Welche europäischen Kampfkünste und Kampfsportarten gibt es?


Europäische Kampfsportarten
Europäische Kampfsportarten

Europäische Kampfsportarten und Kampfkünste – Übersicht

Die kriegerische Vergangenheit der europäischen Völker hat zu der Entwicklung ausgefeilter, praktikabler Kampfmethoden geführt. Pragmatisch wie die Europäer sind, haben sie leider auch veraltete Kampfkünste, kaum mehr gepflegt, zu Sportarten verändert oder ganz vergessen. Es gibt und gab aber auch jede Menge Neuentwicklungen.

Europäische Kampfkünste lassen sich in modern und historisch unterteilen. Moderne Entwicklungen beruhen auf ihren alten historischen Vorgängern. Die historischen Kampfkünste Europas (HEMA), durch neue Technologien obsolet und in Folge in Vergessenheit geraten, erleben gegenwärtig eine Renaissance.

Eine Übersicht über moderne, mittelalterliche und antike europäische Kampfmethoden findest du in dieser Übersicht.

Moderne europäische Kampfkünste (Neuzeit)

KampfkunstDas Wichtigste auf einen Blick
Ju-JutsuSynthese aus Karate, Aikido und Judo in der BRD entwickelt.
BoxenDer moderne Boxsport kam aus England.
Bare Knuckle BoxenBoxen ohne Handschuhe – England.
SystemaEine russische Kampfkunst, mit Waffen und ohne.
SamboDas russische Mixed Martial Arts.
KeysiEin spanisches Selbstschutzsystem.
BartitsuAus dem 19. Jh. für die Selbstverteidigung geschaffen.
Canne de combat/ SavateFranzösischer Stockkampf/ waffenloses Straßenkampfsystem
BataireachtDie irische Kampfkunst mit dem Shillelagh
FechtenDas moderne Fechten ist stark reglementiert.
Ringengriechisch – römisch-, Freistilringen – moderne olympische Disziplinen
SchwingenRingkampf aus der Schweiz
CombativesModerne Entwicklung zur Selbstverteidigung

Es gibt eine Vielzahl, alter und moderner Kampfkünste und Kampfsportarten in Europa. Manche sind uralt, andere wurden entsprechend der Anforderungen und Vorlieben ihrer Gründer entwickelt und stellen sich als Modernisierung und Interpretation anderer Stilrichtungen aus aller Welt zusammen. Das gilt beispielsweise für das deutsche Ju-Jutsu, das Savate, eine von Matrosen entwickelte Kampfmethode und das Bartitsu.

Wer mehr Informationen zu den jeweiligen Kampfmethoden sucht, findet unter den obigen Links, detaillierte Informationen auf diesem Blog.

Europäische Stockkampfmethoden

Viele europäische Stockkampfmethoden, wie der englische Singe Stick, haben ihre Wurzeln im Fechten. Mit dem Stock als Klingenersatz wurde das Training wesentlich sicherer, erforderte aber dennoch eine gewisse Schutzausrüstung.

  • Singe Stick
  • Bartitsu
  • Canne de Combat
  • Jogo do Pau
  • Bataireacht

Der Begriff Singe Stick wurde aber auch für den Staff (Stock)der von 7 Fuß (2,13 m – Quarterstaff) auf 5 Fuß (ca. 152 cm) reduziert wurde verwendet. Er konnte so, beidhändig und einhändig geführt werden.

Der sogenannte Waster, war ein hölzernes Übungsschwert, das für Trainingszwecke an Stelle des Backsword, eines schweren einseitig geschliffenen Breitschwerts eingesetzt wurde.

Andere europäische Stockkampfmethoden, wie wir sie im Bartitsu, dem Canne de Combat, Jogo do Pau und der irischen Stockkampfmethode Bataireacht, finden, konzentrierten sich ganz auf die praktikable Verwendung des Stocks als Waffe, für die Selbstverteidigung. Es gibt einige Gemeinsamkeiten des Stockkampfes mit dem Fechten mit Klingen, aber auch und das ist ganz wesentlich, sehr elementare Unterschiede.

Europäische Kampfkünste im Mittelalter
Europäische Kampfkünste im Mittelalter

Europäische Kampfkünste im Mittelalter

Die HEMA, historischen Kampfkünste Europas, basierten auf dem Waffenkampf. Der unbewaffnete Kampf war seit jeher eine Notlösung, etwas, was nur in Ausnahmesituationen zustande kam. Das überlieferte Wissen ist zum allergrößten Teil nur mehr in Büchern zu finden. Das Problem dabei, die überlieferten Beschreibungen und Zeichnung, lassen viele Fragen unbeantwortet.

Die europäischen Kampfkünste im Mittelalter bestanden aus einer Vielzahl von nationalen und internationalen Fechtschulen. Sie widmeten sich dem Kampf mit zeitgenössischen Waffen, zudem gab es waffenlose Elemente, die Ringen in Verbindung mit Schlägen und Tritten lehrten.

Stilisierte Zeichnungen, im Kontext der Zeit zu sehen, machen die Rekonstruktion, alter Kampfmethoden, noch schwerer.

So ging vieles an Wissen im Laufe der Geschichte unwiederbringlich verloren.

So groß die Bemühungen engagierter Fechter heutzutage auch sein mögen. Über Jahrhunderte gewachsenes, auf Erfahrung bauendes Wissen, lässt sich nicht so schnell rekonstruieren. Darüber kann ich mir, als jemand, der mit Waffen trainiert und über das ETF Escrima Zugang zu historischen Fechtmethoden hat, ein Urteil erlauben.

Der Umgang mit folgenden Waffen wurde in den mittelalterlichen Kampfkünsten in Europas gelehrt:

  • Schwert: Der Umgang mit allen Arten von Schwertern. Vom einhändig geführten Schwert, dem Eineinhalbhänder bis zum Bidhänder.
  • Schwert und Schild: Es wurden Schilder unterschiedlicher Größe und Form benutzt.
  • Schwert und Buckler: Der Buckler auch Faustschild genannt, bietet viele Vorteile im Kampf. Er schützt aber nicht vor Wurfgeschossen.
  • Eineinhalb Händer: Einhändig geführt wurde die zweite Hand verwendet, um Hiebe zu beschleunigen und schneller die Richtung ändern zu können.
  • Bidhänder: Die zweihändig geführte Waffe, war ein Mittelding zwischen Speer und Schwert und wurde auch so verwendet.
  • Langes Messer: Das lange Messer ist nur einseitig geschliffen. Schwerter sind beidseitig geschärft.
  • Dolch: Der Dolch ist eine reine Stichwaffe. Gegen gerüstete Gegner wurden damit Schwachstellen in der Rüstung attackiert.
  • Stangenwaffen: Zu den Stangenwaffen zählen der Speer, Hellebarde, Mordaxt, Lanze, Staff, quarter Staff und andere.
  • Stangenwaffen und Schild: Auf dem Schlachtfeld eine sehr bewährte Waffenkombination in Formationen.
  • Äxte: Es gab eine Vielzahl unterschiedlicher Arten, die sich in Gewicht, Länge und Design unterscheiden.
  • Morgenstern: Besonders gegen gerüstete, gut geschützte Gegner waren der Morgenstern und Kriegshämmer sehr wirkungsvolle Waffen.
  • Pfeil und Bogen

Das (Kriegs)Ringen in den mittelalterlichen Kampfkünsten Europas

Ringen in den mittelalterlichen Kampfkünsten Europas diente, neben der körperlichen Ertüchtigung, der allgemeinen kämpferischen Vorbereitung. Kam es im Waffenkampf zum Nahkampf, wenn die eigene Waffe gebunden, verloren oder deren effektive Distanz unterschritten wurde, ergab sich ein Ringkampf.

Das Ziel war es zuallererst, die eigene Waffe wieder zum Einsatz bringen zu können, dazu wurde versucht den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen, zu werfen und/oder am Boden zu fixieren. Die ringerischen Techniken für Kriegszwecke umfassen, Hebel und Würfe, mit denen der Kontrahent schon schwer verletzt werden konnte. Gegen gerüstete Gegner kam in Folge oft ein Dolch zum Einsatz, der in Schwachstellen der Rüstung gestochen wurde.

Europäische Kampfkünste in der Antike

Die Wurzeln aller Kampfkünste und Kampfsportarten liegen in kriegerischen Kampfmethoden, die sowohl dem Kriegshandwerk als auch der Selbstverteidigung dienten. Wenn wir etwas über die historischen Kampfmethoden sagen können, dann das: Diese Kampfkünste wurden über Jahrhunderte auf Effektivität optimiert und in realen, meist tödlichen Auseinandersetzungen überprüft. So fand ein natürlicher Evolutionsprozess statt.

  • Pankration
  • Ringen
  • Faustkampf
  • Der Umgang mit allen Arten von Waffen

Nur die Besten überlebten. Ineffektive Techniken und Trainingsmethoden haben mit ihren Vertretern nicht überlebt. Von den antiken Kampfmethoden kennen wir Beschreibungen von Historikern und Artefakte, wie Vasen, Statuen und Mosaike, die Kampfszenen darstellen.

Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass diese Kampfmethoden im Laufe der Zeit optimiert wurden und ein extrem hohes Niveau erreicht haben müssen. Es war für die Menschen, oft eine Frage über Leben und Tod, die sich im Kampf stellte.

Pankration der Allkampf

Das griechische Pankration, war in der Antike Teil der Olympischen Spiele, ab 648 v. Christus nachweisbar. Die Kämpfe waren extrem brutal und endeten mit Aufgabe, der Kampfunfähigkeit oder dem Tod eines der Kontrahenten. Bis auf Angriffe auf die Augen und beißen war alles erlaubt.

Das Pankration setzte sich aus dem Ringen und Schlagen und Treten zusammen. Kurzum bis auf die zwei Ausnahmen war in der waffenlosen Auseinandersetzung alles erlaubt.

Gewitzte Marketer haben versucht das Pankration, als einen Vorläufer oder mittlerweile eine Spielart der Mixed Martial Arts (MMA), wieder aufleben zu lassen. In den Kämpfen war in der Anfangszeit des modernen Sportes im Pankration, das Schlagen mit der Faust verboten. Es wurde stattdessen der Handballen verwendet.

Der Holländer, Bas Rutten hat den Sport über Jahre dominiert.

Der Faustkampf in der Antike

Der Faustkampf wurde 688 vor Christus erstmal olympisch. Gewichtsklassen gab es nicht, die Kämpfe endeten mit der Kampfunfähigkeit oder Aufgabe eines Bewerbers. Zeitlimit gab es keines. Die Fäuste wurden durch Bandagen aus Lederriemen und Wolle geschützt. So konnte härter zugeschlagen werden, als ohne. Tiefschläge und der Übergang zum Ringen waren verboten.

Im antiken Rom wurde der Faustkampf zu einer Disziplin der Gladiatoren. Es wurden Bandagen aus Metallriemen, die mit Dornen bewährt waren, verwendet.

Fazit – Europäische Kampfkünste

Europäische Kampfkünste Schwerter
Europäische Kampfkünste Schwerter

Der Prophet im eigenen Land gilt nichts.

Diese Weisheit lässt sich auch auf die europäischen Kampfkünste anwenden. Immer noch herrscht die weit verbreitete Vorstellung, dass die asiatischen Kampfkünste und Kampfmethoden den europäischen überlegen seien. Schließlich, verwenden viele, raffinierte und spektakuläre Techniken, um ihre Gegner zu besiegen.

Gern wird dabei übersehen, dass die Kampfkünste, nachdem sie ihren Wert als Kriegshandwerk verloren hatten, idealisiert, vergeistigt und anderen Idealen unterworfen wurden. Gerade in Asien wurden die Kampfmethoden auf dem Weg des Do (Wegkunst), weiterbetrieben.

Die pragmatischen Europäer hatten da einen völlig anderen Zugang. Das Fechten und mittelalterliche Kampfmethoden wurden, mit der Einführung der Schusswaffe, irgendwann obsolet. Das erklärt auch, warum in den Philippinischen Kampfkünsten zum Beispiel, sehr viele Konzepte und Techniken alter europäischer Fechtmethoden zu entdecken sind. Jedenfalls viel mehr, als die europäischen Sportfechter heute noch kennen.

Das als Beispiel, da ich in den Bereich einen gewissen Einblick habe.

Einen kurzen Gedanken möchte ich dem Leser noch mitgeben: Wenn die europäischen Kampfmethoden den asiatischen unterlegen gewesen wären, wie hätten die Europäer die ganze Welt kolonialisieren können?

Das war weder toll noch nett, spricht aber für die Wirksamkeit ihrer Methoden.

Viel Spaß beim Training!

Martin

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