Knockout oder Submission? Boxen vs. Ringen im Vergleich


Boxen vs. Ringen

Boxen und Ringen zählen in ihren unterschiedlichen, stilistischen, national und kulturellen Prägungen, zu den ältesten und wichtigsten Kampfmethoden weltweit. Schlagen/Treten und Ringen/Rangeln sind im Menschen genetisch veranlagt und bilden die Grundlagen für den waffenlosen Kampf.

Im Vergleich Boxen vs. Ringen haben sich Ringer in ca. 90 % der Kämpfe siegreich gezeigt. Boxer sind nicht geschult darin, Takedowns und Würfe zu verhindern und verfügen im Bodenkampf über keine Erfahrung. Gelingt es, dem Boxer nicht, schnell und kampfentscheidend zu treffen, hat er das Nachsehen.

Die deutliche Überlegenheit von Ringern und Grapplern, gegenüber Boxern und anderen nur auf das Schlagen oder Treten limitierten Kampfsportarten und Kampfkünsten, bezieht sich in erster Linie, auf moderne Kampfmethoden.

Ursprünglich gab es keine strikte Trennung zwischen Boxen und Ringen, da sie gemeinsam alle Möglichkeiten im unbewaffneten Kampf umfassen. Bis ins frühe 20. Jahrhundert konnten Boxer noch sehr gut mit Ringern umgehen.

Erst die Modernisierung des Boxsports, die dazu führte, dass das für die Zuseher unattraktive Clinchen, durch das Regelwerk, stark eingeschränkt wurde und viel weniger geübt wurde, gab Ringern, den entscheidenden Vorteil im sportlichen Vergleich.

Boxen und Ringen – ein kurzer historischer Überblick

Das Boxen und Ringen haben ihre Ursprünge bereits in der Vorgeschichte und wurden weltweit seit jeher als Kampfmethoden ausgeübt. Dabei bildeten sie nicht nur die Grundlage für sportliche Ertüchtigung, sondern auch für die Kampfausbildung.

Die Entwicklung zum modernen Boxsport begann im 18. Jahrhundert in England, mit Einführung der Queensberry-Regeln.

Boxen ist seit Beginn der modernen olympischen Spiele im Jahr 1904 in St. Louis olympische Disziplin. Das Frauenboxen wurde im 2012 in London erstmalig, Teil der Spiele. Der Boxsport zählt zu den meist gesehenen und beim Publikum beliebtesten olympischen Veranstaltungen.

Der Ringkampfsport ist, wie der Boxsport, seit der Antike fixer Bestandteil der olympischen Spiele. Im olympischen Ringen werden derzeit zwei Stile praktiziert: Freistilringen und griechisch-römisches Ringen. Wie das Boxen war der Ringkampf auch in der Antike eine der Kerndisziplinen in Olympia.

Boxen vs. Ringen – moderne sportliche Entwicklungen

Boxen und Ringen als moderne olympische Kampfsportarten unterliegen strikten sportlichen Regeln. Dies ist zum einen der Sicherheit der Kämpfer geschuldet, zum anderen, um die jeweilige Sportart attraktiver für das Publikum zu gestalten. Im Rahmen der historischen Entwicklung der beiden Kampfsportarten wurden die ursprünglich eng miteinander verwandten Sportarten zunehmend voneinander getrennt.

Die sportliche Entwicklung führte dazu, dass Boxer und Ringer zunehmend verlernten, mit den Taktiken, Techniken und Angriffen, der jeweils anderen Kampfsportart umzugehen. Was für die Boxer allerdings, sieht man sich Vergleichskämpfe an, mehr Nachteile mit sich brachte.

So war der Clinch zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch ein wesentlicher Bestandteil des Boxsports. Ganze Kämpfe wurden aus der absoluten Nahdistanz geführt und enthielten viele Push- & Pull Techniken (Ziehen und Drücken), wie wir so heute nur mehr aus dem Ringkampfsport kennen.

Die Boxer dieser Zeit, hatten viel mehr Übung und Fähigkeiten, mit Ringern umzugehen als moderne Boxer.

Boxen vs. Ringen im direkten sportlichen Vergleich

Vergleicht man Boxer der Gegenwart mit Ringkampfsportlern, so dominieren fast immer die Ringer. Gelingt es dem Ringer, die Distanz zu schließen, in den Clinch oder Bodenkampf überzugehen, nimmt er dem Boxer die Möglichkeit effektiv zu schlagen und damit seine stärkste Waffe.

Der Boxer ist nun auch dazu genötigt zu ringen, was ihn gegen einen geübten Grappler nahezu chancenlos macht, denn: Derjenige Kämpfer, dem es gelingt, seinen Kampfstil dem Gegner aufzuzwingen, wird mit größter Wahrscheinlichkeit die Auseinandersetzung für sich entscheiden können.

Boxe nie – einen Boxer, ringe nie mit einem Ringer!Never Box – a Boxer, never wrestle a Wrestler!

Diese alte Weisheit ist fast jedem Kampfsportler bekannt. Sie steht für die Erkenntnis, nie einen Gegner auf seinem Spezialgebiet zu konfrontieren, sondern stattdessen den eigenen Kampfstil zur Geltung zu bringen.

Muhammad Ali vs. Antonio Inoki, ein Showkampf zwischen Boxer und Ringer.

Der Kampf von Muhammad Ali vs. Antonio Inoki fand am 26. Juni 1976 im Budokan-Stadion in Tokio, Japan, statt. Er endete mit einem Unentschieden.

Früher fanden Vergleichskämpfe zwischen reinen Boxern und Ringern immer wieder statt, wenn zwei Kämpfer ihre Kräfte messen wollten. Heutzutage sind solche Vergleiche, abgesehen von den Mixed Martial Arts, nur noch selten zu sehen.

Einige Beispiele bekannter Boxer, die im MMA kämpften:

  1. Weltklasseboxer James Toney vs. Randy Couture am 28. August 2010 in Boston, USA. (UFC 118), Toney verlor durch Aufgabe in der ersten Runde.
  2. Eric „Butterbean“ Esch Profiboxer nahm an mehreren MMA Kämpfen teil. Mit wechselnden Erfolgen. Auch er unterlag, wie die Thaiboxlegende Ramon Dekkers, dem Japaner Genki Sudo und musste im Bodenkampf aufgeben.
  3. Ray Mercer vs. Tim Sylvia am 13. Juni 2009. Mercer, ehemaliger Olympiasieger im Boxen, besiegte Sylvia, einen ehemaligen UFC-Schwergewichts-Champion, durch K.O. in Runde eins.

Im Unterschied zu früheren, historischen Auseinandersetzungen, wissen die modernen MMAler, unabhängig davon, aus welchem Kampfsport Lager sie kommen, genau worauf sie sich einlassen und über welche technischen Möglichkeiten ihr Gegner, Boxer oder Ringer, verfügt.

Wie kann ein Boxer (Striker) gegen einen Ringer bestehen?

Der Boxer muss versuchen seine Stärken, das effektive, harte und gezielte Schlagen, zur Geltung zu bringen. Er muss mobil bleiben und verhindern, dass der Ringer ihn zu fassen bekommt oder unterläuft. Der Ringer ist beim Versuch in die nahe Distanz überzugehen, besonders durch Schläge gefährdet.

Ein Ringer geht somit das größte Risiko beim Übergang von der weiten in die nahe Distanz ein. Er ist deswegen bestrebt, den Übergang so schnell wie möglich zu gestalten.

Routinierte Ringer bzw. Grappler, wie Judoka oder Jiu-Jitsu Kämpfer, wie man sie in den Mixed Martial Arts zu sehen bekommt, wissen um diese Risiken und haben gelernt ihren „Shoot“, den Übergang in die Nahdistanz, entsprechend vorzubereiten.

Sie täuschen Schläge an oder lassen sich scheinbar auf einen Schlagabtausch ein, um bei der ersten Gelegenheit, die Distanz zum Boxer zu schließen. Der frühere Weltklasseringer und MMAler Joel Romero, beispielsweise, nutzt die Ähnlichkeit des sogenannten Overhand Schlags aus dem Boxen mit dem Eingang zu Takedowns sehr strategisch.

Sein Gegner weiß nie, welcher Angriff dann tatsächlich erfolgt und welcher nur angetäuscht wird.

Eine weitere sehr erfolgreiche Strategie von Ringern, besteht darin, dem Boxer so lange auszuweichen, um diesen beim Versuch ihn zu stellen, durch Takedowns zu überraschen. Takedowns sind Techniken, die dazu dienen, den Gegner zu Boden zu bringen.

Zu den klassischen Beispielen im Ringen gehören der Single- und Double-Leg Takedown. Dabei attackiert man entweder ein oder beide Beine des Gegners, um ihn zu Boden zu bringen. Diese Angriffe erfolgen tief, in Höhe der Hüfte oder Knie. Mit Schlägen sind diese Attacken, richtig getimt, nur äußerst schwer abzuwehren.

Viele „Striker“, Kämpfer, die sich auf das Schlagen oder Treten spezialisiert haben, machen den Fehler, ihre Gegner auf gerader Linie, mittels Ausfällen anzugreifen. Timt der Ringer den Boxer richtig und attackiert ihn in dem Moment, in dem der Boxer sich direkt auf ihn zubewegt, kann er ihn leicht unterlaufen.

Diese Strategie in sehr oft gegen Boxer, darunter Weltklassenkämpfer, wie James Toney erfolgreich. Auch der legendäre Muay Thai Kämpfer Ramon Dekkers, konnte in einem MMA Kampf, einen Takedown nicht verhindern.

Sobald Ringer bzw. Grappler anderer Stilrichtungen den Kampf auf den Boden verlegt haben, sind die Boxer, Thai Boxer und andere aufs Schlagen und Treten spezialisierte Kämpfer, fast immer unterlegen.

Boxen vs. Ringen – Straßenkampf & Selbstverteidigung

Obwohl sich Ringer in den meisten direkten Vergleichen, Boxern als überlegen erwiesen haben, ist Ringen nicht unbedingt die bessere Wahl, wenn es um die Selbstverteidigung bzw. einen Straßenkampf geht. Gute Boxer sind in der Lage durch harte, gezielte Schläge einen Kampf unmittelbar zu beenden, ohne vorherigen Körperkontakt.

Der Ringkampfsport, so effektiv er als Kampfsport ist, erfordert in der Regel längeren Kontakt zum Gegner, um ihn aus dem Clinch werfen oder zu Boden bringen zu können. Je länger ein Kämpfer an einen anderen gebunden ist, umso größer sein Risiko, dass Dritte zu seinem Nachteil in die Auseinandersetzung eintreten.

Diese Regel gilt ganz besonders für den Bodenkampf, der in einem Straßenkampf oder Notwehrsituation, unbedingt vermieden werden sollte. Egal, wie gut die Position eines Kämpfers im Bodenkampf ist, er wird dort zur Zielscheibe, für andere Angreifer.

Gegen bewaffnete oder potenziell bewaffnete Gegner ist es ebenfalls höchst gefährlich, den Nahkampf im Vorhinein zu suchen. Stell dir vor, dein Gegner zieht im Gerangel ein Messer, hält dich fest und macht davon Gebrauch.

Du wirst binnen weniger Sekunden mehrere schwere bis tödliche Verletzungen davontragen.

Selbstverständlich ist auch für einen Boxer, ein mit einem Messer bewaffneter Gegner, absolut lebensbedrohlich. Der Boxer wird aber versuchen auf Distanz zu kämpfen und hat so geringfügig bessere Chancen, solange er sich bewegen und schlagen kann.

Fazit – Boxer vs. Ringer

Vergleichskämpfe zwischen Boxern und Ringern fallen in den allermeisten Fällen zugunsten der Ringer aus. Boxer, denen es nicht gelingt, einen Clinch, Takedown oder Wurf zu verhindern, sind in der Bodenlage chancenlos.

Ringer wiederum, die es nicht schaffen schnell und überfallsartig, die Distanz zum Boxer zu schließen, setzten sich dessen Schlägen aus und dem hohen Risiko K.o. geschlagen zu werden.

Im Unterschied zu früheren historischen Vergleichen, vor der Entwicklung der modernen Mixed Martial Arts, wissen modere Kampfsportler in der Regel, was sie erwartet, wenn sie gegen Vertreter anderer Kampfsportarten oder Kampfkünste antreten.

So können sich Boxer und Kickboxer heutzutage durchaus auch im Oktagon gegen Ringer bzw. Grappler behaupten. Diese Kämpfer verfügen aber so gut wie immer, über fundierte Kenntnisse der gegnerischen Techniken und Strategien und haben intensiv trainiert diese auszukontern oder im Ansatz zu verhindern.

Früher und heute gilt aber immer noch die alte Weisheit:

Boxe nie mit einem Boxer, ringe nie mit einem Ringer!

Versuche dem Gegner deine Stärken aufzuzwingen und meide seine!

Viel Spaß beim Training!

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