren Stadtbevölkerung geübt.

Heute wird das Canne de Combat im sportlichen Rahmen ausgeübt. Der knapp einen Meter lange Kastanienholzstock dient dabei als Waffe. Als Schutzausrüstung werden Fechtmaske, gepolsterte Anzüge und Handschuhe verwendet.

Beitrag: Savate-Boxe Francaise

Jogo do pau – Stockfechten aus Portugal

In Portugal gibt es ein traditionelles Stockkampf-System, das Jogo do pau. Was übersetzt soviel, wie Spiel des Stocks oder Stockfechten bedeutet. Es hat sich aus der Fechtkunst entwickelt, wird und wurde von Hirten benutzt und ist heute eine populäre Kampfsportart in Portugal.

Juego del palo in Teneriffa

Das Stabspiel Juego del palo ähnelt einem Kampf mit Stöcken, ist es aber nicht. Es stellt ein Spiel dar, in dem sich komplizierte Angriffs- und Verteidigungsmanöver miteinander abwechseln. Die Schläge werden dabei nicht voll durchgezogen. In Teneriffa stellt es einen beliebten Volkssport dar.

Philippinische Kampfkünste (FMA)

Die philippinischen Kampfkünste, sind heute, in allererster Linie als Stockkampfsysteme bekannt. Der eigentliche Sinn dahinter, das gefährliche Training mit scharfen Waffen, mit Stöcken sicher zu simulieren, erschließt sich nur wenigen. Auch viele Ausübende der FMA, wissen das nicht mehr.

In vielen FMA Stilen und Verbänden gibt es ebenfalls Wettkämpfe im Stockkampf.

Was für den Zuseher wichtig zu verstehen ist, ist, wann Stock gedacht und wann der Stock als Klinge angesehen wird.

Das verändert die Art zu kämpfen dramatisch.

Eine moderne Art des sportlichen Stockkampfes stellen die  DBMA (dog brothers martial arts) dar. Zumindest der europäische Zweig. Das zumindest ist die Aussage von Benjamin Rittiner, dem Europa Cheftrainer der Dog Brothers.

Ich habe mehrere Lehrgänge bei ihm besucht und kann ihn als hervorragenden Lehrer und Trainer in seiner Sparte nur empfehlen. Er ist ein Idealist seines Sports und ein sehr freundlicher, umgänglicher Mensch, wenn man nicht gegen ihn kämpfen muss. 😉

Hier ist er auf Video zu sehen:

Beitrag: Philippinische Kampfkünste (FMA) – vielschichtig und effektiv

Aikido

Im japanischen Aikido wird ebenfalls mit unterschiedlichen Stöcken trainiert. Der Jo, etwa 130 cm lang, mit einem Durchmesser von ca. 25 mm, wird dabei als Waffe gegen Samuraischwerter eingesetzt. Der Jo, verfügt dabei über eine ca. 30 cm höhere Reichweite und ist abgesehen davon, in allen Belangen der Klinge unterlegen.

Wenn im Training Holzschwerter verwendet werden, wird deutlich sichtbar, was für eine Intention hinter den Übungen steckt. Beim Bo – dem langen Stock, weniger. Er kann für sich selbst als stumpfe Waffe stehen, aber auch einen Speer, mit metallener Spitze symbolisieren.

Ninjutsu

Das japanische Ninjitsu verwendet die traditionellen Waffen der Ninjas, japanischer Auftragsmörder, darunter Stöcke unterschiedlicher Länge, aber auch Waffen der Samurai.

Beitrag: Die Kampfkunst der Ninja -Ninjutsu

Kobudo

Das japanische Kobudo widmet sich ausgiebig dem Training unterschiedlicher japanischer Bauernwaffen.

  • Sai: Eine Art Gabel mit 3 Zacken.
  • Nunchaku: Zwei Holzstäbe, mit einer Kette verbunden.
  • Tonfa: Die Tonfa sieht man häufig als Polizeieinsatzstock. Ihre Form führt sich darauf zurück, dass früher im feudalen Japan Mühlsteine mit ihr bewegt wurden.
  • Kama: Ist eine Art Sichel, die zum Kampf verwendet wird.

Beitrag: Kobudo, die Waffenkampfkunst aus Okinawa

Grundtechniken im Stockkampf

Zu den Grundtechniken im Stockkampf zählen Hiebe und Stiche aus unterschiedlichen Winkeln und Blöcke. Es gibt verschiedene Systeme, den Angriffen Nummern zuzuweisen. Blöcke entstehen, wenn der eigene Angriff auf Widerstand trifft. Entwaffnungen passieren, nur wenige sind realistisch im Kampf anwendbar.

Solltest du kunstvollen Stockkampf erlernen wollen, so gibt es eine Unzahl von Techniken zu erlernen. Die philippinischen Kampfkünste nutzen überwiegend Stöcke im Waffentraining. Du solltest dir aber bewusst sein, dass diese auch stellvertretend für Klingenwaffen betrachtet werden.

Deshalb ist es wichtig zu verstehen, ob der Stock nun einen Stock oder eine Klinge repräsentiert. Das Training mit Klingen selbst scheidet aus Sicherheitsgründen erstmal aus.

Abhängig von der jeweiligen Kampfkunst gibt es unterschiedliche Bezeichnungen, bzw. Nummernsysteme für die Stocktechniken. Meist, aber nicht immer, werden die Hiebe und Stiche in 5 Kategorien unterteilt.

Die Angriffswinkel im Stockkampf

Um die Angriffswinkel im Stockkampf zu definieren, wird meistens auf die 5 grundlegenden Angriffe, denen jeweils eine Nummer zugewiesen wird, und das sich am Ziffernblatt einer Uhr orientiert, zurückgegriffen.

Es gibt aber auch unzählige andere Zählweisen, um die verschiedenen Winkel und Angriffe zu benennen.

  • Winkel 1: Zwischen 12 und 3 Uhr. Das ist der häufigste Hieb, den Menschen von Natur aus bevorzugen. Die Vollkontaktstockkämpfer von den „Dog Brothers“ nennen ihn „Caveman“. Den Höhlenmenschen also.
  • Winkel 2: Zwischen 9 und 12 Uhr.
  • Winkel 3: Zwischen 3 und 6 Uhr.
  • Winkel 4: Zwischen 6 und 9 Uhr
  • Winkel 5: Alle Arten von Stichen.

Blocktechniken im Stockkampf

Abwehren im Stockkampf, auch Blöcke genannt, entstehen aus Angriffen, die nicht ihre Ziele finden.

Gegen jeden Hieb gibt es bestimmte Blöcke. Gegen Schläge von oben werden der Roof Block und der Umbrella verwendet. Die beste Variante stellen aber Ausweichbewegungen dar. Blöcke sind Notlösungen, bzw. sollten selbst Angriffe sein, die den Ausführenden schützen. Passives Abwehren ist nicht vorgesehen und funktioniert auch nicht wirklich.

Das Konzept der Box, die es zu verteidigen gilt, gibt es in einigen philippinischen Kampfkünsten. Stick Up und Stick Down, bezeichnen, die Stellung des Stocks im Verhältnis zur Waffenhand, bei Stockabwehren, aus flachen Winkeln. (Winkel 3 und 4)

Entwaffnungen im Stockkampf

Es gibt unzählige Varianten, den Gegner zu entwaffnen. Diese sind aber fast alle Schönwettertechniken für verspielte Kampfkünstler.

Drei Entwaffnungstechniken haben sich in Vollkontaktkämpfen tatsächlich bewährt:

  1. Den Stock greifen und wegnehmen!
  2. Auf die Waffenhand schlagen und treffen!
  3. Den gegnerischen Stock in einem bestimmten Winkel treffen, sodass der Gegner ihn verliert.

Viele Stockkampfsysteme kennen 20 und mehr Arten, den Gegner zu entwaffnen. Bis auf die drei oben genannten, sind diese allerdings kaum, realistisch anwendbar. Es gibt zwar einige wenige Entwaffnungen, die im Nahkampf, entstehen können, sie spielen aber kaum eine Rolle in echten Auseinandersetzungen.

Stockkampf mit zwei Stöcken

In den philippinischen Kampfkünsten wird oft und vielfach mit zwei Stöcken gleichzeitig trainiert. Diese Stile werden unter Arnis, Kali und Escrima als Überbegriffe zusammengefasst.

Warum mit zwei Stöcken trainieren?

Das Training mit zwei Stöcken verbessert die Koordinationsfähigkeit und das Zusammenspiel beider Gehirnhälften. Es trainiert beide Auslagen gleichermaßen, was im Kampf gegen mehrere Gegner enorm wichtig ist. Es sollte mit Stöcken verschiedener Längen und Gegenständen aller Art geübt werden.

Ziel dieses Trainings ist es in erster Linie, die Koordinationsfähigkeit zu verbessern.

Du bist gezwungen nicht nur die Waffe, sondern beide Hände miteinander zu koordinieren, um dir nicht selbst mit den Stöcken in die Quere zu kommen.

Diese Art von Training hilft sehr dabei, unabhängig von der jeweiligen Auslage kämpfen zu können.

In einem Szenario, in dem du mit mehreren Gegnern konfrontiert bist, kannst du mit zwei Waffen, viel Raum abdecken und dich besser schützen als mit einer.

Da die Angriffe aus jeder Richtung kommen können, lernst du das Beste aus deiner jeweiligen Position zu machen. Du hast dann nämlich nicht den Luxus, dich auf den Gegner auszurichten und in deiner Lieblingsauslage kämpfen zu können.

Das Training mit zwei Stöcken kann für Waffen unterschiedlicher Länge stehen. Wie das Espada y Daga, das den Kampf mit Schwert und Dolch bezeichnet. Dabei dient der Dolch, die kurze Waffe, dazu eine effektive Waffe in der Nahdistanz zu haben, oder auch die gegnerische Klinge abzufangen und zu brechen.

Der zweite Stock kann auch gedanklich als Schild benutzt werden und dient auch als Übung dazu, mit einer Waffe und einem Schild umzugehen zu lernen.

Sinawali – verkettete Bewegungen im Stockkampf (FMA)

Sinawali bezeichnen in den FMA eine Vielzahl von Doppelstockübungen, die in Endlosschleifen mit und ohne Partner geübt werden können. Diese abgesprochenen Kombinationen werden vielfach bei Demonstrationen gezeigt und erwecken im laienhaften Betrachter den Eindruck, einen Stockkampf zu sehen.

Das ist aber falsch. Wer in einem Kampf mit berechenbaren, immer wiederkehrenden Bewegungsmustern agiert, ist leicht auszukontern.

Sinawlis sind Koordinationsübungen, die einen Teil der FMA ausmachen, mit Sicherheit aber nicht das Herz der philippinischen Kampfkünste.

Sie werden aber, weil es Spaß macht sie zu trainieren, oftmals im Training überbewertet, was dazu führt, dass andere wichtige Trainingsinhalte zu kurz kommen.

Der Langstock

Der Langstock ist eine Waffe, die sich in allen Kulturkreisen weltweit wiederfinden lässt. Es ist eine denkbar, einfache, primitive Waffe, die sehr effektiv im Kampf eingesetzt werden kann. Sie bietet eine große Reichweite und kann wuchtige Hiebe und Stiche erzeugen.

Beim Speer oder der Hieblanze handelt es sich um Langstöcke auf „Testosteron“ sozusagen. Die metallene Spitzen erlauben Stiche und abhängig vom Design auch Hiebe. Nicht umsonst zählen Waffen, wie die Hellebarde und vergleichbare Waffen zu den fortgeschrittensten und effektivsten Hieb- und Stichwaffen überhaupt.

Langstöcke wurden zum Training als Speerersatz oder auch als Waffe des einfachen Mannes, der sich kostspielige Ausführungen nicht leisten konnte, verwendet. Buddhistische Mönche zogen die Stöcke aus religiösen Gründen dem Speer vor und verzichteten oft ganz bewusst auf metallene Spitzen. Sie wollten kein Blut vergießen.

Japanischer Bo, Jo, und chinesischer Langstock Gan

Der chinesische Gan ist zwischen 220 und 380 cm, der japanische Bo 182 cm und der Jo 127  bis 140 cm lang. Der japanische Jo ist deutlich kürzer, als der Bo und der chinesische Langstock, mit einer Länge von 1, 27 Meter bis 1,4 Meter. Er findet im Aikido Verwendung.

Die längeren Waffen werden wie Speere geführt. Sie eignen sich besonders gut zum Stechen, weniger gut für Rotationsbewegungen und dem Einsatz von Hieben und beiden Enden der Waffe.

Warum werden Stöcke zum Training benutzt?

Der Grund, warum mit Stöcken anstatt mit Klingen gefochten wird, sollte auf der Hand liegen. Training mit scharfen Klingen ist lebensgefährlich. Sieh dir die Schutzausrüstung an, die beim Sportfechten getragen wird. Hier werden, dünne, biegsame, stumpfe und extrem leichte Klingen verwendet. Trotzdem kam und kommt es dort immer wieder zu tödlichen Unfällen.

Stöcke als Klingenersatz haben viele Vorteile. Neben dem Sicherheitsaspekt sind sie billige und effektive Trainingsgeräte.

Wer schon einmal mit „Stöcken“ gefochten hat, weiß wie schmerzhaft Treffer sein können.

Der Vorteil ist, die Verletzungen sind geringfügig (Sicherheitsausrüstung wie Helm ist Pflicht) und der Schmerzreiz ist unmittelbar an den Treffer gebunden. Das Unterbewusstsein kann also, getroffen werden und Schmerz miteinander verbinden. Es wird in Zukunft versuchen, Treffer zu vermeiden. Das Lernen geschieht also nicht nur auf einer bewussten, sondern auch stark auf einer unterbewussten Ebene.

Das ist wichtig. Manche Extremsportler (Holmgang) fechten mit scharfen Klingen. Das ist nicht nur lebensgefährlich, sondern aus einem weiteren Grund weniger optimal, als mit Stöcken zu trainieren. Jeder der sich schon mal mit dem Messer geschnitten hat weiß. Der Schmerz kommt mit einer gewissen Verzögerung. Dafür sind die Verletzungen schwer.

Wenn du also mit scharfen Klingen trainierst, setzt du nicht nur deine Gesundheit aufs Spiel, sondern du verzichtest auch auf einen Teil der Lernerfahrung. Treffer und Schmerz sind nicht unmittelbar aneinander gekoppelt.

Selbstverteidigung mit einem Stock

Knüppel, Keulen und Stöcke zählen zu den ältesten Waffen des Menschen überhaupt.

Der Stock bringt dir im Kampf, bzw. in der Selbstverteidigung mehr Reichweite, eine abhängig von der Länge und Beschaffenheit des Stocks, größere Schlagwirkung/Hiebwirkung und verringert dein Verletzungsrisiko. Du musst nicht zwangsläufig nahe an den Gegner heran und kannst, wenn du es geschickt anstellst, außerhalb der Reichweite seiner Körperwaffen bleiben.

Mit einem gut gezielten Hieb, mit einem entsprechend massiven Stock, kannst du also durchaus beachtlichen Schaden anrichten. Den Hieb ins Ziel zu bringen, erfordert allerdings entsprechendes Training. Du hast es mit einem sich bewegenden Ziel zu tun. Gelingt es einem Angreifer in die Nahdistanz zu kommen, hast du den Reichweitenvorteil und einen Großteil der Hiebwirkung verloren.

Du kannst dann eventuell, noch den „Punio“ oder „Butt“, das Stockende unterhalb der Hand nutzen, um dich zu wehren. Trainierte Leute schaffen es auch den Stock zum Hebeln und würgen einzusetzen. Das setzt aber entsprechend realistisches Training oder viel Glück in der Situation voraus.

Grundsätzlich gilt in einer Selbstverteidigungssituation solltest du, wenn du über einen Stock verfügst, in der langen Distanz bleiben und über waffenlose Fertigkeiten verfügen dich zu verteidigen. Ein geschickter Angreifer wird, mit großer Wahrscheinlichkeit, in die Nahdistanz gelangen, bevor du ihn ernsthaft getroffen hast.

Im Bataireacht, dem irischen Stockkampf, wird traditionell der Shillelagh, ein Kampfstock, zur Selbstverteidigung verwendet.

Beitrag: Shillelagh, der irische Kampfstock und seine Besonderheiten

Ist ein Stock eine gute Waffe?

Der Stock ist eine zur Selbstverteidigung gut geeignete Waffe, wenn man gelernt hat, mit ihm umzugehen. Von Schlägen auf Kopf und Hals, sollte, wenn möglich, aufgrund der Gefährlichkeit abgesehen werden. Gegen Klingenwaffen ist der Stock in seinem Bedrohungspotential unterlegen, aber besser als nichts.

Wie gefährlich ein Stock sein kann, hängt natürlich auch von dem Material ab. Hartholz, womöglich noch kantig, macht einen Stock als Waffe wesentlich effektiver.

Grundsätzlich – Klingen sind effektivere Waffen. Klingen sind allerdings auch viel gefährlichere Waffen, die du nicht dosiert einsetzen kannst. Mit Stöcken kannst du noch mehr oder weniger fest zuschlagen und wenn du nicht auf Kopf oder Hals schlägst, stehen die Chancen gut, dein Gegenüber nicht zu töten.

Aus diesem Grund, verwendet die Polizei Schlagstöcke und keine Säbel mehr, obwohl der Säbel eine viel effektivere Waffe ist.

Wie gefährlich Messerangriffe sind und was du tun kannst, habe ich hier beschrieben:

Beitrag: Messerangriff abwehren -Gefahren -Risiken – Chancen

Im Training der FMA werden häufig Rattan Stöcke verwendet. Rattan ist relativ biegsam und hat den Vorteil, wenn es bricht nicht zu splittern, da das abgebrochene Stück noch an den Fasern hängen bleibt. Rattan macht das Training also ein wenig sicherer.

Andere Materialien aus Holz und Kunststoff werden ebenfalls zum Training eingesetzt.

Polypropylen kann relativ biegsam sein und ähnlich wie Rattan zur Sicherheit im Training beitragen. So verhindert die Biegsamkeit des Stocks mitunter einen Genickbruch. Das gilt besonders bei langen Waffen und Stößen zur Gesichtsmaske. Die Flexibilität des Stocks federt die Wucht des Treffers so weit ab, dass hoffentlich schwere Verletzungen ausbleiben.

Holzarten wie Eiche, Buche oder das exotische Eisenholz als Material sind, aufgrund ihrer Härte und ihres Gewichts, schon wesentlich effektiver und damit gefährlicher.

Beitrag: Der Kampfstock zum Selbstschutz – Was kann er leisten?

Welche Arten von Stöcken werden eingesetzt?

Neben unterschiedlichen Materialien spielt die Stocklänge eine entscheidende Rolle. Sie entscheidet über Reichweite und Wucht der Hiebe und Stöße.

Einhändig werden Stöcke bis zu etwa einer Meter Länge verwendet. Längere Stöcke sind dann kaum noch kontrolliert zu führen.

Beidhändig kann der Stock wesentlich länger sein. Beispiele wären der Quarterstaff, der ungefähr Mannshöhe hat (1,8 m bis zu 2,7 Meter), bis hin zum Langstock, wie er traditionell im Wing Chun verwendet wird. Der Langstock im Wing Chun hat eine ungefähre Länge von 270 cm bis 290 cm.

Was bringt das Training mit Stöcken?

Das Training mit Stöcken bringt, neben den offensichtlichen Vorteilen den Umgang mit Waffen zu erlernen, weiter Benefits.

Stöcke wie jede Waffe ab einer gewissen Länge und Gewichts zwingen den Menschen dazu, seinen ganzen Körper einzusetzen, wenn er lernen will, die Waffe zu beherrschen und nicht von ihr beherrscht zu werden.

Bei kurzen, leichten Stöcken ist das nicht der Fall. Hier kannst du auch noch mit schlechter Technik, ohne bewusst Schwer – und Drehpunkt der Waffe zu nutzen, durchkommen.

Training mit Waffen macht dich auch ohne Waffen besser und effektiver. Du lernst auch, mit kleinen Ausholbewegungen Kraft zu generieren und dich ökonomischer zu bewegen. So leiten sich viele waffenlose Techniken im Escrima direkt aus den Waffentechniken ab. Zum Beispiel die Figur 8 Schlagschule.

Fazit – Kampfsport mit Stöcken

Der Umgang Stock oder Knüppel als uralte Waffe des Menschen hat bis heute in vielen Kampfkünsten und Kampfsportarten einen hohen Stellenwert. Altes Wissen ist leider oft völlig oder teilweise verloren gegangen und so ein grundlegendes Verständnis über den Gebrauch dieser Waffen.

Im Fechttraining, dem Training mit Klingenwaffen, stellte der Stock einen vergleichsweise sicheren Waffenersatz dar, um überhaupt sinnvoll trainieren zu können. Wichtig zu verstehen ist, dass die Art und Weise, mit Klingen zu kämpfen völlig unterschiedlich ist, zur Art, mit stumpfen Waffen zu kämpfen.

Leider wird das heute vielfach vermischt und verwechselt. Wer also mehr wissen will, dem wünsche ich viel Glück auf der Suche nach einem geeigneten Lehrer.

Viel Spaß beim Training!

Letzte Beiträge