Eignet sich Taekwondo zur Selbstverteidigung und die Straße?


Taekwondo Selbstverteidigung

Die olympische Kampfsportart, Taekwondo ist bekannt für spektakuläre, kraftvolle und schnelle Tritte. Gekämpft wird mit vollem Kontakt und trotz umfangreicher Schutzausrüstung, kommt es im Wettkampf, immer wieder zu K.O.s. Doch ist die koreanische Kampfkunst auch zur Selbstverteidigung geeignet?

Taekwondo ist schlecht zur Selbstverteidigung geeignet. Konflikte starten fast immer in der Nahdistanz, es wird geschlagen, gegriffen, gerungen, aber kaum getreten. Der Taekwondo Kämpfer, kommt, fast nie dazu, seine Stärken auszuspielen und ist mit für ihn völlig neuen Szenarien konfrontiert.

Notwehrsituationen, beginnen meist auf beengtem Raum, in der mittleren und nahen Distanz. Das macht Tritte nicht zum Mittel der ersten Wahl für die Selbstverteidigung. Beintechniken haben zwar eine hohe Schlagkraft, sind aber, sehr riskante Techniken. Die Gefahr dabei auszurutschen oder zu Boden gerissen zu werden, ist sehr hoch.

Der Taekwondo Kämpfer, steht wie jeder andere beim Treten ja nur auf einem Bein. Er ist während des Tritts also instabil und kann keine Schritte machen, um auszuweichen. Die nötige Entfernung zum Gegner, um effektiv treten zu können, ist in der mittleren und nahen Distanz, auch für Spezialisten, kaum gegeben.

Was wird im Taekwondo trainiert?

Selbstverteidigung (Hosinsul) gehört zum Taekwondo, neben dem Formenlauf, der Grundschule, dem Einschrittkampf, Wettkampf, Freikampf und Bruchtests. Selbstverteidigung wird gegen einen oder mehrere Gegner geübt. Befreiungen aus Umklammerungen, gegen Würger und bewaffnete Angriffe gehören dazu.

Teil des Prüfungsprogramms im Taekwondo sind, je nach Level, bestimmte Selbstverteidigungstechniken, die dann mit Partner vorgeführt werden.

Die Art und Weise, wie diese Techniken geübt werden und welche Art Techniken zum Einsatz kommen, ist meiner Einschätzung nach höchst unrealistisch und hat mit modernem Selbstverteidigungstraining nichts zu tun.

Martin

Obiges Video ist eines der besten, die ich finden konnte. Die Distanzen stimmen, im Gegensatz zu vielen anderen, einigermaßen. Die Dynamik ist gut, keine Frage, die Art der Technikwahl, um die Situationen zu lösen, ist aber sehr fragwürdig.

  1. Hohe Tritte, noch dazu gedreht oder eingesprungen, haben in der Selbstverteidigung keinen Platz.
  2. Es ist in der Realität ein Ding der Unmöglichkeit, selbst 2 bis 3 oder gar 4 Bewegungen auszuführen, während der Angreifer nur eine macht. Kein Kämpfer friert ein, bleibt regungslos stehen und lässt den anderen machen. Das ist in vielen Videos leider zu sehen und wird wohl in der Regel auch so geübt werden.
  3. Weiters ist das Distanzverhalten zu hinterfragen. Aus einer Distanz zu schlagen oder zu treten, aus der man den Gegner kaum oder gar nicht berühren kann, wird keine oder so gut wie keine Wirkung erzielen.

Schläge und Tritte im Taekwondo – für die Selbstverteidigung?

Taekwondo ist bekannt, für eine Vielzahl, schnelle, harte und spektakuläre Tritttechniken. Im Vollkontaktwettkampf werden Tritte zu Kopf und Oberkörper mit voller Wucht ausgeführt. Das Reglement verbietet allerdings Faustschläge zum Kopf, sowie Greifen und Ringen.

In der Selbstverteidigung aber, kommt es zur körperlichen Auseinandersetzung, spielen Faustschläge, oft in Verbindung mit Greifen und Festhalten des Opfers, sowie ringerische Element, neben einer möglichen Bedrohung durch Waffen, die wichtigste Rolle.

Zwar hat der Taekwondo Kämpfer im Training, es werden auch allerlei Arten von Bruchtests, abhängig vom Stil bzw. Verband, durchgeführt, gelernt, auch mit den Händen hart zu schlagen, praktisch am Mann übt er das aber nur sehr selten.

Die Faustschläge im Wettkampf werden ja nur mit kleinen Punktewertungen belohnt, Schläge zum Kopf sind verboten, werden also nicht trainiert. So besteht die Problematik, auch im Taekwondo, darin, Dinge im Notfall anwenden zu müssen, die nicht den Erfordernissen in der Selbstverteidigung entsprechend trainiert wurden.

Die Tritte im Taekwondo sind verheerend. Aufgrund der Masse und der Kraft, die die Beinmuskulatur im Vergleich zu den Armen entwickeln kann, entwickeln gute Tritte bis zu dreimal so viel Schlagkraft, wie Faustschläge.

Das erlaubt es auch, kleinen schmächtigen Personen, genug Kraft zu entfalten, um einen Gegner kampfunfähig zu machen. Doch wie wahrscheinlich lässt sich solch ein Tritt in einer Notsituation auch entscheidend anwenden?

Wenn, dann ist das nur wirklich sinnvoll in der weiten Distanz zum Gegner möglich, in dieser beginnen Notwehrhandlungen aber nur sehr selten. Viel wahrscheinlicher sind Angriffe mit Fäusten bzw. Greifen und Unterlaufen aus nächster Nähe.

Beitrag: Tritte in der Selbstverteidigung?

Selbstverteidigungsszenarien und Taekwondo?

Für gängige Selbstverteidigungsszenarien bereitet das Taekwondo nur unzureichend vor. Angriffe aus nächster Nähe, wie Schläge zum Kopf, zu greifen oder den Kontrahenten zu Boden zu reißen, gibt es im Taekwondo nicht. Der Taekwondo Kämpfer ist darauf durch sein Training nicht ausreichend vorbereitet.

Da Schläge zum Kopf im Taekwondo, nicht Teil der Wettkämpfe sind, wird der Sportler auch nicht auf Faustschläge zum Kopf vorbereitet und lernt nicht, mit ihnen umzugehen.

Auch wenn Schläge zum Kopf im Training, ab und an Thema sind, hat der Taekwondo Kämpfer nicht die nötige Übung und Routine. Die er zweifelsohne im Umgang mit Tritten aus seinen Wettkämpfen und dem Sparring hat.

Das Distanzverhalten, das in den Wettkämpfen antrainiert wird, ist an die Erfordernisse im Taekwondo Wettkampf angepasst. So wird in Schlagdistanz noch versucht zu treten, ein Unterlaufen, gegriffen werden und Werfen, kommt in Wettkampfszenarien, im Unterschied zur Realität in Notwehrsituationen, nicht vor.

Der wesentlichste Teil im Bereich der Selbstverteidigung ist Gefahrenvermeidung und das richtige Verhalten in Notsituationen. Diese Dinge müssen unbedingt, und zwar ausführlich im Training behandelt werden. Im Kampfsport ist das praktisch nie der Fall, schließlich ist die Zielsetzung eine andere.

Das ist definitionsgemäß so, sollte aber nicht übersehen werden. Kampfsport, Kampfkunst und Selbstverteidigung, sind verschiedene Themengebiete.

Ergänzung oder Alternativen zum Taekwondo als Selbstverteidigung

Wer seinen Schwerpunkt auf Selbstverteidigung legt, sollte sich auf darauf spezialisierte Kampfmethoden konzentrieren. Die Kampfsportart Taekwondo, gehört, wie jeder Kampfsport nicht dazu. Das bedeutet, aber keineswegs, dass Kampfsport eine schlechte Vorbereitung auf Notsituationen sein muss.

Es bedeutet aber, dass die Schwächen und Lücken, der jeweiligen Kampfsportart, realistisch eingeschätzt werden und durch entsprechendes Training, gefüllt werden müssen.

Um diese Lücken bezüglich Selbstverteidigung zu schließen, eignen sich besonders gut die sogenannten Combatives. Diese Systeme haben sich ausschließlich auf Selbstverteidigung spezialisiert und können ergänzend oder auch über Seminarbesuche trainiert und erlernt werden.

Wer also sein Taekwondo Training ergänzen möchte, ist mit der Lektüre einschlägiger Bücher zum Thema Selbstverteidigung und zumindest einigen Seminarbesuchen, in den Combatives schon mal wesentlich besser dran. Mit den im Kampfsport erlernten Fähigkeiten, wird der Taekwondo Kämpfer, relativ rasch ein gutes Niveau erreichen und viele für den Selbstschutz relevante Aspekte abdecken können.

Beitrag: Combatives Selbstverteidigung – Konzepte – Techniken – Stile

Fazit – Taekwondo zur Selbstverteidigung

Taekwondo ist als olympischer Kampfsport, Breitensport, Leistungs- und Hochleistungssport. Es ist unbestritten, dass die Kampfsportler auf Spitzenniveau, Höchstleistungen bringen, topfit sind und die besten der Welt sind, wenn es darum geht, innerhalb ihres Regelwerkes zu kämpfen.

Da im Taekwondo im Vollkontakt trainiert wird, verfügen die Kämpfer über hohe Tritt- und Schlagkraft und das entsprechende Mindset. Das sind Fähigkeiten, die in jeder Selbstverteidigungssituation oder einem Straßenkampf ganz entscheidende Vorteile sein können.

Für die Selbstverteidigung, einem unreglementierten Kampf, der in der mittleren und nahen Distanz beginnt und entschieden wird, sind Taekwondo Kämpfer, aber nicht ausreichend vorbereitet. Sie trainieren auch nicht dafür. Die Erfordernisse eines Kampfsportes sind andere als die eines auf die Selbstverteidigung ausgerichteten Trainings.

Mein ganz persönlicher Eindruck, nachdem ich mir knapp 10 Videos zum Thema, Hosinsul, der Selbstverteidigung im Taekwondo angesehen habe, war nicht der beste, um es vorsichtig zu formulieren. Warum das so ist, habe ich oben argumentiert.

Wer also seine Notwehrfähigkeiten, verbessern möchte, ist mit einem begleitenden Training an auf die Selbstverteidigung spezialisierten Stilen, gut beraten. Das lässt sich mit vergleichsweise wenig Aufwand bewerkstelligen und kann sich als sehr sinnvoll erweisen.

Viel Spaß beim Training!

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