Pfefferspray anwenden – Dos and Don’ts in der Selbstverteidigung


Pfefferspray richtig nutzen

In Deutschland ist statistisch gesehen jede dritte Frau, einmal in ihrem Leben mit physischer oder sexualisierter Gewalt konfrontiert. Jeder zehnte Mann, wurde nach einer (nicht repräsentativen) Studie, des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, innerhalb der letzten fünf Jahre körperlich bedroht. Körperliche Gewalt und Bedrohungen sind ein reales Problem in unserer Gesellschaft, mit dem jeder unvermittelt konfrontiert werden kann.

Pfeffersprays bzw. Tierabwehrsprays haben sich als effektives Mittel zum Selbstschutz, seit Jahrzehnten bewährt. Doch was gibt es beim Kauf, Einsatz und Umgang mit Pfeffersprays zu beachten?

Um den Pfefferspray in Notwehr effektiv anwenden zu können, benötigt es ein vorbereitendes Training. Der Verteidiger muss mit Auslösemechanismus, der richtigen Haltung, dem Zielen und Ziehen des Sprays, das Wissen um die Wirkung und die Besonderheiten des Produkts (Strahl, Nebel, Gel), vertraut sein.

Ein entsprechendes Training ist deshalb nötig, weil nur oft wiederholte Handlungen automatisiert werden können. In Bedrohungslagen, bleibt keine Zeit zum Nachdenken, jede Sekunde zählt. Entschlossenes Handeln ist unabdingbar.

Mit der erfolgreichen Anwendung des Pfeffersprays ist es dann auch nicht getan. Es gilt sich sicher aus der Gefahrenzone zu entfernen und Hilfe bzw. die Polizei zu verständigen. In manchen Situationen, kann das Benutzen eines Pfeffersprays zu Selbstverteidigung kontraproduktiv sein, auch darauf gehen wir in dem Beitrag ein.

Etabliere Handlungsroutinen für gefährliche Situationen

Im Fall von Bedrohungen und Notwehrsituationen sind im Vorfeld eingeübte und durchdachte Handlungsroutinen, unerlässlich. Der Umgang mit dem Pfefferspray, Vorbereitungs- und Verteidigungshandlungen, sollten durch entsprechendes Training automatisiert werden.

  1. Der Pfefferspray muss rasch verfügbar sein!
  2. Hör auf dein Bauchgefühl!
  3. Achte auf deine Umgebung.
  4. Weiche Gefahren aus, wenn möglich.
  5. Nimm den Spray in potenziell bedrohlichen Situationen in die Hand.
  6. Die Waffe in der dominanten Hand.
  7. Der Finger auf dem Auslösemechanismus.
Tiefgarage

„Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“

Murphys Gesetz

Das trifft ganz besonders auf bedrohliche Situationen zu, denen du unvorbereitet, gegenüber stehst. Die Antwort darauf ist so alt wie die Menschheit selbst. Entsprechendes Training, stellt sicher, dass du in der Lage bist, das zu tun, was notwendig ist, um wieder sicher nach Hause zu kommen.

Es empfiehlt sich den Pfefferspray in potenziell gefährlichen Positionen nicht nur griffbereit, sondern bereits in der Hand, schussbereit (verdeckt) zu halten. Der Gang in die schlecht beleuchtete Tiefgarage, durch dunkle Unterführungen oder wenn du das Gefühl hast verfolgt zu werden, sind dafür beispielhafte Anlässe.

Wesentlich ist es dabei, den Spray so schnell wie möglich zum Einsatz bringen zu können, ohne jedoch durch das offene Zeigen des Sprays oder offensichtliche Angst, mögliche Angreifer zu provozieren.

Mach dich mit der Wirkungsweise und Funktion des Pfeffersprays vertraut!

Der Auslösemechanismus, das korrekte Zielen und die effektive Distanz, in der, der Pfefferspray eingesetzt werden kann, müssen dem Verteidiger vertraut sein. Einige Hersteller bieten neben dem eigentlichen Produkt, „Trainer“ an, mit denen im Vorfeld sicher geübt werden kann.

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Die Anzahl der einzelnen Schüsse, die du mit dem Spray abgeben kannst, sollten dir ebenfalls bewusst sein. Manche Hersteller geben hier eine Sprühdauer an, als Referenzwert. Verwende grundsätzlich keine abgelaufenen oder schon benutzten Pfefferspray zur Selbstverteidigung.

Der Pfefferspray beeinträchtigt die Sicht und Atmung des Getroffenen. Er führt, mit hoher Wahrscheinlichkeit, aber nicht in jedem Fall, zur Kampfunfähigkeit des Angreifers oder zum Ende der Bedrohungslage.

Je, öfter du den Umgang mit der Selbstschutzwaffe geübt hast, umso leichter tust du dir in der Anwendung. Die Anwendung des Pfeffersprays sollte hunderte male trainiert worden sein, in verschiedenen Situationen und Szenarien.

Wem das übertrieben scheint, der kann sich vor Augen halten, wie Kampfsportler oder Soldaten trainieren. Einfachste Bewegungen werden tausende Male geübt, um sie zu optimieren und ein ganz wesentlicher Punkt, reflexartig abrufen zu können.

Jeder von uns kennt den Vorführeffekt, wenn das gewohnte Leistungsniveau vor Publikum nicht abgerufen werden kann. Im Falle von Bedrohungen und dem damit verbundenen hohen Stresslevel wird es nicht besser.

So benutzt du deinen Pfefferspray richtig

Halte den Pfefferspray griffbereit

Eine Waffe ist vollkommen nutzlos, wenn sie nicht zur Anwendung kommt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Pfefferspray bereitzuhalten. In der Hosen- oder Jackentasche, Tasche oder als Schlüsselanhänger. Manche Anbieter bieten auch spezielle Holster an, die es ermöglichen, den Spray griffbereit am Gürtel zu führen.

Der Zugriff zum Spray muss trainiert werden. Das Ziehen und korrekte ausrichten der Waffe auf ein Ziel, müssen ohne hinzusehen, automatisch erfolgen.

Nutze den Daumen zum Auslösen des Sprays

Es gibt unterschiedliche Mechanismen zum Auslösen des Sprays. Die besten lösen den Spray beim Schließen der Faust aus. Diese Bewegung ist auch noch in Hochstresssituationen noch möglich, auch wenn die Koordinationsfähigkeit, schwerst beeinträchtigt sein sollte und das bewusste Ansteuern einzelner Finger nicht mehr möglich ist.

Der Daumen eignet sich wesentlich besser zum Betätigen des Pfeffersprays, weil er den Griff auf die Waffe weniger beeinträchtigt, als der Zeigefinger und ein besseres Zielen erlaubt. Ein zu starker Druck mit dem Zeigefinger kann den Strahl nach unten drücken und am Angreifer vorbei lenken.

Da es verschiedene Mechanismen zum Lösen des Strahls gibt, muss mit dem jeweiligen Gerät bewusst geübt werden, um die Handlungen zu automatisieren.

Übe das Zielen mit dem Pfefferspray

Es gibt Pfeffersprays, die einen Nebel versprühen, andere verschießen einen Strahl oder Pfeffergel. Jede dieser Arten hat vor und Nachteile. Der Sprühnebel erfordert weniger Zielgenauigkeit, ist aber durch Wind und in der Reichweite, den anderen Arten im Nachteil.

Spezielle „Trainer“, wie sie genannt werden, ermöglichen das sichere Üben im Umgang mit der Waffe. Natürlich ist auch, unter Einsatz des eigenen Hausverstands, das Training im Freien, ohne die Anwesenheit anderer Lebewesen, eine Möglichkeit, die Waffe besser kennenzulernen.

Ein einmal benutzter Spray, sollte dann ausschließlich zum Training verwendet werden und durch einen neuen, unbenutzten, ersetzt werden.

Wichtig ist es hierbei, das Zielen und die Reichweite des Sprays unter verschiedenen Bedingungen kennenzulernen. Für Pfeffersprays, die einen Nebel versprühen, empfiehlt es sich, vor dem Angreifer, ein S in die Luft zu zeichnen. Das stellt sicher, dass er durch den Nebel muss, um zu dir zu gelangen.

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Pfeffersprayeinsatz im Ernstfall

Der Pfefferspray wird in der dominanten Hand geführt. Die freie Hand ist nach vorne gerichtet und sorgt für Abstand zum Angreifer und verunmöglicht diesem den direkten Zugriff zu deiner Waffe. Abhängig von der Situation, kann ein Aggressor noch gewarnt werden, was notwehrrechtlich, wenn es Zeugen gibt, vorteilhaft ist oder im Falle eines Angriffes direkt eingesetzt werden.

Beim Sprayen bleibt dein Mund geschlossen.

Das Notwehrrecht greift, wenn ein rechtswidriger Angriff im bereits Gange ist oder unmittelbar bevorsteht. Das bedeutet, du musst nicht warten, bis du geschlagen, getreten oder gegriffen wirst. Eine Unterschreitung der geforderten Mindestdistanz, kann in bestimmten Fällen, eine Notwehrhandlung rechtfertigen. (Die Entscheidung liegt bei dir und in nächster Instanz beim Richter.)

Lasse einen Angreifer oder potenziellen Angreifer nicht näher als höchstens zwei Armlängen an dich heran. Das Unterschreiten der im Vorfeld für dich definierten Mindestdistanz, ist dann der Auslöser, für deine Verteidigungshandlung.

Das sollte automatisiert erfolgen, zum Denken bleibt hier kaum Zeit. Aus diesem Grund, sind vorher definierte Grenzen und entsprechende Handlungsroutinen, um diese zu verteidigen so wichtig.

Nachdem du den Spray gegen den Angreifer benutzt hast, bewegst du dich seitlich oder schräg nach hinten, aus der Angriffslinie. Der Kardinalfehler wäre es auf der Angriffslinie zu bleiben und gerade zurückzugehen. So bist du für den Angreifer, selbst, wenn seine Sicht schwer beeinträchtigt wäre, immer noch greifbar.

Bietet sich eine Fluchtmöglichkeit, nutze sie und verständige die Polizei oder rufe um Hilfe. Kommst du nicht am Angreifer vorbei, kannst du die Pfefferspraydose zum Schlagen verwenden. Hammerschläge unter Einsatz des gesamten Körpergewichts haben sich in solchen Fällen bewährt.

Wann solltest du keinen Pfefferspray benutzen?

Nicht jede Notwehrsituation macht es sinnvoll, den Pfefferspray einzusetzen. Beim Einsatz auf engstem Raum oder sehr starkem Wind, kann der Schuss, im wahrsten Sinn des Wortes nach hinten losgehen. Allergiker, Menschen mit Lungenerkrankungen, stehen in der Verantwortung, sich über die Sinnhaftigkeit, eines Pfefferspray zur Selbstverteidigung, mit ihrem Arzt auseinanderzusetzen.

Pfeffersprays sind leicht entflammbar, auch das sollte bedacht werden.

In solchen Fällen könnte ein Schlagkraftverstärker, wie der Kubotan oder ein robuster (taktischer) Kugelschreiber zum selben Zweck, die bessere Alternative sein.

Fazit – Pfefferspray anwenden – Dos and Don’ts!

Moderne Pfeffersprays haben sich zur Selbstverteidigung vielfach bewährt. Sie werden auch von Polizeikräften in aller Welt, als relativ gelindes Mittel, zur Rechtsdurchsetzung verwendet. Ein Pfefferspray stoppt, in der Regel, mit guter, aber nicht absoluter Sicherheit Aggressoren, ohne diese nachhaltig zu verletzen.

Trotzdem gilt der Einsatz eines Pfeffersprays oder Tierabwehrsprays gegen Menschen als schwere Körperverletzung. Er ist nur in Ausnahmesituationen, wie Notwehr, rechtlich gedeckt und entschuldigt.

In Deutschland benötigt man zum Führen eines Pfeffersprays, wenn er als Waffe zum Einsatz gegen Menschen bestimmt ist, einen kleinen Waffenschein. Tierabwehrsprays, bieten ähnlich guten Schutz in Notwehrsituationen und sind frei erhältlich und dürfen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, öffentlich geführt werden.

Viel Spaß beim Training!

Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

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