Messerangriffe – Was bringen Stichschutzwesten/Schnittschutzkleidung?


Stichschutzweste
Quelle: Pixabay

Messerangriffe in der Öffentlichkeit, im Bereich von Bahnhöfen und in öffentlichen Verkehrsmitteln, nehmen, folgt man der Medienberichterstattung, kontinuierlich zu. Dabei werden immer öfter völlig unbeteiligte Passanten oder Passagiere Opfer, von Amokläufern und Terroristen, die sie scheinbar zufällig auswählen.

Stich- und Schnittschutzkleidung kann sich bei Messerangriffen, als lebensrettend erweisen. Eine adäquate Ausrüstung (Schutzklassen), die bequem und unauffällig zu tragen ist, ist dabei einer von mehreren entscheidenden Faktoren, wie situationangepasster Aufmerksamkeitsregulierung und Wehrhaftigkeit.

Wer Kleidung sucht, die im Fall der Fälle, die eigene Überlebenswahrscheinlichkeit bei Messerangriffen erhöht, muss zwischen ballistischer -, Schnittschutz – und Stichschutzkleidung unterscheiden. In den jeweiligen Kategorien wird zwischen jeweils vier Schutzklassen differenziert, die Auskunft über die Schutzwirkung geben.

Ballistische Westen, sind zum Schutz vor Beschuss, mit unterschiedlichen Feuerwaffen konzipiert. Sie sind grundsätzlich nicht als Stichschutzwesten konzipiert und halten Messerstichen und Hieben nicht in jedem Fall stand.

Auch Stichschutzwesten und Schnittschutzwesten (Schutzklassen K1 bis K4) sind für spezielle Szenarien konzipiert. Selbst hervorragende Schnittschutzkleidung schützt nicht vollständig vor Stichen mit Hieb und Stichwaffen, wenn auch in vielen Fällen, die Wirkung dieser Angriffe gemildert wird.

Bei der Wahl der entsprechenden Schutzkleidung spielen, neben der Schutzklasse, dem Gewicht, der Größe bzw. Dicke der Ausrüstung und der Bequemlichkeit beim Tragen und die Möglichkeit der einfachen Reinigung, die mit entscheidenden Rollen.

Ein wesentlicher Faktor, wenn es um Schutzkleidung gegen Messerangriffe geht, ist der von der Schutzkleidung abgedeckte Bereich. Westen bieten guten Schutz für den Rumpf, Hals, Arme, Beine, die Leistengegend, bleiben aber ungeschützt. Schutzwesten mit Platten in Kombination mit Schnittschutzkleidung bieten den besten Gesamtschutz.

Neben entsprechender Schutzkleidung gegen Messerangriffe, gibt es auch schnittsichere bzw. stichsichere Alltagsgegenstände, wie Rucksäcke und Taschen, die erweiterten Schutz bieten.

Angemessene Schutzkleidung, eingebettet in eine Reihe von Maßnahmen und Fähigkeiten, bieten den bestmöglichen Schutz gegen Messerangriffe, mehr darüber in diesem Beitrag.

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Messerangriffe – Stichschutz oder Schnittschutz?

Es wird grundsätzlich zwischen Stichschutzwesten und stichhemmenden Westen bzw. Kleidung unterschieden. Stichschutzwesten in der Kategorie K4, bieten den bestmöglichen Schutz, gegen Hieb und Stichwaffen sind aber dementsprechend, schwer, massiv, auffälliger und unbequem zu tragen.

Die Schutzklasse K, steht für Klinge, wobei K1 den geringsten Schutz und K4 den höchsten Schutz, vor Klingen bietet.

Stichschutzwesten der höchsten Schutzkategorie (K4) nutzen stichsichere Platten, was die Kleidung weniger alltagstauglich und nur in erster Linie für Menschen, die mit großer Wahrscheinlichkeit, von Messerangriffen bedroht sind, interessant macht.

Echte Stichschutzwesten, bieten konstruktionsbedingt nicht nur guten Schutz vor scharfen Traumata, sondern auch vor stumpfer Gewalt. Schläge, Tritte oder Hiebe, mit Stöcken, werden abgefangen und die Schlagenergie gleichmäßig auf die getroffene Platte verteilt.

Stichhemmende Kleidung, mildert Messerstiche ab, ist aber nicht dazu geeignet, wuchtige kraftvolle Stiche, vollständig abzufangen. Sie bietet guten Schutz gegen Schnitte und erhöht die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Stichen. Die Kleidung ist alltagstauglicher und bequemer zu tragen.

Ballistische Schutzwesten, bieten in einigen Fällen auch Stichschutz bzw. stichhemmende Eigenschaften. Grundsätzlich gilt aber nicht, dass „schusssicher“ mit stichsicher gleichzusetzen ist und vice versa.

Verwendete Materialien in Stich- und Schnittschutzwesten sind Aramidfasern (Kevlar), Metallfäden, Kunststoffplatten und Metallplatten (Alu, Stahl). Der massive Plattenpanzer schützt meist nur die Körpervorder- und Körperrückseite.

Die Westen können per Klettverschluss und Reißverschlüssen, sehr genau an die Anatomie des Trägers angepasst werden.

Messerangriffe-Schutzkleidung für Zivilisten – was ist sinnvoll?

Schwere Schutzwesten, sind aber für die wenigsten Personen alltagstauglich, bzw. sinnvoll. Von außen erkennbare Schutzkleidung macht den Träger mitunter sogar zum Angriffsziel, wobei dann gezielt die Schwachstellen der Ausrüstung angegriffen werden.

Für Menschen, die Schutzkleidung benutzen, ist es wichtig, diese Kleidung auch diskret, unauffällig und bequem tragen zu können. Das gilt besonders für Zivilpersonen, die ihre persönliche Sicherheit durch entsprechende Stichschutzkleidung erhöhen wollen und keinen besonders hohen Risiken ausgesetzt sind.

Wer als normaler Bürger, seine Sicherheit im Alltag durch Schutzkleidung erhöhen möchte, ist mit einer dünnen, schnitthemmenden bzw. stichhemmenden Kleidung, in Form von Kurz oder Langarm T-Shirts gut beraten.

Die Exekutive im obigen Video schützt sich wie unsere Vorfahren mit Kettenhemden vor dem gesuchten Messerstecher. Aufgrund des hohen Gewichts sind Kettenhemden aber nicht alltagstauglich.

Eine robuste Tasche oder Rucksack, die im Notfall, als Schild vor Hieb und Stichwaffen benutzt werden können, sind ebenfalls äußerst sinnvolle Ausrüstungsgegenstände. Einige Hersteller haben sich auf die Herstellung schnitt- und stichsicherer Taschen, spezialisiert.

Eine robuste, nicht unbedingt leere Tasche, sollte aber in den meisten Fällen, genauso gut geeignet sein, um eine zusätzliche Schutzfunktion zu erfüllen und Stiche und Schnitte abzuwehren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie dabei von Klingen durchdrungen werden, ist gering.

Ballistische Schutzkleidung, ist, betrachtet man die Art der Angriffe im deutschsprachigen Raum, derzeit, nicht notwendig. Die Gefahr, Opfer von Attacken mit Hieb- und Stichwaffen zu werden, ist jedenfalls ungleich höher.

Kriterien beim Kauf von Stich- und Schnittschutzwesten

Auch bei der Wahl von Schutzkleidung ist ein vernünftiger, gangbarer Kompromiss, zwischen Sicherheit und Alltagstauglichkeit gefragt. Nach einer realistischen Risikoeinschätzung sollte zwischen nachfolgenden Kriterien abgewogen werden:

  1. Eine entsprechende Sicherheits-Klassifizierung. (K1 bis K4)
  2. Alltagstauglichkeit
  3. Ein der Bedrohung angemessener Schutz, in verschiedenen Körperpositionen.
  4. Möglichst geringes Gewicht. Die Westen können bis zu 5 kg wiegen. Schwerer muss nicht zwangsläufig besser sein.
  5. Bestmögliche Bewegungsfreiheit und Sitz der Schutzweste.
  6. Klettverschlüsse und Reißverschlüsse zum Anpassen an den Körper
  7. Verdeckte – unauffällige Tragemöglichkeit, wenn möglich.
  8. Waschbarkeit bzw. einfache Reinigungsmöglichkeit.
  9. Mit den gegebenen Klimabedingungen kompatibel.
  10. Das passende Preisleistungsverhältnis.

Schutzklassen werden nach KDIW getestet, bzw. genormt. K – steht für Klinge, D für Dorn, I – für Injektionsnadeln und W für Würfel (stumpfe Gegenstände). Eins ist die jeweils niederste Schutzklasse, 4 die höchste.

Schutzkleidung für Behörden und Sicherheitsdienste

Die Ansprüche an Stich-, Schnitt- und ballistischem Schutz, sind für Behörden, die Exekutive, Militär, Rettungssanitäter und Sicherheitskräfte, besonders hoch. In besonders gefährlichen Lagen werden Schutzwesten der höchsten Sicherheitsklassen (4) verwendet.

Die Wahl dieser hochklassigen Schutzwesten, muss aber nicht die beste Wahl für Zivilisten sein, die ihren Schutz im Alltag tragen möchten und wesentlich geringeren Risiken ausgesetzt sind. Geringes Gewicht, bequeme und unauffällige Tragemöglichkeit, sowie einfache Reinigung, spielen die wichtigere Rolle.

Die Wahl entsprechender Schutzkleidung ist immer im Kontext, der tatsächlich zu erwartenden Bedrohung zu sehen. Auch ein zu viel an Schutz kann nachteilig sein. Er ist auffällig und wird oft aus Bequemlichkeitsgründen nicht getragen.

Ganz abgesehen davon, sind die Spitzenmodelle, im Bereich Schutzwesten, teuer. Sie können bis zu 1000 Euro und mehr kosten und sind für gewöhnliche Zivilpersonen, die ihre persönliche Sicherheit im Alltag erhöhen möchten, nicht notwendig.

Ist es legal, Schutzwesten zu tragen?

Grundsätzlich dürfen Schutzwesten, in Deutschland in der Öffentlichkeit getragen werden. Für ballistische Westen gelten allerdings, Einschränkungen was Versammlungen betrifft. Kugelsichere Westen dürfen bei öffentlichen Veranstaltungen und Demonstrationen nicht getragen werden. (Versammlungsgesetz)

Welche Maßnahmen gegen Messerangriffe sind sinnvoll?

Stich oder Schnittsicher Kleidung, kann ein Faktor sein, der im Falle von Messerangriffen hilft zu überleben. Sie wird aber nicht ausreichen, wenn sie nicht mit der nötigen Aufmerksamkeitsregulation, durchdachten Handlungsroutinen, für Notfälle und in letzter Konsequenz, Wehrhaftigkeit, gepaart wird.

Aufmerksamkeitsregulation meint, eine der Umgebung angepasste Wachsamkeit. Dafür ist ein Beobachten der Umgebung und kontinuierliches Evaluieren von möglichen Gefahren nötig. Ein Überblick über mögliche Fluchtwege und Notausgänge gehört ebenfalls dazu.

Der sogenannte Cooper Code, benannt nach dem Oberstleutnant des US Marine Corps Jeff Cooper, wird von Behörden weltweit genutzt. Er hilft, Risiken zu evaluieren und sich potenziellen Bedrohungen gegenüber angemessen zu verhalten.

Das verringert dramatisch die Gefahr, von einem Verrückten, völlig überraschend attackiert zu werden und keinerlei Gegenmaßnahmen, ergreifen zu können, wie es vor kurzem Menschen in einem Warteraum ergangen ist, die unmittelbar Opfer eines messerstechenden Psychopathen wurden.

Mehrere Menschen mussten lebensgefährliche Stiche nehmen, ohne überhaupt realisiert zu haben, was hier vor sich ging. Der absolute Super-GAU, wenn es um Selbstschutz geht.

Mehr Informationen zum Cooper Code erhältst du unter:

Handlungsroutinen für den Notfall, das schnelle, im Vorfeld durchdachte Reagieren auf mögliche Bedrohungen, erspart dir Zeit, die dir im Falle von Extremsituationen, wie Amokläufen, Terroranschlägen, Messerangriffen, das Leben retten kann.

Dabei ist es wichtig, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und unmittelbar zu agieren. Kommt dir eine Situation komisch vor, verhält sich jemand auffällig, auch wenn du es mit Worten nicht konkret benennen kannst, entferne dich aus dem Bereich.

Wenn Flucht nicht möglich ist, musst du dich deiner Haut wehren. Nutze zur Verfügung stehende Gegenstände, als improvisierte Waffen und Schutz. Entsprechendes Training kann sich dann als sehr hilfreich erweisen.

Fazit – Schutzkleidung gegen Messerangriffe

Es gibt ein großes Angebot von Schutzkleidung am Markt, die in Schutzklassen eingeteilt werden. Wir unterscheiden ballistische (schusssichere Westen), Stichschutz und Schnittschutzwesten bzw. Kleidung.

Als sinnvoll und alltagstauglich haben sich, für Zivilisten, in Zusammenhang mit Messerangriffen, Schnittsichere und stichhemmende Unterkleidung erwiesen. Sie bieten einen guten Kompromiss zwischen Tragekomfort und Schutz.

Wer sich als normaler Bürger, der sich im öffentlichen Raum bewegt und regelmäßig in gefährlicheren Gegenden unterwegs ist, dazu gehört heutzutage leider oft schon der Bereich, Bahnhöfe und öffentliche Verkehrsmittel, wie man an unzähligen Zeitungsmeldungen sehen kann, schützen möchte, für den ist es eine Überlegung wert auf unauffällige Schutzkleidung zurückzugreifen.

Der beste Schutz gegen Amokläufer, Terroranschläge und Messerstecher bleibt aber immer die bestmögliche Vermeidung gefährlicher Situationen. Ein an die Umgebung angepasstes Verhalten, gepaart mit Aufmerksamkeitsregulation, sind diesbezüglich absolut essenziell.

Der Cooper Code hat sich in diesem Zusammenhang als sehr hilfreich erwiesen. Man kann seine Fähigkeiten, Gefahren im Vorfeld zu erkennen und sofortige Gegenmaßnahmen zu treffen, sehr gut im Alltag trainieren.

Viel Spaß dabei – es lohnt sich!

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