Einen Selbstverteidigungskurs finden! Tipps eines Trainers!


Selbstverteidigungskurs
Selbstverteidigungskurs

Für jeden kann eine Notwehrsituation eintreten, plötzlich stehen Leib und Leben auf dem Spiel. Das Thema Selbstverteidigung, betrifft jeden und sollte zur Allgemeinbildung, gehören. Unzählige Anbieter, befriedigen die Nachfrage Hilfesuchender, nach einschlägigen Kursen. Leider ist es für Laien dabei, äußerst schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Ein guter Selbstverteidigungskurs vermittelt realistische Gefahreneinschätzungen, widmet sich der Vermeidung von Bedrohungen und Risiken im Alltag und setzt auf Gewaltprävention. Es werden nur wenige, einfache unter Stress umsetzbare Selbstverteidigungstechniken, mit und ohne Hilfsmittel gelehrt.

Leider ist die Zahl der ahnungslosen „Experten“ im Bereich Selbstschutz, ähnlich hoch, wie in allen anderen Bereichen. Viele, die sich berufen fühlen, Kurse zum Thema anzubieten oder auch nur darüber zu schreiben, wären Philosophen geblieben, hätten sie nur geschwiegen.

Wer bietet Selbstverteidigungskurse an?

Selbstverteidigungskurse werden von darauf spezialisierten Selbstverteidigungsschulen, Kampfkunst und Kampfsportvereinen, der Polizei und staatlichen Institutionen angeboten. Die Kursdauer, Qualität und die Preisgestaltung unterscheiden sich oft deutlich.

Einen guten Selbstverteidigungskurs zu finden, ist trotz der vielen Anbieter, keine einfache Angelegenheit. Aus meinen Erfahrungen sind viele Kurse, schlecht, gehen am Wesentlichen vorbei und züchten Illusionen bei den Kursteilnehmern, was Gefahren, Risiken und die eigene Wehrhaftigkeit betrifft.

Die Wahrscheinlichkeit, kompetenten Unterricht in Sachen Selbstverteidigung zu bekommen, ist bei auf das Thema spezialisierten Anbietern höher.

Kampfsportlehrer und Kampfkunstlehrer neigen dazu, ihren Sport mit dem Thema Selbstverteidigung zu vermischen, können sich aber durchaus auch, als sehr gute Kursanbieter erweisen. Wie immer hängt es von dem jeweiligen Lehrer ab, was er vermitteln kann und will.

Mittlerweile gibt es ein immer größeres Angebot an Onlinekursen und Lehrvideos zum Thema Selbstverteidigung. Diese können ergänzend zum Training mit einem Partner, am besten unter fachkundiger Anleitung, durchaus sinnvoll sein.

Auf Selbstverteidigung spezialisierte Systeme:

  • Krav Maga: Das israelische Nahkampfsystem.
  • Combatives: Der Überbegriff für moderne Selbstschutzsysteme.
  • Senshido: Moderne Selbstverteidigung von Richard Dimitri.
  • Wing Tsun: Die moderne chinesische Kampfkunst hat sich auf Selbstverteidigung spezialisiert.
  • Speer System: Das US-System setzt auf natürliche Reflexe und Bewegungen.
  • Keysi: Eine spanische Entwicklung.

Welche Kriterien erfüllt ein guter Selbstverteidigungskurs?

Qualifizierte Selbstverteidigungslehrer

Der Lehrer ist ausreichend qualifiziert und versteht die Probleme und Bedürfnisse der Kursteilnehmer. Er kann nachvollziehen, dass nicht für jeden alles möglich ist. Jeder Mensch ist verschieden, verfügt über unterschiedliche Schwächen und Stärken und sollte dementsprechend unterrichtet werden.

Zu den Qualifikationen eines Selbstverteidigungslehrers zählen nicht zwangsläufig der Besitz eines schwarzen Gürtels in einer Kampfsportart, er braucht nicht Mitglied einer polizeilichen oder militärischen Spezialeinheit zu sein und auch kein Weltmeister in einer Vollkontaktkampfsportart.

Der Selbstverteidigungslehrer sollte, idealerweise, reale Gewalterfahrungen haben und ganz wesentlich, die Unterschiede zwischen Kampfsport, Kampfkunst und Selbstverteidigung verstanden haben. Diesen Unterschied haben bis heute viele „Experten“ nicht begriffen und daraus resultieren dann unterirdisch schlechte Selbstverteidigungskurse.

Selbstverteidigung zeichnet sich durch Gefahrenprävention, die verbale, nonverbale und wenn anders nicht möglich, gewaltsame, nicht sportliche Konfliktlösung aus. Fairness spielt dabei, keinerlei Rolle. Es muss mit heimtückischen, mitunter bewaffneten Angriffen, mehrere Personen, gerechnet werden.

Die richtigen Inhalte und Gewichtung der Kursinhalte

Die Erwartungshaltungen, vieler Kursteilnehmer von Selbstverteidigungskursen, beschränken sich meistens auf das Erlernen von Kampftechniken. Das ist zwar naheliegend, schließlich will man lernen sich zu verteidigen, allerdings werden dabei ganz entscheidende Punkte übersehen.

Den größten und wichtigsten Teil des Themenfeldes Selbstverteidigung macht die Gefahrenprävention und das richtige Verhalten in bedrohlichen Situationen aus. Der körperliche Kampf ist immer die allerletzte Option und die mit den höchsten Risiken für Leib und Leben.

Dementsprechend müssen die Kursinhalte gewichtet werden. Was wir unter Gefahrenprävention, Verhaltenstraining und Selbstbehauptung in gefährlichen Situationen bezeichnen, stellt den mit Abstand wichtigsten, relativ leicht zu erlernenden Teil von „Selbstverteidigung“ dar.

Im Falle einer körperlichen Auseinandersetzung, bestehen für jeden, auch noch so gut trainierten Menschen, immer hohe Risiken. Die Gefahr verletzt oder getötet zu werden, aber auch nach erfolgreicher Notwehrhandlung, ein möglicherweise sehr unerfreuliches, gerichtliches Nachspiel.

Gilt es dann, die Rechtmäßigkeit der erfolgten Notwehrhandlung, glaubhaft zu machen. Gelingt das nicht, kann es zu schweren strafrechtlichen und zivilrechtlichen Folgen, für den Angegriffenen kommen.

Rollenspiele und sogenannte Szenariotrainings sollen, abhängig von der Kursdauer, einen Teil des Selbstverteidigungstrainings ausmachen. Hier findet eine realistische Annäherung an Bedrohungen und gefährliche Situationen statt.

Dieses Trockentraining hilft bei der Gewöhnung und Desensibilisierung, in vergleichbaren Situationen und führt zu einer realistischeren Gefahreneinschätzung, der Kursteilnehmer.

Realistische Kampftechniken für die Selbstverteidigung

Wenn im Vorfeld alle Versuche gescheitert sind, die Situation gewaltfrei zu lösen, kommt es zwangsläufig zur körperlichen Auseinandersetzung in Notwehr.

Wir müssen davon ausgehen, es mit einem körperlich überlegenen Angreifer zu tun zu haben. Das vermindert nicht nur die eigenen Erfolgschancen deutlich, sondern macht auch eine ganze Palette, in vielen Selbstverteidigungskursen gelehrter Techniken, unsinnig.

In Selbstverteidigungskursen gelehrte Techniken, müssen einfach, unkompliziert und mit großer Wahrscheinlichkeit wirksam sein. Dafür kommen Schläge zu empfindlichen Körperstellen, in erster Linie im Kopf und Halsbereich, infrage. Hebel sind für Laien, nur äußerst schwer anwendbar und kaum relevant.

Neben Hebeltechniken in der Selbstverteidigung, wir gehen von einer relativ untrainierten, im Regelfall dem Angreifer körperlich unterlegenen Person aus, sind Tritte ebenfalls wenig geeignet.

Tritte in der Selbstverteidigung sind riskant, gefährden das eigene Gleichgewicht und erhöhen die Wahrscheinlichkeit auszurutschen oder zu Boden gebracht zu werden. Wenn Tritte verwendet werden, sollten sie tief und in Kombination mit Schlägen gebraucht werden.

Der Umgang mit Alltagsgegenständen zum Selbstschutz sollte in jedem Selbstverteidigungskurs Thema sein. Gerade der Einsatz von Hilfsmitteln und legalen Waffen, kann die Erfolgschancen des Verteidigers in Notwehr, deutlich erhöhen.

Rechtsgrundlagen und adäquate Selbstverteidigungskonzepte

Wissen um das Notwehrrecht und ein darauf basierendes Handlungskonzept zur Selbstverteidigung, darf ich keinem Kurs fehlen. Wer sich rechtskonform verhält und das auch vor Gericht argumentieren kann, ist klar im Vorteil.

Damit in Zusammenhang steht auch der gesetzeskonforme Erstschlag in der Selbstverteidigung. Ein unmittelbar drohender, rechtswidriger Angriff, rechtfertigt eine Notwehrhandlung. Der Angegriffene braucht nicht auf die ersten Attacken des Aggressors zu warten.

Wer den ersten harten Schlag in einer Auseinandersetzung abgibt und trifft, beendet in den meisten Fällen, die Auseinandersetzung augenblicklich. Dieses auch unter „preemtive striking“ bekannte Konzept, ist das erfolgversprechendste überhaupt, in Notwehrsituationen.

Empfehlungen über das Verhalten der Polizei gegenüber, Erste Hilfe Kenntnisse, um Bewusstlose richtig zu lagern und Wunden notdürftig, bis zum Eintreffen der Rettung zu versorgen, sollten im Idealfall, ebenfalls in einem Selbstverteidigungskurs, thematisiert werden.

Selbstverteidigungskurse für Senioren

Senioren werden häufig Opfer von Diebstählen, Raub und Gewalttaten. Auf Senioren spezialisierte Selbstverteidigungskurse haben sich der Problematik angenommen. Neben Verhaltenstraining, steht hier oft der Einsatz von Gegenständen, wie Stöcken, auf dem Programm.

Die oft in Seniorenheimen abgehaltenen Kurse, sorgen für Abwechslung, soziales Miteinander und können gerade in Bezug auf Risiko und Gefahreneinschätzung, verbunden mit klugem Verhalten in potenziell gefährlichen Situationen, zur Sicherheit unsere Senioren beitragen.

Selbstverteidigungskurse für Frauen und Mädchen

Selbstverteidigungskurse für Frauen und Mädchen gehen ganz besonders auf Themen, wie Stalking, sexuelle Belästigung, Grabschen und Grenzüberschreitungen ein. Selbstbehauptung und der Umgang mit Schlaghemmungen spielen eine wesentliche Rolle im Training.

Mit dem Einsatz von Pratzen, Schlagpolstern und psychologischen Hilfestellungen werden Schlaghemmungen abgebaut und das Selbstbewusstsein gestärkt.

Viele Frauen haben ein Problem damit, entschieden bei Grenzüberschreitungen, aufzutreten und ein deutliches NEIN zu artikulieren.

Rollenspiele und bewusstes Üben und Einsetzen der Körpersprache sind fixe Bestandteile eines guten Selbstverteidigungskurses für Frauen.

Selbstverteidigungskurse für Menschen mit Behinderung

Selbstverteidigung ist für wirklich jeden, Thema. Auch und gerade Menschen mit Behinderungen werden immer wieder Opfer von Übergriffen. Spezielle Kurse, versuchen hier Abhilfe zu schaffen. So gibt es Spezialkurse für Rollstuhlfahrer, Menschen, die auf Gehhilfen angewiesen sind.

Achtsamkeit im Alltag, des Vermeiden von gefährlichen Situationen und Selbstbehauptung sind wichtige Elemente solcher Kurse.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Selbstverteidigungskurse

Wie lange dauert ein Selbstverteidigungskurs?

Die Trainingseinheiten in Selbstverteidigungskursen dauern meist zwischen 90 und 120 Minuten. Meistens werden 10 Einheiten angeboten. Manche Kurse werden in Blöcke unterteilt, die sich jeweils anderen Schwerpunkten widmen und zwischen 2 und 5 Trainingseinheiten in Anspruch nehmen.

Ist ein Selbstverteidigungskurs sinnvoll?

Selbstverteidigungskurse sind gut geeignet, Neulingen einen Zugang zur Thematik zu verschaffen. Geht es um Risikoreduktion und Achtsamkeit, können die Kurse, sehr effektiv sein. Was kämpferische Fähigkeiten angeht, sollte man seine Erwartungen reduzieren. Auch ein guter Kurs kann langjähriges Training nicht ersetzen.

Komischerweise ist der Irrglaube, man könne im Schnellverfahren das Kämpfen lernen und in Notsituationen, in aller Regel körperlich stärkere Gegner, einfach besiegen, noch immer weit verbreitet. Das dann auch noch in Hochstresssituationen, wenn es um alles geht.

Das kann nicht funktionieren!

Wer sich kämpferische Fähigkeiten aneignen will, die er in Notwehr mit großer Wahrscheinlichkeit anwenden kann, muss regelmäßig und ganz gezielt für dieses Szenario trainieren. Dazu eignen sich Selbstverteidigungssysteme und Kampfsportarten, die mit Kontakt trainieren und eine möglichst große Bandbreite an Techniken erlauben.

Was kostet ein Selbstverteidigungskurs?

Für einen 10-stündigen Selbstverteidigungskurs musst du, zwischen 100 und 200 Euro, rechnen. Während viele Vereine, sehr günstige Kurse anbieten, wird es bei kommerziellen Schulen, teurer. Ein Preisvergleich lohnt. Die Kosten sollten allerdings nicht das Hauptkriterium bei der Kurswahl sein.

Wer hier ausschließlich auf die Preisgestaltung schaut, wird kaum das beste Angebot finden. Hohe Preise müssen dabei, aber nicht mit besonders hoher Qualität einhergehen. Mundpropaganda und Bewertungen im Internet, können, neben einem persönlichen Gespräch mit dem Anbieter, weiterhelfen.

Onlinekurse sind ab 50 Euro bis etwa 300 Euro zu kaufen. Sie können als Ergänzung zum Besuch eines Selbstverteidigungskurses dienen.

Bringen Selbstverteidigungskurse was für die Fitness?

Die Zielsetzung eines Selbstverteidigungskurses ist, die Teilnehmer, in möglichst kurzer Zeit, für einen möglichen Ernstfall vorzubereiten. Für Fitnesstraining ist dabei kein Raum, auch wenn athletische Fähigkeiten, Vorteile im Notfall bringen.

Ein guter Fitnesslevel ermöglicht es dir, dich besser und effektiver zu wehren oder wegzulaufen, wenn das möglich und sinnvoll ist.

Sind Selbstverteidigungskurse übers Wochenende sinnvoll?

An einem Wochenendselbstverteidigungskurs, lernst du zeitlich dicht gedrängt, alle relevanten Inhalte. Die Zeit ist aber zu kurz, um das Wissen zu verinnerlichen und zu festigen. Deshalb müssen auch nach dem Kurs die Informationen und Techniken weiter geübt werden.

Das gelingt dir am besten mit einem, besser noch mehreren unterschiedlichen Trainingspartnern. Auch hier bietet sich regelmäßiges Training in Schulen und Vereinen an, um das Wissen zu festigen.

Bietet die Polizei Selbstverteidigungskurse an?

Die Polizei bietet immer wieder Selbstverteidigungskurse an. Du findest sie in Polizeisportvereinen oder durch Nachfragen bei der Behörde. Wie bei jedem Kurs, ist die Kursqualität, in erster Linie von den jeweiligen Kursleitern, abhängig.

Bei Polizeikursen, wirst du mit Sicherheit eingehend und professionell über die herrschende Rechtslage aufgeklärt. Abführ- und Festlegetechniken, wie sie die Exekutive und Sicherheitsdienste benötigen, sollten in einem Selbstverteidigungskurs, aber keinen Platz haben.

Das ist eine andere Baustelle.

Fazit – Selbstverteidigungskurse – meine Tipps!

Ich selbst habe in früheren Jahren selbst einige Selbstverteidigungskurse abgehalten und noch früher als Schüler und Student, am Universitätssportinstitut besucht. Quasi als legale Version einer Betriebsspionage – ich wollte sehen, was und wie unterrichtet wird.

Aus meiner Erfahrung sind akademische Titel und hohe Dan Grade (Schwarze Gürtel) in Kampfkünsten, nicht besonders aussagekräftig, was eine realistische Unterrichtsgestaltung angeht.

Es ist für einen Trainer nicht einfach, dem durchschnittlich sportlichen und motiviertem Kursteilnehmer in wenigen Stunden nachhaltig was beizubringen. Was anwendbare kämpferische Fähigkeiten betrifft, ist die Zeit einfach zu kurz. Die Teilnehmer müssen zu Hause weiterüben, dazu sind aber die wenigsten bereit, das zeigt die Erfahrung.

Ich selber halte keine Selbstverteidigungskurse mehr, aus Überzeugung. Stattdessen bieten wir in der ETF spezielle zweistündige Seminare an, die sich der Gefahrenprävention und speziellen Übungen zusammensetzen, die ein Entkommen aus brenzligen Situationen wahrscheinlicher machen.

Wer wirklich körperlich wehrhaft werden möchte, muss regelmäßig trainieren, so unsere Überzeugung.

Es spricht aber dennoch aus meiner Sicht nichts dagegen, durchdachte Selbstverteidigungskurse und Seminare zu besuchen. Die gewähren einen Einblick in die Thematik, die theoretischen Inhalten, können in kurzer Zeit, einen großen Unterschied machen, was die Reduktion persönlichen Risiken im täglichen Leben, betrifft.

Wer dann auch noch zu Hause für sich übt, kann dann noch mehr Nutzen, aus Selbstverteidigungskursen ziehen.

Von Anbietern, die sich in ihren Kursen auf Hebeltechniken und verspielte Bewegungsabläufe konzentrieren, würde ich abraten. Von jenen, die mit „Tricks“ arbeiten oder physikalische Gesetzmäßigkeiten, Logik und Biomechanik in ihrer Werbung überstrapazieren auch.

Da ist man dann doch mit dem Besuch eines Boxkurses im nächsten Verein und der Lektüre eines guten Buches zum Thema Selbstverteidigung besser beraten. Aus meiner Sicht, jedenfalls.

Viel Spaß beim Training!

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