Haken im Boxen – Varianten – Technik – Fehlerkorrektur


Boxen Haken

Im Boxen wird, wie in keiner anderen Kampfsportart, der Einsatz der Fäuste perfektioniert und im Vollkontakt verwendet. Haken in allen Variationen, gehören zu den Grundlagen des Boxens und anderer Vollkontaktkampfsportarten.

Der Boxsport, unterscheidet generell, zwischen Seithaken, Aufwärtshaken und unzählige Variationen dazwischen. Haken können mit beiden Händen geschlagen werden. Ziele sind Kopf und Körper. Die Schläge werden in der Offensive und Defensive verwendet und zählen zu den härtesten Schlägen im Boxen.

Haken werden im Boxen in allen Distanzen geschlagen und es haben sich unzählige Varianten, mit eigenen Namen, ausgeprägt.

Der Haken in der Box-Grundschule

Der grundschulmäßige Seithaken im Boxen, wird mit vertikaler Faust, in der nahen und mittleren Distanz geschlagen. Ober- und Unterarm, nehmen einen Winkel von 90 Grad ein. Der Arm wird waagrecht geführt und durch das Ziel hindurchgeschlagen. Ziele beim klassischen Seithaken sind Kinn und Schläfe.

Die Kraft kommt beim Seithaken, er trifft das Ziel von der Seite unter Umgehung der Deckung, aus der Körperrotation und einer plötzlichen Gewichtsverlagerung. Der Arm überträgt, wie bei allen technisch korrekten Schlägen, die aus dem Körper generierte Kraft.

Eine weitere weit verbreitete Art, den Haken zu schlagen ist, der mit horizontaler Faust. Beide Arten der Handhaltung, Faust vertikal oder horizontal, sind boxtechnisch richtig. Hier spielen, individuelle Vorlieben der Boxer und die Entfernung zum Ziel, wichtige Rollen.

Ausholbewegungen, das sogenannte „Telegrafieren“, sind zu vermeiden. Der Gegner soll den Schlag nicht oder sehr spät kommen sehen. Die Deckung bleibt oben, um bestmöglich gegen Konter geschützt zu sein.

Der Aufwärtshaken in der Grundschule des Boxens wird von unten nach oben geschlagen und in der nahen und mittleren Distanz verwendet. Ziele sind in erster Linie Kopf, aber auch Körper des Gegners. Die Kraft für den Uppercut kommt aus den Beinen.

Wer diese beiden Haken, den Seit- und Aufwärtshaken, in der nahen und mittleren Distanz beherrscht, sie kraftvoll schlagen kann, ohne die eigene Deckung zu vernachlässigen und ohne übergroße Ausholbewegungen, anzukündigen, kann sich nach und nach die vielen weiteren Varianten des Hakens erarbeiten.

Im Sparring ergeben sich viele Variationen des Schlages von selbst, situationsbedingt. Trotzdem ist es elementar wichtig, immer wieder die grundschulmäßigen Ausführungen und den richtigen Krafteinsatz zu üben.

Welche Arten Haken zu schlagen gibt es?

Zwar sind der Seithaken und der Aufwärtshaken, die Schläge, die der Boxer zuerst in der Boxgrundschule lernt, es gibt aber unzählige Variationen des Hakens. Die Grundschule stellt, sozusagen die idealtypische Ausführung des Schlages dar. Im Kampf wird diese der Situation angepasst.

Haken im Boxsport:

  1. Aufwärtshaken
  2. Seithaken
  3. eingesprungener Haken – (Gazelle Punch)
  4. weiter Haken – Schwinger oder auch Heumacher
  5. slawischer Haken/ russischer Haken
  6. Bolo Punch
  7. Check Hook
  8. The Smash – Razor Ruddock
  9. Leberhaken
  10. rechter Haken
  11. linker Haken
  12. Shovel Hook (Schaufelhaken)
  13. Haken als Dublette, Triplette

Der sogenannte „Smash“ war der Spezialschlag des ehemaligen Weltmeisters im Schwergewichtsboxen, Razor Ruddock. Der weit ausholende Schlag ist eine Mischung aus Seit- und Aufwärtshaken. Das Besondere am Smash war, die Ausholbewegung sah immer gleich aus, der Schlag konnte aber unterschiedliche Ziele treffen.

So wusste der gegnerische Boxer zwar, dass ein Schlag vorbereitet wurde, aber er konnte nicht einschätzen, wohin er zielte. Ruddock konnte, nachdem der den Smash perfektioniert hatte, seine K.o. Quote signifikant erhöhen.

Der Shovel Hook ist wie der Name schon sagt ein in einer Art Schaufelbewegung geschlagener Haken. Diese Art von Haken wird gerne zur Leber geschlagen und gräbt sich tief, zwischen unteren Rippen und Becken ein.

Ein Bolo Punch ist ein weit ausholender Aufwärtshaken. Der enorm wuchtige Schlag, erhielt seinen Namen vom Bolo, einer Art Machete, die zum Zuckerrohrschneiden verwendet wird. Die Bewegung des Zuckerrohrschneidens, mit dem Bolo, wurde von philippinischen Boxern, sehr erfolgreich, im Kampf angewandt.

Der slawische oder russische Haken ist ein Schlag, der fast wie eine Gerade, auf lange Distanz geschlagen wird. Er ist äußerst wuchtig und durch die geringe, sehr ähnliche Ausholbewegung, kaum von einer Geraden zu unterscheiden. Ein guter Treffer führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem K.o.

Fedor Emelianenko hat diesen russischen Haken in seinen Mixed Martial Arts Kämpfen, sehr erfolgreich einsetzen können.

Haken können auch mehrfach hintereinander, mit derselben Hand geschlagen werden. Sowohl zum gleichen Ziel als auch zu verschiedenen Zielen in unterschiedlicher Höhe. Ein Meister dieser Schläge war einer der besten Boxer aller Zeiten – Roy Jones Jr.

Die taktischen Einsatzmöglichkeiten des Hakens

Der Haken wird im Boxen offensiv und defensiv genutzt. Meist in Kombination mit anderen Schlägen. Er kann aber auch, wie der eingesprungene Haken, offensiv oder der Check Hook, defensiv, in Einzelaktionen sinnvoll eingesetzt werden.

Der eingesprungene Haken, dient dem Boxer, überraschend in Schlagdistanz zu kommen und seine Schlaghärte gleichzeitig zu erhöhen. Bei dem auch als Gazelle Punch bezeichneten Schlag mit der Führhand, wird das gesamte Körpergewicht in den Schlag gebracht. Diese Art Haken wird gerne von kleineren Boxern verwendet, um Reichweitennachteile auszugleichen.

Mike Tyson, Rocky Marciano, Joe Frazier und viele andere haben den eingesprungenen Haken in ihren Kämpfen sehr erfolgreich geschlagen und etliche K.o.s damit erzielt.

Der Check Hook wird in der Defensive, gegen aggressive, nach vorne stürmende Boxer verwendet. Der Verteidiger schnellt mit dem Oberkörper nach hinten, verlagert das Gewicht auf sein hinteres Bein und schlägt einen Seithaken. Dieser Check Hook, kann den Angreifer am Kopf, auf Schultern oder die Deckung treffen.

Entscheidend dabei ist, für den verteidigenden Boxer, sich mit dem Check Hook, als Konter sicher, aus dem Angriff zu bewegen und den voranstürmenden Gegner im Gleichgewicht zu irritieren. Das verschafft ihm einen zusätzlichen Zeitvorsprung, unabhängig davon, ob er einen Wirkungstreffer landet oder nicht.

Der Krafteinsatz beim Haken

Die Schlagkraft beim Haken wird, wie bei jedem andere, technisch korrekt ausgeführte Schlag, aus dem gesamten Körper, generiert. Rotationsbewegungen im Oberkörper und der Hüfte, in Kombination mit einer plötzliche Absenk- oder Aufstehbewegung, sorgen für maximale Schlagwirkung.

Der Arm dient in erster Linie der Kraftübertragung, die Schlagwirkung, die der Arm alleine generiert ist, gering, kann aber in Kombination mit oben genannten Faktoren, die Schlagkraft weiter erhöhen.

Das plötzliche Absenken des Gewichts, kurz vor oder während des Auftreffens der Faust im Ziel, wird auch Falling Step oder Drop Step, genannt. Der aus Irland stammende, ehemalige Boxweltmeister im Schwergewicht, Jack Dempsey hat ihn weltbekannt gemacht.

Große Ausholbewegungen verraten, dem geschulten Boxer, schon im Ansatz, welcher Schlag mit hoher Wahrscheinlichkeit vorbereitet wird. Um dieses Vorankündigen (Telegrafieren) der nächsten Aktion zu vermeiden, werden Haken fast immer als Teil von Kombinationen geschlagen.

Diese Kombinationen erlauben dem Boxer, mit maximaler Härte, aus „geladener“ Position zu schlagen, ohne dem Gegner, den Haken vor anzukündigen. Ein Beispiel wäre, die Gerade mit der Schlaghand, gefolgt von einem Haken mit der Führhand.

Typische Fehler beim Haken

  1. Mangelnder Eigenschutz – Deckung!
  2. Fehlender Hüfteinsatz und Körperrotation
  3. Gewichtsverlagerung fehlt oder zum falschen Zeitpunkt
  4. Hand, Unterarm und Ellenbogen sind nicht korrekt ausgerichtet.
  5. Die Einheit von Faust und Unterarm zeigt nicht in die Richtung des beabsichtigten Krafteinsatzes.
  6. Große Ausholbewegungen verraten die nachfolgende Aktion.
  7. Angespannte Muskeln bremsen den Schlag.
  8. Die Distanz wird falsch eingeschätzt – Verlust des Gleichgewichts beim Schlagen.

Zu den typischen Fehlern beim Haken zählen, mangelnder Eigenschutz, durch nachlässiges Deckungsverhalten, das Schlagen aus der falschen Distanz, mangelnder Krafteinsatz als reiner Armpunch, inkorrekte Handhaltung und das nicht Verwenden von Schlagkombinationen.

Wie wir gesehen haben, ist es unerlässlich den Haken vorzubereiten und zu „tarnen“. Anders als gerade Schläge, kann der Haken im Boxen, nicht wirklich ansatzlos geschlagen werden. Der Seithaken erfordert eines bestimmte Vorspannung, Körper- und Hüftrotation. Beim Aufwärtshaken nicht ganz so stark, hier wird die Kraft vorrangig aus den Beinen geholt.

Wichtig zu verstehen ist, dass „Fehler“ im Boxsport relativ sind. Was ein typischer Anfängerfehler sein könnte, wird bei einem Profi mitunter zu dessen stärksten Waffe.

So erzeugen weit gezogene Haken, mit großen Ausholbewegungen (Schwinger, Heumacher) auf der einen Seite, extrem viel Wucht, sind dafür aber umso schwerer ins Ziel zu bringen. Aus diesem Grund sind sie auch nicht Teil in der boxerischen Grundausbildung. Was nichts daran ändert, dass hervorragende Boxer genau solche Schläge nutzen, um ihre Kämpfe durch K.o. zu beenden.

Sie haben die nötigen Fähigkeiten, zur richtigen Zeit das Richtige zu tun und sind damit erfolgreich. Das unterscheidet Amateur und Profi.

Aus diesem Grund ist jeder Sportler immer gut damit beraten, die Grundschule des Boxsports zu verinnerlichen, bevor er beginnt, seinen eigenen Stil zu entwickeln und gezielt Regeln zu brechen.

Die Fausthaltung beim Haken

Was die korrekte Handhaltung, die Position der Faust beim Haken angeht, gibt es zwei Schulen. Die einen unterrichten eine horizontale Fausthaltung, die anderen eine vertikale. Beide sind richtig, beide haben ihre Berechtigung.

Viele Boxer verwenden beide Varianten, abhängig von der Distanz zum Gegner. Der Daumen ist beim Haken besonders gefährdet, wenn die Faust in falscher Position auf ihr Ziel trifft. Die vertikale Faustposition wird bei Haken in der längeren Distanz oft bevorzugt.

Es gibt aber immer Ausnahmen zu dieser Regel. Letztendlich ist die persönliche Präferenz des Boxers entscheidend.

Besonders wichtig, beim Haken und allen anderen Schlägen ist es, den Unterarm und die Faust, korrekt auszurichten. Beide sollten zu einer Einheit verschmelzen. Das schützt die Hand, das Handgelenk und trägt zu optimaler Kraftübertragung bei.

Getroffen wird beim Haken, abhängig von der jeweiligen Boxschule, entweder mit den Knöcheln von Zeige- und Mittelfinger, allen 5 Knöcheln, der Faust oder den unteren 3 Knöcheln, wie es Jack Dempsey gelehrt hat.

Welche Muskeln werden beim Haken genutzt?

Beim Haken nutzt der Boxer seinen gesamten Körper, von den Zehenspitzen bis zum Kopf. Die Rumpfmuskulatur, die Beine und Schulter, Brust und Armmuskulatur, dienen zur Kraftgenerierung und Stabilisierung des Schlags.

Die angesprochene Muskulatur trainierst du am besten mit einem einfachen grundlegenden Krafttraining und speziellen Übungen für die Schlagkraft.

Verteidigung gegen Haken

Offensive ist die beste Defensive – das gilt auch bei der Verteidigung gegen Haken. Eine gute hochgezogene Deckung, ständiges in Bewegung bleiben, mittels Fußarbeit und Meidbewegungen aus dem Oberkörper, machen den Boxer zu einem schwer zu treffenden Ziel.

Eine gute Boxgrundschule, vernünftiges Training mit viel Sparring, um die nötigen Bewegungsabläufe zu verinnerlichen und Erfahrung zu sammeln, sind weitere wesentliche Punkte, wenn es um die Verteidigung gegen Haken geht.

Das Parieren und Blocken von Schlägen gehört ebenfalls dazu, sollte aber immer ein Mittel der zweiten Wahl sein, wenn es um Eigenschutz im Boxen und Vollkontaktkampfsport geht.

Fazit – der Haken im Boxsport

Haken zählen zu den Grundschlägen im Boxen. Sie können extrem variabel, in allen Distanzen geschlagen werden und gehören zu den kampfentscheidenden Schlägen, mit K.o. Power.

Die Grundschule ist im Boxsport elementar wichtig. Fehler werden in dem harten Sport, bitter bezahlt. Es ist also absolut notwendig, die Basics zu erlernen und perfektionieren, bevor du dich daran machst, von der Grundschule abzuweichen und deinen eigenen Boxstil entwickelst.

Viel Spaß beim Training!

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