Judo und Karate – die olympischen Disziplinen im Vergleich


Unterschiede Judo - Karate

Aus Japan stammend, zählen Judo und Karate zu den bekanntesten und populärsten Kampfsportarten, sie sind olympische Disziplinen und haben sich weltweit verbreitet.

Judo und Karate, beide japanische Kampfsportarten, unterscheiden sich stark voneinander. Während das Karate auf Schläge und Tritte setzt, herrschen im Judo das Werfen, Hebeln und der Bodenkampf vor. Kombiniert, bieten die Kampfsportarten kämpferisch eine gute Grundlage zur Selbstverteidigung.

Was die Kampfsportarten voneinander unterscheidet und für wen, sie geeignet sind, erfährst du in diesem Beitrag.

Überblick: die Unterschiede zwischen Judo und Karate

DisziplinJudoKarate
KampfsportJaJa
KampfkunstNeinJa
GründerKano Jigoro (1860 – 1938)Gichin Funakoshi (1868 – 1957)
TechnikenWürfe, Hebel, FesthaltetechnikenSchläge, Tritte, Würfe – selten
StandkampfJaJa
BodenkampfJaNein
FallschuleJaNein
olympischJa (1964 Vorführdisziplin, ab 1972 regulär)Ja (seit 2020)
WettkampfFreikampf (Shiai); Übungskampf (Randori)Freikampf (Kumite); Formen (Kata)
KleidungJudo – GiKarate – Gi
KontaktVollkontaktLeichtkontakt, Vollkontakt – stilabhängig
WaffenNeinNein
Übersicht – Judo und Karate im Vergleich

Die Art zu kämpfen und die im Judo bzw. Karate eingesetzten Techniken können unterschiedlicher nicht sein. Beim Judo handelt es sich um einen Ringkampfsport, eine Art des Grapplings, während im Karate, zumindest den sportlichen und weitverbreiteten Stilen, fast ausschließlich geschlagen und getreten wird.

Im Karate Wettkampf, beispielsweise dem Shotokan Karate, sind Würfe erlaubt, sie kommen aber sehr selten vor und es gibt keinen anschließenden Bodenkampf.

Wichtig zu wissen ist, dass die Kampfkunst Karate sehr vielseitig ist und viel mehr an technischem Repertoire beinhaltet, als in Wettkämpfen erlaubt und genutzt wird. Auch gibt es teilweise große Unterschiede in den jeweiligen Karatestilrichtungen. Wir beziehen uns in diesem Beitrag auf die bekannten und populären Karatestile, wie das Shotokan, Kyokushin, Shotokai, Goju-Ryu und Wado-Ryu.

Der Judosport ist eine versportlichte Variante des alten Jiu-Jitsu, einer ausgesprochen vielseitigen Kampfkunst, die, entsprechend trainiert, kämpferisch alle Aspekte des unbewaffneten Kampfes abdeckt. Jiu-Jitsu wird auch heute noch in vielen Judoschulen gelehrt, wenn es darum geht, den Selbstverteidigungsaspekt besser abzudecken.

Es wird aber eher sehr stiefmütterlich behandelt, da der sportliche Wettkampf im Judo eindeutig im Vordergrund steht.

Was die Kleidung anbelangt, unterscheiden sich die Karate- und Judoanzüge in erster Linie durch ihre Verarbeitung, weniger durch die Optik. Der Judo-Gi ist robuster, da er zum Greifen und Werfen genutzt wird. Karate-Gis sind wesentlich dünner und leichter.

Kampfsport, Kampfkunst, Selbstverteidigung?

Karate wird als Kampfkunst und Kampfsport betrieben, während im Judo der rein sportliche Gedanke vorherrschend ist. Das Thema Selbstverteidigung wird in beiden Disziplinen, in aller Regel eher stiefmütterlich behandelt.

Eine Kampfkunst legt, neben einem großen Repertoire an Techniken, besonders auf der Persönlichkeitsentwicklung der Schüler wert. Das Wort „Do“ steht, stellvertretend für das Wegideal, das die Persönlichkeit des Kampfkünstlers prägen soll.

Karate und Judo haben ihren Ursprung in alten Kampf- und Selbstverteidigungsmethoden, haben im Laufe der Zeit aber Entwicklungen in die Richtung Sport bzw. Kampfkunst vollzogen.

Der Vorteil des Judos in der Selbstverteidigung liegt in der Art des Trainings. Der Judoka trainiert mit Vollkontakt. Er nutzt seine gesamte Kraft zum Werfen, verzichtet jedoch auf vollen Krafteinsatz beim Hebeln, was Hebel auch im Ernstfall, hat er doch gelernt sie anzusetzen, wirkungsvoll macht.

Da im Judo geworfen wird, nimmt die Fallschule, die Kunst sicher und möglichst unbeschadet am Boden aufzukommen einen wichtigen Stellenwert ein. Im Karate fehlt diese gänzlich.

Im Karate herrschen, abgesehen vom Kyokushin, die Leichtkontaktstile vor. Beim Leichtkontakt wird nach einem Punktesystem gekämpft, das keine besonders gute Vorbereitung, für realistische Schlägereien, darstellt.

Folgetechniken nach Treffern werden nicht berücksichtigt, die Nahdistanz ist nicht existent und gerade im Leichtkontakt, kommt es zur falschen Einschätzung von Distanzen.

Judo oder Karate? Was ist besser für Kinder geeignet?

Ob Karate oder Judo, mit den richtigen Trainern sind Kinder entsprechend ihren Vorlieben, mit beiden Kampfsportarten gut beraten. Für Kinder, die gerne rangeln und raufen, ist Judo besser geeignet. Im Training wird die überschüssige Energie in geordnete Bahnen gelenkt und sorgt für Ausgeglichenheit.

Nichtsdestotrotz, ist Karate, unter den richtigen Trainern, auch gut für Kinder geeignet. Hier liegt es in erster Linie an den Vorlieben des Kindes und dessen geistiger und körperlicher Reife.

Ich persönlich würde meine Kinder zum Judo schicken, da das Judo, meiner Meinung nach kampfrelevante, für die Selbstverteidigung wichtige Inhalte, besser schult als das Karate. Auch, wenn Schläge und der Umgang mit Schlägen im Judo fehlt.

Für kleinere Kinder ist das Judo, hier fehlen ja Schläge und Tritte, eher zu empfehlen.

Judo – Karate? Was ist effektiver für die Selbstverteidigung?

Wer Judo oder Karate in erster Linie für die Selbstverteidigung erlernen möchte, ist mit beiden Kampfsportarten nicht besonders gut beraten. Da beide Disziplinen nur jeweils einen Teil der kämpferischen Anforderungen ausbilden.

Im Karate, es gibt Unterschiede in den jeweiligen Stilrichtungen, fehlt der realistische Nahkampf. Das gilt besonders für die Stilrichtung des Shotokan Karate, aber auch für das knallharte Kyokushin Karate. In diesem Vollkontaktkaratestil, sind Schläge zum Kopf verboten. Dementsprechend wird auch trainiert, was natürlich Auswirkungen im Ernstfall haben wird.

Beitrag: Ist Karate zur Selbstverteidigung geeignet? Eine Analyse.

Der Judosport ist als eine Art des Ringkampfes auf den Nahkampf spezialisiert. Schläge, Tritte, der Kampf in der langen und mittleren Distanz fehlen allerdings. Was den Judoka sehr anfällig gegen diese Attacken macht, sofern er es nicht schnell und unbeschadet in die Nahdistanz schafft. Dort kann er seine Stärken ausspielen und ist durchaus sehr kampfstark. Ein Wurf auf hartem Untergrund ist nicht selten kampfentscheidend.

Beitrag: Judo zur Selbstverteidigung? Eine Analyse

Als Kampfsportler, der aus den schlagenden Disziplinen kommt, möchte ich hier anmerken, dass vielfach Ringkampfsportarten in ihrer Effektivität von Laien grob unterschätzt werden. Unzählige Vergleichskämpfe zwischen Boxern und Ringer bzw. die Erfahrungen aus den Mixed Martial Arts, haben uns gezeigt, dass Ringkampfsportarten, sehr effektiv sein können.

In Vergleichskämpfen sollte man eher auf den Ringer (Judoka) setzen, als den Boxer (Karateka).

Fazit – die Unterschiede zwischen Judo und Karate

Judo und Karate zählen weltweit zu den beliebtesten Kampfsportarten. Im deutschsprachigen Raum gibt es gut vernetzte Vereinsstrukturen bis in kleine Dörfer hinein. Die beiden Sportarten können sehr kostengünstig und in der Regel auf gutem Niveau, betrieben und erlernt werden.

Sie können bis ins hohe Alter ausgeübt werden und erfreuen sich auch bei Senioren großer Beliebtheit.

Welche der beiden Kampfsportarten besser oder schlechter ist, kann nur individuell beantwortet werden. Beide haben Vor- und Nachteile. Es hängt ganz von deinen Vorlieben und Zielsetzungen ab.

Geht es dir vorrangig um Selbstverteidigung, solltest du andere Kampfmethoden in Betracht ziehen, ansonsten bist du mit den zwei olympischen Kampfsportarten sicherlich gut beraten.

Viel Spaß beim Training!

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