Wie werden Finten im Boxen genutzt? (Gamechanger)


Wie werden Finten im Boxen genutzt?

Boxen ist ein denkbar einfacher Sport. Auf den ersten Blick, es gibt ja nur ein paar Grundschläge. Das ist ein weit verbreitetes Vorurteil, über den Boxsport und den Kampfsport, generell. Bei näherer Betrachtung erweist sich sehr schnell, dass dem nicht so ist. Erfolgreiche Kämpfer benötigen ein riesiges Arsenal an Wissen und Fähigkeiten, um gegen unterschiedlichste Gegner bestehen zu können.

Finten sind ein wesentlicher Teil davon. Sie ermöglichen es variantenreicher, unberechenbarer und mit mehr Druck zu kämpfen. Auf fortgeschrittenem Niveau sind sie unentbehrlich. Wer das Fintieren, in vielfältigen Erscheinungsformen, nicht gut beherrscht, hat keine Chance, mittel oder langfristig, erfolgreich zu boxen.

Finten sind Täuschungsmanöver, die die wahren Absichten des Boxers verschleiern und dazu dienen, beim Gegner Lücken zu öffnen, indem er zu bestimmten Reaktion veranlasst wird. Zum Fintieren werden Hände, Füße, Beine, Oberkörper und Kopfbewegungen, genutzt. Finten müssen dabei glaubhaft sein, nur so erzeugen sie den gewünschten Effekt.

Finten sind wirklich ein Gamechanger, wenn es darum geht Druck, körperlich und mental, auf den Gegner auszuüben. Sie ermöglichen es, die wenigen Schläge, die es im Boxsport gibt, je nach Zählweise, fünf bis acht, ins Ziel zu bringen.

Was machen gute Finten aus?

Finten im Boxen und Kampfsport allgemein müssen glaubhaft sein. Werden sie nicht als Bedrohung wahrgenommen, erzeugen sie nicht die gewünschte Wirkung. Nur ein Gegner der Respekt vor der Bedrohung hat, schon mal hart getroffen wurde, wird entsprechend reagieren und die Finten ernst nehmen.

Respekt vor den eigenen Schlägen kann man durch harte Treffer erzeugen. Dabei kann es durchaus ausreichend sein, hart auf die Deckung zu schlagen und den Kontrahenten richtig durchzurütteln. Diese Methode hat sogar besondere Vorteile. Sie ermöglicht es bei ähnlicher Reichweite beider Boxer, aus einer sicheren Distanz zu schlagen und außerhalb der Schlagreichweite zu bleiben.

Schreckmomente zu erzeugen und dem anderen zu vermitteln, dass es sehr wehgetan hätte, wenn der Schlag „getroffen“ hätte, bieten eine gute Basis, um in Folge erfolgreich zu fintieren.

Gute Finten erzeugen Reaktionen des Gegners. Diese können, je nach dessen Einstellung und Kampfstil, offensiv oder defensiv sein. Routinierte Boxer reagieren aber bewusst unterschiedlich, um in dem Spiel schwer einschätzbar zu bleiben.

Umso leichter und sicherer, eine Reaktion auf eine Aktion vorhersehbar ist, desto einfacher wird es, erfolgreich zu fintieren, aber auch zu kontern.

Finten müssen in der richtigen Distanz, mit der nötigen Körperspannung eingesetzt werden und dürfen von richtigen Angriffen nicht zu unterscheiden sein. Ein Gegner, der Respekt vor den Schlägen hat, wird dann darauf regieren müssen.

Welche Arten von Finten gibt es?

Grundsätzlich kann der ganze Körper zum Fintieren eingesetzt werden. Jede Bewegung, die einen Angriff glaubhaft andeutet, ist dazu geeignet. Versteht man Finten, als Täuschung des Gegners, kommen auch noch Elemente, wie das Verändern des Bewegungsrhythmus, der Bewegungsgeschwindigkeit und schwer vorhersehbare Schläge, mit ins Spiel.

Fuß- und Beinfinten

Das kurze, abrupte Setzen der Füße, wie bei einem mit einem kurzen Step vorgetragenen Jab, ist eine gute Möglichkeit eine Reaktion zu provozieren.

Die Steps, die nicht viel mehr als eine Fußlänge ausmachen sollten, vor allem dann, wenn du dich für eine kurze Zeit in die gegnerische Reichweite begibst, können auch mehrmals hintereinander und in unterschiedliche Richtungen erfolgen. Besonders wirksam sind sie, wenn sie den anderen Boxer darüber im Unklaren lassen, wann und ob du in der Schlagdistanz bist.

Eine solche Vorgehensweise macht die Finten bedrohlicher und glaubhafter.

Eine weitere Möglichkeit ist im Kreis zu zirkeln, einen kurzen Stopp zu machen, um sich dann in die gleiche oder die entgegengesetzte Richtung weiterzubewegen. Das Manöver macht es dem Gegner schwer, dich zu stellen und verschafft dir vorteilhafte Winkel.

Im Idealfall kann er dich dann nur mit einem Arm oder gar nicht erreichen, da du seitlich neben ihm oder hinter ihm stehst.

Eine schnelle Gewichtsverlagerung nach unten, durch das Beugen der Knie, kann auch gut zum Fintieren eingesetzt werden und Ausholbewegungen oder das Generieren von Vorspannung in den Beinen, um nach vorne zu schnellen, anzutäuschen.

Handfinten

Einen Schlag anzutäuschen, um ihn dann nicht auszuführen und stattdessen, eine andere Aktion zu setzen ist naheliegend. Diese Strategie lässt sich besonders gut einsetzen, wenn du gewisse Muster, beispielsweise eine Kombination, wiederholt geschlagen hast, um das so etablierte Muster, anschließend zu durchbrechen.

Der Gegner rechnet mit Aktion A, bekommt aber Aktion B geliefert und wird überrascht.

Die Möglichkeiten, die Handfinten bieten, sind sehr vielfältig.

  • Hoch antäuschen – tief schlagen
  • Tief täuschen – hochschlagen
  • Anstatt der geraden Führhand einen Haken schlagen.
  • Den Schlag in der Mitte unterbrechen, pausieren und dann weiterführen. Hier kann auch die Art des Schlags variiert werden. Gut eigenen sich Jab und Seithaken als Alternative.
  • Dabei die Bewegungsgeschwindigkeit variieren. Das macht es enorm schwierig, für den Gegner, das richtige Timing zu finden.
  • Angetäuschte Schläge und Schläge selbst können auch dazu verwendet werden, gegnerische Angriffe im Ansatz zu unterbinden oder in der Ausführung entscheiden zu stören. Diese Fähigkeiten erfordern aber enorm viel Übung und sind, wenn sie fehlschlagen, gefährlich.

Finten mit den Augen

Wohin man beim Boxen schauen soll, ist ein heiß diskutiertes Thema. Es gibt mehrere Lehrmeinungen und alle haben ihre Vor- und Nachteile. Eine Möglichkeit ist es auch bewusst die Augen des Gegners zu beobachten. Die Blickrichtung, aber auch die Mimik, können wertvolle Informationen liefern.

Viele Kämpfer verraten auch durch weiter geöffnete Augen, vor einem entschlossenen Angriff, ihre Intention.

Die Informationen, besonders die Blickrichtung, können und werden auch zum Täuschen verwendet. Ein bestimmtes Ziel mit den Augen anzuvisieren, während dann tatsächlich ein anderes angegriffen wird, gehört definitiv zu den Klassikern.

Kämpfer, die sich weniger oder gar nicht um die Augen und Mimik ihrer Gegner kümmern, sind naturgemäß weniger anfällig auf diese Art von Täuschungsmanövern.

Geräusche gezielt einsetzen, um den Gegner zu täuschen

Die richtige Atmung, während des Kämpfens und Schlagens, ist ein besonders wichtiges Thema. Viele Boxer atmen ganz bewusst und lautstark aus, um die Kraft ihrer Schläge zu verstärken und sicherzustellen, dass sie ihre Atmung optimal an die Situation im Ring anpassen.

Bei besonders harten Aktion wird oft laut und akzentuiert ausgeatmet. Das kann man sich auch beim Täuschen des Gegners zunutze machen.

Im Thaiboxen, werden verschiedene Techniken, mit bestimmten Lauten begleitet. Viele Kämpfer machen das ganz bewusst, um dann über die Geräusche, ihre Gegner zu täuschen. Das funktioniert erstaunlich gut.

Kopffinten

Den Kopf, der ja das Hauptziel im Boxen ist, ständig in Bewegung zu halten, ist eine gute, bewährte Strategie, wenn man möglichst wenig Treffer abbekommen möchte. Finten mit Kopfbewegungen darin zu integrieren, ist dabei nur logisch.

Das hilft, kein festes Ziel zu bieten, schwer einschätzbar zu sein und den Gegner zu bestimmten Aktionen zu verleiten. Der Kopf kann auch dazu verwendet werden, Fallen zu stellen. Er wird als Ziel angeboten, provoziert einen bestimmten Angriff, der wiederum leichter gekontert werden kann.

Selbstverständlich ist das riskant und muss dementsprechend oft geübt werden, um sich nicht selbst hineinzulegen.

Finten im Boxen lernen und trainieren

Finten lassen sich besonders gut vor dem Spiegel und im Schattenboxen üben. Sie dürfen von tatsächlich ausgeführten Angriffen, im Ansatz nicht zu unterscheiden sein. Am besten beginnst du mit 2-3 Finten, die dir liegen und erweiterst, wenn diese sitzen und erfolgreich im Sparring angewendet werden können, dein Repertoire mit der Zeit.

Ein paar wenige Finten, die funktionieren, sind besser als ein ganzes Arsenal nicht funktionierender Techniken.

Ist der korrekte Bewegungsablauf erlernt, geht es darum, mit unterschiedlichen Sparringspartnern Erfahrungen zu sammeln. Die Reaktionen werden sehr unterschiedlich ausfallen. Einige, besonders erfahrene Boxer, werden die Finten mitunter ignorieren. Für sie ist die gefühlte Bedrohung dann nicht gegeben.

Deutlich bessere Gegner werden also kaum reagieren. Hier hilft nur weiterzutrainieren und insgesamt ein besserer Kämpfer zu werden.

Wenn es dir möglich ist, solltest du die Sparringseinheiten auf Video aufnehmen. Videoanalysen werden nicht umsonst, äußerst erfolgreich im Technik- und Taktik-Training eingesetzt.

Enorm wichtig und wertvoll ist es ebenso, Kämpfe von Weltklasseleuten anzusehen. Es gibt keinen Boxer auf hohem Niveau, der nicht über eine große Bandbreite an Täuschungsmanövern verfügt. Diese Fähigkeit ermöglicht es den Spitzenleuten, auch einfache Schläge und Schlagkombinationen ins Ziel zu bringen.

Die Erfahrung, das systematische Austesten der gegnerischen Reaktionen und eine darauf basierende Strategie, zeichnet sie aus.

Fazit – Wie werden Finten im Boxen genutzt?

Beschäftigt man sich intensiver mit Finten, bietet sich ein weites Feld an Möglichkeiten und individuellen Ideen und Lösungen. Finten sind auf einem hohen Level mitunter kampfentscheidend. Sie geben dem Gegner zu denken, beschäftigen ihn, stören ihn bei seinen Aktionen und setzen ihn körperlich und psychisch unter Druck.

Wer ständig damit beschäftigt ist herauszufinden, was sein Gegner gerade vorhat, bekommt mehr Stress. Seinen eigenen Plan kann er nur sehr schwer umsetzen. Auch auf die Atmung und damit indirekt die Ausdauer kann beeinträchtigt werden.

Gute Boxer schaffen es mit ihrem Repertoire an Täuschungsmanövern auch ihnen körperlich überlegenen Kämpfer zu dominieren.

Finten sind ein Thema, mit denen sich jeder, der den Boxsport oder Kampfsport generell betreibt, intensiv auseinandersetzen sollte. Es lohnt sich.

Viel Spaß beim Training!

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