Was sind die Unterschiede zwischen Kung-Fu und Karate?


Unterschiede zwischen Kung-Fu und Karate

Nach der Einführung des Karate in Deutschland im Jahr 1957, wurden durch Filme, allen voran jene von Bruce Lee, als Ikone des Kung-Fu, chinesische Kampfkünste im Westen immer bekannter und populärer. Im Unterschied zum Karate blieb Kung-Fu ein eher vager Begriff. Wundersame Fähigkeiten exotischer Kämpfer, die sich artistisch und ungewohnt bewegen, werden auch heute noch mit Kung-Fu verbunden.

Karate ist eine japanische Kampfkunst, mit chinesischen Wurzeln, ihr Ursprung liegt im 20. Jahrhundert. Kung-Fu ist der Überbegriff für chinesische Kampfkunst und bedeutet übersetzt – harte Arbeit. Der Begriff ist rein auf den Trainings- bzw. Lernaufwand bezogen, um eine Kampfkunst zu meistern.

  1. Das Training mit Waffen gibt es in so gut wie allen Kung-Fu Stilrichtungen. Im Karate, was übersetzt soviel, wie Weg der leeren Hand, bedeutet, gibt es traditionell kein Waffentraining. Das, mit dem Karate eng verwandte Kobudo, widmet sich aber ausschließlich dem Waffentraining.
  2. Karate und Kobudo werden traditionell oft gemeinsam trainiert.
  3. Des Weiteren gibt es Unterschiede in der Kleidung. Im Karate, werden weiße Kimonos und Gürtel um sie festzuhalten verwendet, im Kung-Fu die uns bekannte chinesische Kleidung.
  4. Karate wird barfuß trainiert, Kung-Fu meist mit dünnen Schuhen.
  5. Karate Lehrer werden als Sensei angesprochen.
  6. Kung-Fu Lehrer werden als Sifu bezeichnet.
  7. Karate ist olympische Disziplin.
  8. Keine Stilrichtung des Kung-Fu ist olympisch.
  9. Karate wird in der langen und mittleren Distanz geübt.
  10. Im Kung-Fu werden stilabhängig, alle Distanzen geübt.

Die unterschiedlichen Ursprünge von Karate vs. Kung-Fu

Das moderne Karate entstand auf Okinawa. Die Kampfmethode der Inselbewohner, ursprünglich Okinawa-Te, genannt, war eine reine Selbstverteidigungsmethode. Übersetzt, war die Okinawa-Faust, ein knallhartes, brutales Kampfsystem, das den Einheimischen dazu diente sich gegen die japanischen Besatzer zu wehren.

Das Okinawa-Te, war darauf ausgelegt, gerüstete und bewaffnete Samurai, mit einem Schlag, kampfunfähig zu machen, bevor dieser zur Waffe greifen konnte. Es gibt Berichte darüber, dass, mit Fauststößen, sogar die Bambuspanzerung von Kriegern durchschlagen wurde.

Aus dem Okinawa-Te, das auch nur ein Überbegriff für die Kampfmethoden auf Okinawa verstanden werden muss, entwickelte sich unter dem Einfluss chinesischer Kampfmethoden, in weiterer Folge das moderne Karate im 20. Jahrhundert. Karate ist mittlerweile urjapanisch, seine Wurzeln liegen aber in Okinawa.

Kung-Fu ist ein Überbegriff für chinesische Kampfkünste. Zwar gibt es eine fast unendliche Zahl an Kung-Fu Stilrichtungen, fast jeder Meister, der was von sich hält, begründet seine eigene Linie, im Wesentlichen lassen sich aber nördliche und südliche Stile und innere und äußere Stile unterscheiden.

Die nördlichen Kung-Fu Stile, nutzen eher hohe Tritte und kämpfen geradlinig, während die südlichen Stile, Handtechniken bevorzugen. Innere Stile konzentrieren sich auf die Kultivierung der inneren Energie des Chi, das nach chinesischen Vorstellungen unabhängig von Muskelkraft und Gewicht ist.

Äußere Kung-Fu Stilrichtungen, betonen hartes körperliches Training und arbeiten eher unnachgiebig unter Aufwendung von Muskelkraft.

Kung-Fu als Überbegriff für alle chinesischen Kampfkünste und Kampfsportarten, soll seinen Ursprung in Indien, im Kalarippayat (Kalaripayattu), haben.

Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Karate und Kung-Fu?

Karate und Kung-Fu sind als Kampfkünste miteinander verwandt. Es gibt aber deutlich größere Einflüsse, des Kung-Fu auf das Karate bzw. die Ursprünge des modernen Karate in Okinawa, als umgekehrt.

  • Der Selbstverteidigungsaspekt wird in beiden Kampfkünsten betont.
  • Es gibt sogenannte Formen. Formen sind fest definierte Bewegungsabläufe, die alleine oder mit Partnern ausgeführt werden.
  • Karate und Kung-Fu verstehen sich als Kampfkünste.
  • Damit verbunden gibt es ganz konkrete Philosophien, die hinter den Kampfkünsten stehen.
  • Im Karate und vielen Kung-Fu Stilen gibt es Graduierungen und Gürtel.
  • Es gibt strenge Hierarchien. In den chinesischen Kampfkünsten wird die familiäre Struktur, zwischen Lehrern und Schülern, stärker betont.
  • Die Übung der „klebenden Hände“, um den Tastsinn im Kampf besser nutzen zu können, gibt es sowohl am Karate (Kakie) als auch in vielen Kung-Fu Stilen. (Chisao)

Was ist besser – Kung-Fu oder Karate?

Die Antwort auf die Frage, was besser sei, Kung-Fu oder Karate, lässt sich nur individuell beantworten. Letztendlich hängt das von den individuellen Vorlieben, Zielen und Stärken, des Fragestellers ab.

Karatestile sind tendenziell, weniger verspielt und damit auch weniger variantenreich, als viele Kung-Fu Stile. Wer also ein möglichst breites Spektrum an Bewegungen und ein ganzheitliches Training sucht, mag im Kung-Fu besser aufgehoben sein.

Ist es dein Ziel, weniger Techniken zu lernen, die dafür aber zu perfektionieren, ist Karate wahrscheinlich die bessere Lösung.

Wer die Herausforderung im Vollkontakt sucht, ist im Karate, mit dem Kyokushin Karate, gut beraten. Im chinesischen Kung-Fu findest du einen ausgereiften Vollkontaktstil, im Sanda. Das Sanda ist eine Synthese verschiedener chinesischer Stile und kann, grob gesagt, als chinesisches Kickboxen bezeichnet werden.

Die Wahl liegt bei dir.

Welchen Kung-Fu Stil hat Bruce Lee gelernt?

Bruce Lee hat in Hongkong, ursprünglich unter Ip Man das südchinesische, stark auf Handtechniken spezialisierte Wing Chun erlernt. Durch den Umzug der Familien in die USA konnte er den Stil allerdings nicht vollständig erlernen.

Später begründete Bruce Lee sein eigenes System, das er Jeet Kune Do nannte. Übersetzt bedeutet es soviel wie, der Weg der abfangenden Faust. JKD ist eine Synthese aus östlichen und westlichen Kampfkünsten. Es ist der persönliche Stil, von Bruce Lee.

Fazit, die Unterschiede zwischen Kung-Fu und Karate

Die Beantwortung der Frage nach den Unterschieden zwischen Kung-Fu und Karate erweist sich bei näherer Betrachtung als sehr umfangreich.

Kung-Fu umfasst hunderte, wenn nicht tausende verschiedener Stilrichtungen, in den chinesischen Kampfkünsten. Karate ist deutlich überschaubarer, aber auch hier gibt es einige Stile, die sich teilweise sehr voneinander unterscheiden.

Wer also vorhat, sich für Karate oder einen Kung-Fu Stil zu entscheiden, den er erlernen möchte, kommt nicht umhin genauer hinzusehen.

Mitunter sind die Unterschiede, zwischen Kung-Fu Stilrichtungen, wie beispielsweise dem südchinesischen Wing Chun und dem, was wir heute als „Shaolin Kung-Fu“ präsentiert bekommen, wesentlich größer als, der, mancher Stile, zum japanischen Karate.

Es lohnt sich also genau hinzusehen, wenn man diese Kampfkünste lernen möchte. Karate, ist in Europa, mittlerweile sehr gut etabliert, was für ähnlich hohe Qualitätsstandards sorgt. Bei Kung-Fu Stilen ist das nicht immer gewährleistet.

Viel Spaß beim Training!

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