Den Körper abhärten für Kampfsport – sinnvoll?


Den Körper abhärten für Kampfsport – sinnvoll?
Den Körper abhärten für Kampfsport – sinnvoll?

Den Körper abhärten für Kampfsport – sinnvoll?

Wie wichtig es ist seinen Körper abzuhärten und an die Belastungen und Schmerzen zu gewöhnen, die im Kampfsport, im Vollkontakt zumindest auf dich zukommen können ist unbestritten. Zu besonderer Härte haben es neben dem klassischen Boxen, Thaiboxer, Kyokushin Karatekas und MMAler gebracht.

Für Kampfsportler ist es wichtig, Körper und Geist abzuhärten. Das sollte über Gewöhnung und Desensibilisierung, gegen die zu erwartenden Schmerzen geschehen und durch das Training der muskulären und knöchernen Strukturen. Abhärtung ist sinnvoll, schützt aber nicht vor Trefferwirkung auf Vitalpunkte.

Wo sind, die Grenzen der Abhärtung, was ist möglich und sinnvoll?

Wer Thaiboxkämpfe gesehen hat, wird immer wieder darüber staunen, was Menschen fähig sind auszuhalten. Harte Treffer mit Fäusten, Ellenbogen und Knien zu Kopf und Körper werden oft ohne jegliche Gefühlsregung und sichtbare Wirkung genommen. Viel härter als so mancher dieser Athleten kann ein Mensch nicht sein.

Es sind angsteinflößende Gegner, die austeilen und einstecken können. Trotz ihrer Härte und dem unglaublichen Grad an Abhärtung gibt es haufenweise K.O.s in den Vollkontaktkampfsportarten.

Das beweist eines. Jeder auch noch so harte Gegner ist besiegbar und kann K. o. geschlagen oder zum Aufgeben gezwungen werden, will er nicht schwerst verletzt werden. Es gibt physiologische Grenzen, der Erträglichen. Selbst völlige Schmerzunempfindlichkeit kann und wird die Wirkung von harten, gut platzierten Schlägen nicht zunichtemachen.

Treffer auf Vitalpunkte, empfindliche Stellen am menschlichen Körper lösen physiologische Reaktionen aus, die weder durch Training verhinderbar, noch willentlich beeinflusst werden können.

Wirst du mit einer gewissen Kraft am Kinn, an der Leber, dem Solar Plexus oder den kurzen Rippen getroffen, wirst du nicht mehr fähig sein weiterzukämpfen. Dies Stellen sind weitgehend ungeschützt von Muskulatur und knöchernen Strukturen. Abhärtungstraining macht an diesen Stellen keinen Sinn. Auch, wenn es immer wieder verwirrte Geister versuchen.

Dieses Video hat im Internet die Runde gemacht. Der offenbar schwer verwirrte Trainer, härtet seine Schüler ab und „motiviert“ sie. Er versucht es jedenfalls und der IQ langjähriger Schüler wird sich seinem immer mehr angleichen.

Es ist erwiesen, dass Kopftreffer, vor allem dann, wenn sie hart und oft genommen werden, Demenzerkrankungen auslösen können. Denke an die Parkinson Erkrankungen von Muhammad Ali und Freddie Roach.

Vollkontaktsportarten sind ohnehin hart genug und auch nicht besonders gesund. Durch falsche Trainingsmethoden kann man das Risiko aber noch in ungeahnte Höhen treiben.

Abhärtungstraining kann du dauerhaften Gesundheitsschäden führen, wenn man vergisst dabei sein Hirn zu benutzen.

Sinnvolles Abhärtungstraining für Kampfsportler

Sinnvolle Abhärtung setzt da an, wo tatsächlich Abhärtung zu erreichen ist und der Sportler dabei nicht geschädigt wird.

Körperliche Abhärtung

Es ist sehr gut machbar, den Körper zu einem sehr hohen Grad abzuhärten.

Dazu muss der Kampfsportler an die Belastungen, die ihn im Training und Wettkampf erwarten, herangeführt und gewöhnt werden. Das erlaubt es ihm, sich daran zu gewöhnen, körperlich und mental.

Niemand fängt beim Krafttraining mit 150 kg im Bankdrücken an, sondern erhöht die Trainingsbelastung kontinuierlich und gibt seinem Körper Zeit sich anzupassen und stärker zu werden.

Wer sich also gegen Schläge und Tritte zum Bauch abhärten will, wird vernünftigerweise nicht den Schwergewichtsmeister darum bitten, so hart wie möglich zuzuschlagen. Es wird mit leichten Schlägen beginnen, um sich daran zu gewöhnen und zu lernen im richtigen Moment die Bauchmuskeln anzuspannen und auszuatmen.

Irgendwann, wenn ihm die Schläge seines Trainingspartners zu leicht erscheinen, wird er diesen bitten fester zu schlagen.

Du kannst Muskeln und knöcherne Strukturen abhärten.

Sinnvolles Krafttraining und entsprechendes Abhärtungstraining, indem du dich an Schläge und Tritte gewöhnst, ist eine erfolgversprechende Kombination. Du trainierst also deine Rumpfmuskulatur mit verschiedenen Übungen, um ein stärkeres Muskelkorsett zu bekommen und machst oben beschrieben Übung oder eine vergleichbare.

Du kannst dir auch einen Medizinball auf den Bauch werfen lassen, wenn du stehst oder im Liegen, wenn du Crunches machst.

Manche traditionelle Systeme verwenden dazu auch Stöcke.

Beitrag: Fäuste abhärten, effektiv und verletzungsfrei schlagen!

Muskeln abhärten, Treffer besser nehmen können:

Rumpfmuskulatur: Sie schützt deine inneren Organe. Manche Stellen am Körper sind allerdings so gut wie ungeschützt, du kannst sie nicht abhärten, sondern nur durch gutes Deckungsverhalten schützen. Dazu zählen, die Leber, die Nieren, die kurzen Rippen, der Solar Plexus und die Milz.

Nackenmuskulatur: Kopftreffer kannst du besser verdauen, wenn du eine entsprechend trainierte Nackenmuskulatur entwickelst, denk an Mike Tyson. Die Nackenmuskulatur verringert die Beschleunigung, die dein Gehirn bei einem Kopftreffer ausgesetzt wird und schützt die Halswirbelsäule. Das funktioniert natürlich auch nur zu einem gewissen Punkt. Schläge auf den Kopf zur Abhärtung sind gesundheitsschädigend und nicht sinnvoll als Trainingsmethode.

Beitrag: Die Nackenmuskulatur trainieren für Boxen und Kampfsport

Knöcherne Strukturen abhärten

Wiederholte Belastungen lassen auch Knochen stärker werden. Das ist einer der Gründe, warum Krafttraining für ältere Menschen wichtig ist. Stärkere Knochen brechen weniger leicht. Kampfkünstler und Kampfsportler haben seit jeher Abhärtungsmethoden verwendet, um ihre Hände, die ja besonders empfindlich sind, zu stärken.

Des japanische Makiwara ist besonders bekannt. Du kannst das aber genauso gut am Sandsack machen.

Sinn der Übung ist es, die Knochen zu belasten und ihnen dann genug Zeit zu geben stärker zu werden, bevor sie wieder belastet werden. Wie lange die Zeit dazwischen sein soll, hängt von der Trainingsmethode ab. Grundsätzlich gilt, größere Belastungen benötigen längere Erholungszeiten.

Mentale Abhärtung

Dazu gehört die Gewöhnung an die Wettkampfsituation und an alles was dazu gehört. Je öfter du die Situation durchlebt hast, umso „normaler“ wird sie für dich. Ein gewisser Gewöhnungseffekt, eine sogenannte Desensibilisierung, tritt ein. Durch die immer größer werdende Erfahrung kannst du immer besser abschätzen, was auf dich zukommt.

Du weißt, wozu du fähig bist, was du an Treffern und Schmerzen ertragen kannst und wirst unaufgeregter.

Du solltest dich also oft und immer wieder bestimmten Situationen aussetzen, dich dabei fordern, aber nicht überfordern, sonst erreichst du das genaue Gegenteil.

Meditation und Visualisierungen können dir dabei zusätzlich helfen, reichen alleine aber nicht aus. Über den mentalen Aspekt habe ich ausführlich in dem Beitrag, Kampfbereitschaft herstellen, geschrieben. Es geht dabei um Erkenntnisse der Sportpsychologie und deren Anwendung bei Polizei und Militär. Der Beitrag ist nicht Suchmaschinen optimiert und hat kaum Aufrufe. Zu Unrecht!

  • Setze dich der Situation wiederholt aus, aber unter kontrollierten Bedingungen. Dazu nutzt du Sparrings und Wettkämpfe mit Gegnern, die du besiegen kannst.
  • Visualisierungen vom Wettkampfsituationen und wie du sie erfolgreich meisterst, gehören unterstützend ebenso dazu. Das Gehirn kann nachweislich nicht zwischen künstlich erzeugten Bildern und realen Bildern in deiner Vorstellung unterscheiden. Du kannst also dein Unterbewusstsein ganz gezielt in die richtige Richtung lenken.

Schmerzresistent werden?

Wer nicht lokal seine Nerven abtötet, wie es manche Thaiboxer im Laufe ihres Low Kick Trainings getan haben, wird immer Schmerzen spüren. Aber das subjektive Schmerzempfinden ändert sich. Man ist es schlicht und einfach gewöhnt, kennt den Schmerz und kann ihn einordnen.

Man weiß aus Erfahrung, ob man verletzt ist oder nicht. Anfangs ohne einschlägige Erfahrungen, ist die Trefferwirkung viel schwieriger einzuordnen und bringt einen viel eher aus dem Konzept, als zu wissen, es tut nur weh, ist aber okay.

Übungen zur Abhärtung

Es gibt unzählige Übungen und der Fantasie sind hier fast keine Grenzen gesetzt.

Die Übungen sollten grundsätzlich:

  • Nahe an den zu erwartenden Belastungen sein, ihnen also ähneln. Wer einen Boxkampf bestreiten will, dem wird Fallschirmspringen wenig weiterhelfen, auch wenn er lernt sich zu überwinden. Der Stress, den er im Ring ausgesetzt wird, ist ein anderer. Sparring in unterschiedlicher Intensität, oft und mit vielen Trainingspartnern ist hier die geeignetere Methode.
  • Nicht gesundheitsschädigend sein: Auch sinnvolle Abhärtungsmethoden können übertrieben und pervertiert werden. Die Hände ab und zu, an harten Gegenständen abzuhärten kann sinnvoll sein. Es täglich zu tun, verkehrt den Nutzen der Übung aber ins Gegenteil.
  • Den Körper dort abhärten, wo es sinnvoll ist. Niemand kann sich gegen Leberhaken abhärten. Die Leber ist zu wenig geschützt, es gibt keine Muskeln und Knochen, die hier sinnvoll trainiert und abgehärtet werden können.
  • Knochen (vorsichtig!) gegen harte Gegenstände schlagen. Ein harter Sandsack, an dem du Fäuste und Schienbeine abhärtest, kann schon ausreichen.  Macht das, wenn überhaupt, nur unter Anleitung eines qualifizierten Trainers! Leicht und dosiert schlagen, bis es unangenehm wird, dann aufhören und mehrere Tage später wiederholen. Es besteht die Gefahr, beim Schlagen auf harte Gegenstände nicht nur Knochen, sondern auch Knorpelstrukturen dauerhaft zu schädigen!
  • Auf die Deckung schlagen: Ist eine sinnvolle Möglichkeit, Trefferwirkung zu spüren, ohne geschädigt zu werden. Du lernst dich an den Aufprall zu gewöhnen, stabiler zu stehen und weniger zu erschrecken. 😉
  • Auf den Bauch schlagen oder den Medizinball werfen. Langsam steigern. Derjenige der geschlagen wird bestimmt die Schlagstärke.

Viel Spaß beim sinnvollen und entsprechend vorsichtigen Abhärtungstraining!

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