Warum umarmen sich Boxer? Der Clinch erklärt

Boxen - Clinch
Boxen – Clinch

Boxen ist nicht nur ein brutaler Vollkontaktkampfsport, sondern auf hohem Niveau jedenfalls, ein sehr von Strategie und Taktik, geprägter Sport. Aber warum klammern und umarmen sich Boxer, während des Kampfes?

Die „Umarmung“, das Klammern der Boxer während des Kampfes, wird Clinch genannt. Er wird strategisch genutzt, um Schläge zu unterbinden, den Gegner am Ausspielen seiner Stärken im Nahkampf zu hindern, zu ermüden und zu frustrieren. Inaktivität im Clinch, führt zum Break und Neustart des Kampfes.

Die Gebrüder Klitschko, haben den Clinch, während ihrer Laufbahnen perfektioniert. Sie waren Meister darin, ihre meist kleineren Gegner, im Clinch am Nahkampf zu hindern und zu ermüden.

Wie nennt man Klammern und Umarmen im Boxen?

Der englischsprachige Fachausdruck, für Klammern und Umarmen im Box- und Vollkontaktkampfsport, wird Clinch genannt. Er hat sich auch im deutschen Sprachgebrauch durchgesetzt.

Den Clinch muss man vom bloßen Festhalten des Gegners unterscheiden. Beim Clinch nutzt der Boxer seine Arme, um die Arme seines Kontrahenten zu binden und ihn am Schlagen zu hindern. Dazu geht er in die absolute Nahdistanz über.

In Ausnahmefällen hält ein Boxer den anderen tatsächlich mit Händen fest. Technisch gesehen handelt es sich dann nicht mehr um einen regelkonformen Clinch. Ein solches Festhalten geschieht meist unbewusst, wenn einer der Kämpfer angeschlagen ist und sich instinktiv vor weiteren Schlägen zu schützen sucht.

Warum Clinchen Boxer?

  1. Die eigenen Reichweitennachteile zunichtemachen, den Nahkampf unterbinden.
  2. Den Gegner gezielt und systematisch ermüden.
  3. Kurze Erholungspause, für sich schaffen.
  4. Den Gegner frustrieren und irritieren.
  5. Eine bessere Position zum Gegner schaffen.
  6. Das gegnerische Gleichgewicht stören, um selbst schlagen zu können.
  7. Als letzte Rettung, eines angeschlagenen Boxers.

Boxer, können ihre Waffen, die Schläge, in der langen, mittleren und nahen Distanz einsetzen. Im Clinch, wenn sie einander umklammern, sind keine wirkungsvollen Treffer mehr möglich. Während, der meist kleiner Kämpfer versucht, sich aus der Umklammerung zu lösen, versucht der andere, größere, ihn daran zu hindern.

Der taktische Nutzen des Clinchens

Ein kleinerer Boxer hat, aufgrund seiner kürzeren Arme und geringen Körpergröße, Reichweitennachteile in der langen Distanz. Tritt er gegen größere Kämpfer an, ist er gezwungen, will er wirkungsvoll agieren, die mittlere und nahe Distanz zu suchen.

Der kleinere Boxer ist gezwungen die Distanz zu schließen, sonst kann er weder treffen, noch und das ist ein entscheidender Punkt, seine Stärken im Nahkampf ausspielen. Die geringere Reichweite, wird in der mittleren und nahen Distanz, zu seinem Vorteil.

Der größere Boxer kann mit seinen längeren Armen in der Nahdistanz nicht mehr wirkungsvoll agieren, er benötigt mehr Raum. Um Nachteile in der Nahdistanz zu vermeiden, sucht der größere Boxer deshalb in der Regel, die lange Distanz oder den Clinch.

Im Clinch kann der größere schwerere Boxer, seinen Gegner ermüden. Er zwingt den kleineren Mann, sein Körpergewicht zu tragen, indem er sich möglichst schwer macht und auf ihn lehnt. Über den Zeitraum eines langen Kampfes, kann diese Strategie der Ermüdung, durchaus mit kampfentscheidend sein.

Der Clinch im Boxen wird auch dazu verwendet, wieder zu Atem zu kommen, einige Sekunden zu pausieren, bevor der Kampf nach einem Break, des Ringrichters, wieder frei gegeben wird.

Psychologisch, hat diese Art des strategischen Clinchen, ebenfalls Auswirkungen. Immer wieder daran gehindert, im Nahkampf agieren zu können, führt das zur Frustration des so nieder gehaltenen Boxers.

Ständige Kampfunterbrechungen durch Clinchen, hindern einen Boxer auch daran, seinen Rhythmus zu finden und in den Kampf richtig hineinzukommen, diesen aufzubauen, wie er es sich vorstellt.

Wozu eine solche Frustration führen kann, hat man im Kampf Mike Tyson, Evander Holyfield gesehen. Tyson biss Holyfield ins Ohr.

Ist Clinchen im Boxen regelkonform?

Clinchen, also Klammern ist im Boxsport keine illegale Aktion, im Sinne von Bestrafung durch Disqualifikation. Zwar ist das Klammern, keine gern gesehene Aktion, da es den Kampffluss unterbricht, es wird aber in gewissem Rahmen, von den Ringrichtern toleriert.

Es gibt jede Menge schmutziger Tricks, die besonders Profiboxer im Kampf nutzen. Geht es doch darum, jeden kleinsten Vorteil für sich zu nutzen. So stellt das Festhalten der gegnerischen Arme, während selbst geschlagen wird, ein Foul, einen strafbaren Regelverstoß, dar.

Routinierte Profis nutzen, solche Aktionen, wenn der Ringrichter sie aus seinem Blickwinkel nicht sehen kann. Hier wird die Grenze zu unsportlichem Verhalten, weit überschritten. Die Innenposition ist vorteilhafter, da hier effektiver aus dem Clinch heraus, geschlagen werden kann.

Dabei muss aber darauf, geachtet werden, dass sich der Gegner nicht unkontrolliert löst und in eine, für ihn optimale Schlagdistanz, gelangt.

Dem gegnerischen Boxer, im Clinch auf die Füße zu steigen, ist eine weitere gern genutzte Strategie. Eine solche, „unbeabsichtigt“, im Eifer des Gefechts stattfindende Aktion, wird selten sanktioniert.

Für Passivität im Kampf, offensichtlich den Kampf vermeidendes Verhalten, werden im Boxen, Punkteabzüge vergeben.

Ist ein Boxer angeschlagen, durch harte Treffer, in seiner Leistungs- und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt, wird er instinktiv den Clinch suchen, den Kampf meiden. In dieser Position, ist er, im klassischen Boxen, vor Schlägen geschützt und gewinnt wertvolle Zeit, um sich wieder zu erholen.

So ist der Clinch im Boxsport eine Methode, die, genauso wie Schläge, Teil des Sports ist und gemeistert werden muss, will man auf hohem Niveau im Boxen erfolgreich sein. Dementsprechend wird das Clinchen, das Umklammern des Gegners auch ganz gezielt trainiert.

Einen schweren Regelverstoß, stellt das Nachschlagen, nach dem Kommando Break, also einer Kampfunterbrechung dar.

Offensichtliches Ziehen und Drücken im Clinch ist nicht regelkonform mit jenen des Boxsports. Allerdings ist der Graubereich hier sehr stark ausgeprägt und gerade beim Profiboxen, werden die Regeln diesbezüglich sehr großzügig ausgelegt.

Beitrag: Dirty Boxing – Boxen zur Selbstverteidigung?

Richtig Clinchen – darauf musst du achten!

Die Innenposition der Arme ist vorteilhafter. In dieser Position, kannst du kurze, harte Treffer zum Körper setzen. Die Kraft wird, über die Hüfte, den Rumpf und die Beinmuskulatur generiert.

Grundsätzlich sollte dein Kopf, beim Clinchen, an oder über der gegnerischen Schulter sein. In dieser Position bist du am besten vor schweren Kopftreffern geschützt. Bist du auf der Seite, an der dein Kopf an der gegnerischen Schulter liegt, mit deinem Arm, außen, kannst du Kopftreffer leichter unterbinden. Du bist aber anfälliger für Körpertreffer.

Du kannst deinen Gegner über Zug und Druck bewegen. So ist es möglich, Lücken zum Schlagen zu schaffen und in Verbindung mit Beinarbeit, in die gegnerische Flanke zu gelangen. Das erlaubt dir über den vorteilhaften Winkel zum Gegner, Treffer anzubringen.

Um kraftsparend im Clinch zu arbeiten, ist es wesentlich, aus dem gesamten Körper Kraft zu generieren. Wer seine Arme zum Drücken und Schieben benutzt, wird sehr schnell ermüden.

Vorsicht beim Lösen aus der Clinchposition. Wer hier den Gegner mit gestreckten Armen wegdrückt, eröffnet dem anderen Boxer, jede Möglichkeit, zum Konter.

Eine bewährte, sportlich nicht ganz saubere Methode ist es, im Clinch über einen Push mit der Schulter kurzzeitig Raum für einen Schlag zu schaffen. Oft werden so Aufwärtshaken in der unmittelbaren Nahdistanz vorbereitet.

Beitrag: Boxen Grundlagen – der Aufwärtshaken

Fazit – der Clinch im Boxsport

Was in den Augen des ungeschulten Beobachters, nach planlosem, zufälligen Verhalten aussieht, das Umklammern des Gegners im Clinch, ist bei guten Boxern ein mit Bedacht eingesetztes Mittel, in der Kampfgestaltung.

Im Profiboxen, werden die Regeln von den Ringrichtern lockerer ausgelegt, als es im olympischen Boxen der Fall ist. So spielt der Clinch im Profiboxen, auch eine bedeutendere Rolle, im Kampfgeschehen. Schmutzige Tricks, illegal oder am Rande der Illegalität, gibt es hier zuhauf.

Als Boxer sollte man sich mit dem Clinch in allen Facetten beschäftigen, auch wenn man selbst dabei nicht zu unsportlichen Mitteln greifen möchte. Was ich jedem Sportler empfehlen würde.

Viel Spaß beim Training!

Martin

Hallo! Mein Name ist Martin Unger und ich bin seit meiner Jugend begeisterter Sportler. Mit 10 Jahren kam ich zum Judo, dann Karate und einer Vielzahl von Kampfsportarten, bis mich mein Weg 2009 zum Escrima, einer philippinischen Kampfkunst, geführt hat. Eleleu ist der Schlachtruf der antiken Griechen und ist namensgebend für diesen Blog, auf dem ich mein Wissen, als Fitnesstrainer und Escrimalehrer, um Selbstverteidigung, Kampfsport, Kampfkunst und funktionelles Training teile. Viel Spaß beim Lesen!

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