Was bringt der Kopfschutz im Boxen? Sinnvoll fürs Sparring?


Was bringt der Kopfschutz im Boxen?

Der Kopfschutz gehört für Boxer und viele Kampfsportler seit jeher zur Grundausstattung und wird vielfach im Training und Sparring genutzt. Im Jahre 2013 wurde erstmals das verpflichtende Tragen eines Kopfschutzes im olympischen Boxen (Amateurboxen), seitens des Deutscher Boxsport Verband e.V. abgeschafft.

Mit der Argumentation, dieser trüge nicht zur Sicherheit der Kämpfer bei. Ist das Tragen eines Kopfschutzes im Boxen nun sinnvoll oder nicht?

Der Kopfschutz schützt Boxer gut vor oberflächlichen Verletzungen, wie Hämatome und Rissquetschwunden im Gesicht bzw. Kopf. Die Schlagwirkung wird allerdings nur geringfügig gedämpft. Durch erhöhte Risikobereitschaft und schlechtere Sicht, kommt es in vielen Fällen mit Kopfschutz zu mehr Treffern.

Welche Art von Kopfschutz, wann und von wem sinnvoll getragen werden kann, erfährst du in diesem Beitrag.

Welche Arten von Kopfschützern gibt es?

Entsprechend den Vorlieben der Kämpfer bzw. den geltenden Vorschriften in den jeweiligen Kampfsportarten, haben sich verschiedene Ausführungen von Kopfschützern entwickelt. Es gibt Unterschiede in der Art und Dicke der Polsterung, die Schutzwirkung und Gesichtsfeld bestimmen.

Je besser der Schutz, umso schlechter die Sicht, kann generell gesagt werden. Kopfschützer, die den meisten Schutz bieten, das Jochbein schützen und Modelle, die mittels Stahlgitter das Gesicht schützen, gewähren das kleinste Gesichtsfeld.

  • Offenes Gesichtsfeld
  • Schutzbügel vor dem Mund – schützt zusätzlich den Unterkiefer.
  • Geschlossener Kopfschutz mit Metallgitter – das gesamte Gesicht wird geschützt.
  • Hartplastik mit Vollvisier (selten im Boxsport verwendet, keine dämpfende Wirkung)

Wichtig zu wissen ist, dass bei der Wahl eines Kopfschutzes, immer ein Kompromiss zwischen Schutz und kleinerem Gesichtsfeld und damit verschlechterten Reaktionen und erhöhter Trefferwahrscheinlichkeit eingegangen wird.

Kopfschutz im Wettkampf und Sparring?

Die AIBA, der Boxverband der Amateure bzw. olympischen Boxer, hat im Jahr 2013 das verpflichtende Tragen eines Kopfschutzes in Wettkämpfen abgeschafft. Entscheidungsgrundlage dafür waren Studien, die eine verbesserte Schutzwirkung, durch das Tragen von Kopfschützern in Wettkämpfen, nicht bestätigte.

In den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro, wurde im Jahr 2016 erstmals wieder ohne Kopfschutz geboxt.

Nach der Studie führte das durch den Kopfschutz eingeschränkte Gesichtsfeld, zu mehr Kopftreffern und einer durchschnittlich verlängerten Reaktionszeit von 5 %. Der verbesserte Schutz durch den Boxhelm wurde, so die Studie, konterkariert.

Wettkampfboxer und davon können wir ausgehen, Olympioniken, haben ihr Handwerk gut gelernt. Die Wahrscheinlichkeit, Gesichtsverletzungen durch unbeabsichtigte Kopfstöße, die für viele Cuts verantwortlich sind, zu erleiden, ist als sehr gering, einzustufen.

Diese Schutzfunktion ist aber besonders für Anfänger, mäßig Fortgeschrittene und in Teilen des Trainings besonders wichtig. In Wettkämpfen, spricht nach der Beurteilung der AIBA, aber wenig für das Tragen eines Kopfschutzes.

Nach wie vor ist das Tragen eines Kopfschutzes im Amateurboxen für Minderjährige und Frauen vorgeschrieben. Profiboxer, Männer und Frauen, nutzen einen Kopfschutz, ausschließlich im Training, in Wettkämpfen sind sie nicht erlaubt.

Kopfschutz für Anfänger und Fortgeschrittene?

Anfänger, Neulinge im Boxsport, können einen Kopfschutz im Sparring sehr gewinnbringend nutzen. Die Gefahr von Kopfverletzungen im Form von Rissquetschwunden, Platzwunden und Hämatomen, aber auch Verletzungen an Ohren und Lippen können, deutlich reduziert werden.

Unbeabsichtigte Kopfstöße oder Schläge mit den Ellenbogen, die bei dem Schlagen von Haken und im Nahkampf passieren können, führen mit geringerer Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen.

Für Fortgeschrittene und Profis, die spezielle Szenarien trainieren, macht der Kopfschutz aus obigen Gründen ebenfalls Sinn. Verletzungen beim Training können so vermieden werden und die Teilnahme an Wettkämpfen aufgrund im Training erlittener Gesichtsverletzungen wird nicht gefährdet.

Das ist auch einer der Hauptgründe, warum auch Profiboxer fast immer im Sparring einen Kopfschutz tragen. Zwar dämpft der Kopfschutz auch die Wirkung von Schlägen, gleichzeitig erhöht aber auch die beeinträchtigte Sicht, die Wahrscheinlichkeit getroffen zu werden.

Kann ein Kopfschutz Gehirnschäden verhindern?

Gehirnverletzungen sind im Boxen leider Teil des Sports. Während im Amateurboxsport, die Sicherheit der Kämpfer durch eine Vielzahl an Maßnahmen sichergestellt werden soll, spielt die Gesundheit der Sportler im Profiboxen eine untergeordnete Rolle.

Die Polsterung, die ein guter Kopfschutz bietet, dämpft die Wirkung von Kopftreffern im Boxen. Er verringert somit die Wahrscheinlichkeit von schweren Gehirnerschütterungen und Gehirnverletzungen. Die Kombination mit 14 bis 16 Unzen Handschuhen, hat sich als ideal erwiesen.

Dem gegenüber steht eine erwiesenermaßen höhere Risikobereitschaft, zu der, die die vermeintliche Sicherheit, die der Kopfschutz bietet, verleitet. Auch die Schlaghemmungen der Sparringspartner fallen, wenn ihr Partner einen Kopfschutz trägt, erfahrungsgemäß.

Hier ist ein vernünftig strukturiertes Training und sinnvolles, abgesprochenes Sparring absolut essenziell.

Reduziert ein Kopfschutz, Schmerzen bei Kopftreffern?

Ein Kopfschutz schützt die Boxer vor äußerlichen Verletzungen, wie Cuts, Schwellungen im Gesicht und Hämatomen und dämpft die Schlagwirkung geringfügig. Die Erschütterung des Gehirns wird aber nicht unterbunden. Kopfschmerzen bei häufigen und schweren Treffern verhindert ein Kopfschutz also nicht.

Der Kopfschutz kann aber in Kombination mit großen, dick gepolsterten Boxhandschuhen, empfohlen werden 14 bis 16 Unzen, durchaus in Abhängigkeit vom Körpergewicht der Kämpfer, vor Trefferwirkungen und Kopfschmerzen bewahren.

Wer auf Sicherheit im Training wert legt, sollte im Sparring, wann immer möglich, darauf verzichten hart zum Kopf seiner Sparringspartner zu schlagen und die oben empfohlenen Sicherheitsmaßnahmen einhalten.

Da wir in keiner idealen Welt leben, ist das nicht immer möglich. Sparringspartner kann man sich aber auch gezielt auswählen, gerade dann, wenn es um die eigene Sicherheit und Gesundheit geht.

Mehr Risiko mit Kopfschutz? Gesichtsfeld – Kopftreffer?

Eine Verbesserung oder vermeintliche Verbesserung von Sicherheitsmaßnahmen hat oft den gegenteiligen Effekt. Das Paradoxon gilt auch, wenn die Sicherheitsmaßnahmen für sich, objektiv gesehen durchaus sinnvoll und sachlich gerechtfertigt sind.

Entscheidend dabei sind andere Faktoren und Variablen, die sich mit der Modifikation von Sicherheitsvorkehrungen, ebenfalls ändern.

Das Tragen eines Kopfschutzes erhöht in vielen Fällen die Risikobereitschaft der Boxer. Im Bewusstsein, geschützt zu sein, werden, so Untersuchungen, Treffer bereitwilliger riskiert und genommen. Die Schlaghemmungen jemanden, der vermeintlich geschützt ist, zu schlagen, fallen ebenso.

In diesem Fall führt eine objektiv sinnvolle Maßnahme, zum gegenteiligen Effekten. Der Kopfschutz bietet dann mehr Sicherheit, wenn die Boxer ihr Verhalten nicht ändern.

Ein weiterer wesentlicher Faktor ist das Gesichtsfeld. Jeder Kopfschutz schränkt das Blickfeld ein und erhöht die Reaktionszeiten. Abwehr- und Schutzmaßnahmen werden erst zeitverzögert eingeleitet. Das wiederum führt zu mehr Kopftreffern. Studien sprechen von ca. 5 %, abhängig von der Art des Schutzes.

Fazit – Was bringt der Kopfschutz im Boxen?

Das Tragen eines Kopfschutzes im Boxsport wird kontrovers diskutiert. Die einen lieben ihn, andere hassen ihn. Das, je nach Art des Schutzes eingeschränkte Gesichtsfeld, ist wohl einer der größten Nachteile. Angriffe werden dadurch erst später gesehen.

Andere Nachteile, wie eine erhöhte Risikobereitschaft und geringere Schlaghemmungen im Training, können, wenn die Boxer sich dessen bewusst werden, reduziert oder ganz beseitigt werden.

Grundsätzlich gehört, der Boxschutz zu der Grundausrüstung eines jeden Boxers, der ernsthaft trainieren und an Wettkämpfen oder härteren Sparrings teilnehmen möchte. Er ist aber nur ein Faktor unter vielen, wenn es um die Sicherheit der Sportler geht.

Kombiniert, mit intelligentem Training, einer guten technischen Grundausbildung, Wahl vernünftiger Trainer und Sparringspartnern, sowie gut gepolsterten Handschuhen im Training, wirst du am meisten profitieren.

Fürs Sparring, vor allem mit ungestümen Partnern und dem Training in der nahen Distanz, kann ein Kopfschutz äußerst sinnvoll sein. Er bietet ein mehr an Sicherheit, schützt aber nicht uneingeschränkt vor Gehirnerschütterungen und Verletzungen, da er nur einen Teil der Schlagenergie absorbieren kann.

Viel Spaß beim Training!

Letzte Beiträge